TV-Tipp: "Was wir verbergen"

Fernseher vor gelbem Hintergrund

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2. Dezember, Arte, 20.15 Uh
TV-Tipp: "Was wir verbergen"
Die Sache war noch nicht ausgestanden, und nun wird sie fortgesetzt, allerdings völlig anders als erwartet: Die die Düsseldorfer ZDF-Krimiheldin Helen Dorn startet im ARTE-Krimi mit einem neue Kapitel in der Karriere als Kommissarin.

Die Sache war noch nicht ausgestanden, und nun wird sie fortgesetzt, allerdings völlig anders als erwartet: Als sich die Düsseldorfer ZDF-Krimiheldin Helen Dorn erstmals in Hamburg tummelte ("Kleine Freiheit", 2020), traf sie dort auf eine LKA-Kollegin, die offenkundig ein nicht weiter vertieftes Problem hatte. In der nächsten Episode ("Wer Gewalt sät", 2021) war Katharina Tempel ebenfalls Ko-Ermittlerin, aber ihre Geschichte wird erst jetzt erzählt. Die Idee, rund um eine Nebenfigur eine eigene Reihe zu gestalten, ist natürlich nicht neu, auf diese Weise sind schon ganze Comicserien entstanden; für TV-Krimis ist das allerdings eher ungewöhnlich. Abgesehen davon sind die beiden "Helen Dorn"-Episoden für das Verständnis von "Was wir verbergen" völlig unerheblich, zumal die Handlung mit einem neuen Kapitel in der Karriere der Kommissarin beginnt: Sie hat sich vom LKA zur Mordkommission versetzen lassen und stürzt sich bereits einen Tag vor ihrem offiziellen Dienstantritt gut gelaunt, voller Vorfreude und mit großem Eifer in die Arbeit stürzt. Tatsächlich wirkt sie sogar wie befreit. 

Franziska Hartmann hat in den letzten Jahren viele imposante Frauenfiguren verkörpert: eine obdachlose Mutter in "Sterne über uns" (2019, eine Kinokoproduktion des ZDF), eine verzweifelte Erzieherin, die in "Kalt" (2022, ARD) indirekt den Tod eines Kindes verschuldet, eine traumatisierte Bundeswehroffizierin in "Neuland" (2022, ZDF), die sich um ihre verwaisten Nichten kümmern muss; in "Was wir verbergen" lächelt sie vermutlich öfter als in all' diesen Produktionen zusammen. Doch der Schein trügt, wie kleine Irritationen am Rande andeuten: Ehemann Volker (Florian Stetter), als Pressesprecher der Hamburger Polizei für seine Besonnenheit gelobt, schaut stets sehr sparsam drein, wenn wieder mal ein Anruf von Katharinas Chef, Georg König (Stephan Szász), die eheliche Zweisamkeit stört. Der kleine Sohn sorgt in der Schule derart oft für Ärger, dass die Schulpsychologin (Fanny Stavjanik) eine von Volker allerdings brüsk abgelehnte Familientherapie empfiehlt. 

All' das spielt sich jedoch eher im Hintergrund ab, denn vordergründig geht es um einen Fall, der Tempel und König vor ein echtes Rätsel stellt: Ein Ehepaar ist aus dem eigenen Haus entführt und auf sein Boot verschleppt worden. Der Mann (Jörg Pose) konnte sich befreien, von der Frau fehlt jede Spur. Der Verdacht fällt zwar umgehend auf den Gatten, aber das Verhältnis gilt als glücklich, zumal das kinderlose Ehepaar eine gemeinsame berufliche Passion pflegt: Hans und Ulla Leitermann haben eine erfolgreiche Kinderwunschklinik gegründet.

Dort werden allerdings auch Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, wenn bei der pränatalen Diagnostik ein Gendefekt festgestellt wird. Deshalb gab es in der Vergangenheit immer wieder Ärger mit einer Initiative, die sich "Pro Life 21" nennt und auch vor Kunstblutattacken auf die Patientinnen nicht zurückschreckt. Natalie Matchevski (Alberta von Poelnitz) hat einen Bruder mit der Chromosomen-Anomalie Trisomie 21 und klärt das Ermittlerduo entrüstet darüber auf, dass aufgrund dieser "Auslese" kaum noch Kinder mit Down-Syndrom zur Welt kämen. Als sich rausstellt, dass der Transporter der Gruppe bei der Entführung eine Rolle gespielt hat und der Vater (André Szymanski) der Geschwister in die Entführung verwickelt ist, scheint der Fall gelöst; aber Katharina ahnt, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. 

Die besondere Qualität des Drehbuchs von Elke Rössler, deren Filmografie in den letzten Jahren vor allem aus Beiträgen für die ZDF-Sonntagsreihen "Katie Fforde" und "Ella Schön" bestand, liegt in der cleveren Verknüpfung der beiden Beziehungsebenen: Je mehr Katharina über das Leben der Leitermanns erfährt, desto offensichtlicher sind die Parallelen zu ihrer eigenen Ehe, wenn auch in erster Linie im übertragenen Sinn. Zunächst ist es völlig mysteriös, dass im gesamten Haus Überwachungskameras installiert sind, von deren Existenz der Mann ebenso überrascht ist wie von dem Schutzraum in einer Kellererweiterung, die seine Frau offenbar vornehmen ließ, als er vor Jahren für längere Zeit im Ausland war. Die verstörenden Videoaufnahmen dokumentieren einen Einbruch des Grauens in einen vermeintlich beschaulichen Alltag und sind ähnlich schockierend wie Katharinas eigene Erfahrungen. Regie führte Francis Meletzky, die neben diversen Krimis immer wieder auch Dramen inszeniert hat; genau die richtige Voraussetzung für eine Geschichte, die prägende Elemente beider Genres klug miteinander mischt. 

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