Neumann: Sportler sollen sich politisch äußern

Sportreporterin Claudia Neumann

© Georg Wendt/dpa

Die ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann hat Sportler:innen zu politischen Stellungnahmen zu Katar, dem Austragungsland der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, ermutigt. (Archivfoto)

ZDF-Sportreporterin bei EKHN
Neumann: Sportler sollen sich politisch äußern
DFB-Präsident: WM-Vergabe an Katar hat Umdenken ausgelöst
Die ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann hat Sportler:innen zu politischen Stellungnahmen ermutigt. Das sagte sie als Gastrednerin auf der zentralen Reformationsfeier der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Mainz.

Jahrzehntelang habe man Sportlerinnen und Sportlern eingebläut, sich aus politischen Diskussionen herauszuhalten, sagte die Fußballreporterin und Gastrednerin am Montagabend. Sportler:innen sollten aber die politische Dimension des Sports öffentlichkeitswirksam nutzen.

So würden in dem Austragungsland der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, in Katar, Menschenrechte systematisch missachtet, Leiharbeiter ausgebeutet, Frauen de facto zu Menschen zweiter Klasse gemacht und keine Presse- und Religionsfreiheit gewährt. Als Vorbild nannte Neumann die US-amerikanischen Sportler:innen, die seit Jahren laut und kraftvoll gegen die Benachteiligung infolge der Hautfarbe kämpften.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung rief anlässlich des Reformationstages in der Christuskirche zu einer "Kultur der Fürsorglichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens" auf. Er erinnerte in seiner Predigt an die Klimakrise, den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die Missachtung von Menschenrechten in vielen Ländern und die zunehmende soziale Spaltung infolge hoher Energiepreise und Inflation. Die Bergpredigt rufe in Erinnerung: "Menschen können nicht gut miteinander leben, wenn sie einander nicht respektieren."

Am 31. Oktober erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation und die Gründung der evangelischen Kirche. Am Tag vor Allerheiligen 1517 hatte der Wittenberger Mönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen zu Ablass und Buße in Umlauf gebracht. Luthers heftige Kritik an der Kirchenpraxis brachte die Reformation ins Rollen.

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Sollen Sportler:innen in der Öffentlichkeit zu politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen?

Nach Einschätzung des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf hat die umstrittene Vergabe der Fußball-WM nach Katar zu einem Umdenken geführt. Der Sport sei "sehr viel politischer geworden". Eine Vergabe eins sportlichen Großereignisses ohne Berücksichtigung von Themen wie Nachhaltigkeit und Menschenrechte werde es seiner Einschätzung nach nicht mehr geben, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montagabend im "heute journal" des ZDF.

DFB zurückhaltend mit Empfehlung für deutsche Fans

Zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ist Neuendorf drei Wochen vor Beginn der WM nach Katar gereist, um sich über die dortige Menschenrechtslage zu informieren. Die Weltmeisterschaft war 2010 vergeben worden. Insbesondere wegen seines Umgangs mit Arbeitsmigranten und der Austragung der WM in einem Land mit Wüstenklima steht der WM-Gastgeber anhaltend unter Kritik. Ursprünglich sollte auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg (Grüne) Teil der Delegation sein. Sie sagte die Mitreise allerdings am Sonntag mit der Begründung ab, dass es derzeit schwierig sei, mit der Regierung in Katar Gespräche zu führen.

Neuendorf gab sich zurückhaltend mit Empfehlungen für die deutschen Fans. "Es muss jeder entscheiden, ob er hierherkommt und wie er mit der WM umgeht", sagt der DFB-Präsident, der für das Interview aus der katarischen Hauptstadt Doha zugeschaltet war. Er sei ziemlich sicher, dass viele das Turnier verfolgen werden. "Aber natürlich wird es auch Menschen geben, die sagen, ich möchte lieber nicht zuschauen", räumte er ein.

Die WM beginnt am 20. November, das Endspiel wird am 18. Dezember ausgetragen. Wegen der klimatischen Bedingungen in Katar wurde die Endrunde vom Sommer auf das Jahresende verlegt.

Faeser will zur WM nach Katar reisen

Bundesinnenministerin Faeser will zum ersten Spiel der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM nach Katar reisen. Sie wolle den Reformprozess in dem Land auch während der WM begleiten, sagte Faeser am Dienstag im ARD-"Mittagsmagazin". Deswegen reise sie zum Spiel der deutschen Mannschaft gegen Japan, das für Mittwoch, 23. November angesetzt ist. 

In einer Mitteilung ihres Ministeriums erklärte Faeser zum Abschluss der Reise am Dienstag, alle Menschen, "egal woher sie kommen, wen sie lieben und woran sie glauben, müssen bei der WM sicher sein". Jeder Fan müsse sich frei und ohne Angst bewegen können. "Diese Sicherheitsgarantie hat mir der Premierminister von Katar heute gegeben", sagte Faeser. Der ARD sagte Faeser, sie könne homosexuellen Menschen deswegen guten Gewissens empfehlen, zur WM zu reisen.

Faeser hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, bei der Vergabe von Sportevents die Beachtung der Menschenrechte in den in Frage kommenden Ländern stärker zu berücksichtigen, und die WM-Vergabe an Katar als "schwierig" bezeichnet. Medienberichten zufolge wurde daraufhin der deutsche Botschafter in Katar einbestellt.

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