Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hatte am vergangenen Freitag bekannt gegeben, die derzeitigen Zuwendungen an den Evangelische Presseverband für Bayern (EPV) angesichts veränderter "finanzieller und medialer Rahmenbedigungen" zum Jahresende zu kürzen und die Kommunikation über ihre eigene Arbeit auszubauen. Der EPV reagiert entsetzt auf die von der Landeskirche angekündigte Kürzung der Mittel für die evangelische Publizistik.
Laut Landeskirche werde in künftigen Gesprächen über "mögliche neue Formen der Zusammenarbeit" mit dem EPV entschieden. Ziel der neuen Struktur ist es nach Angaben der bayerischen Kirche, "die kirchliche Kommunikation stärker an den Bedürfnissen von Mitgliedern, Mitarbeitenden und kirchlich Interessierten auszurichten und zugleich auf veränderte finanzielle und mediale Rahmenbedingungen zu reagieren". Rückläufige Mitgliederzahlen, sinkende Kirchensteuereinnahmen und ein dynamischer Medienwandel erforderten neue Schwerpunkte und Strukturen.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern stelle den EPV, das zentrale evangelische Medienhaus in Bayern, "vor eine ungewisse Zukunft" und setze die Arbeitsplätze der rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "aufs Spiel", sagte EPV-Direktor Roland Gertz am Montag in München. Nach Angaben von Gertz erhält der EPV im laufenden Jahr einen allgemeinen Zuschuss von rund 2,6 Millionen Euro, hinzu kämen Mittel für Einzelprojekte. Die Summe entspreche etwa 0,28 Prozent des landeskirchlichen Haushalts.
Gertz forderte unter anderem das Aussetzen der Kündigung der Grundvereinbarung, bis eine neue, gemeinsam ausgearbeitete Vereinbarung unterschrieben sei, "die angemessen auf die Zukunftsherausforderungen reagiert". Der institutionelle Zuschuss an den EPV müsse über 2026 hinaus fortgeführt werden.
Im EPV sind unter anderem die Wochenzeitung "Sonntagsblatt", das Portal "sonntagsblatt.de", der Buchverlag claudius und die Evangelische Funk-Agentur (efa) sowie das Evangelische Fernsehen (efs) angesiedelt. Auch der Landesdienst Bayern des Evangelischen Pressedienstes (epd) gehörte bislang zum EPV. Er bleibe als unabhängige Nachrichtenagentur "wichtiger Bestandteil" kirchlicher Medienpräsenz, teilte die Landeskirche mit, ohne Angaben zur künftigen Trägerstruktur zu machen. Auch die Rundfunkarbeit in öffentlich-rechtlichen und privaten Medien soll fortgesetzt werden.
"Nicht irgendein weltliches Medienhaus"
Alle Mitarbeiter wüssten von den Herausforderungen, vor denen die bayerische Landeskirche stehe, "insbesondere dem erheblichen Rückgang der Einnahmen, des Personals und des Immobilienbestands um derzeit geschätzte bis zu 40 Prozent in den kommenden Jahren", sagte Gertz. "Die angekündigten Zuschusskürzungen für den EPV sprengten dabei allerdings jede Verhältnismäßigkeit, da sie - unter der Annahme einer weiterhin ungekürzten Bezuschussung des epd - in einem Bereich von bis zu 70 Prozent liegen", ergänzte er. Die Ankündigung der Landeskirche habe ihn Ende Januar unvorbereitet getroffen, da er selbst erst einen Tag vor der Belegschaft über die Pläne informiert worden sei.
Der EPV sei "nicht irgendein weltliches Medienhaus", sondern seit Jahrzehnten mit der Landeskirche verbunden. Die Mitarbeiter:innen hätten es "mehr als verdient, fair, gerecht und menschenfreundlich behandelt zu werden und eine echte Perspektive für ihre berufliche Zukunft über das Jahresende 2026 zu haben", mahnte Gertz.


