Pakistanischer Christ soll freiwillig ausreisen

Mann steigt in Flugzeug

© Erwan Hesry/Unsplash

Ein aus Pakistan geflohener Christ soll nun freiwillig ausreisen und am 4. Juni dem Ausländeramt in Meißen ein Flugticket nach Pakistan vorlegen (Symbolbild).

Pakistanischer Christ soll freiwillig ausreisen
Seit Jahren lebt ein aus Pakistan geflohener Christ in Deutschland. Nun soll er sich in der Heimat ein Visum zur Familienzusammenführung ausstellen lassen. Doch der Erfolg der Reise ist ungewiss.

Einem pakistanischen Christen aus dem sächsischen Meißen droht weiter die Abschiebung. Noch immer sei eine humanitäre Lösung nicht in Sicht, keiner der in den Behörden zuständigen Verantwortlichen habe eine zufriedenstellende Antwort gegeben, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete und Theologe Frank Richter am Donnerstag in Dresden. Faisal Jahangir sei demnach ausreisepflichtig. In Pakistan müsse der katholische Christ religiöse Verfolgung fürchten.

Der Fall wurde im März öffentlich bekannt. Der Pakistaner war während eines regulären Besuchstermins im Landratsamt Meißen verhaftet und ins Abschiebegefängnis in Dresden gebracht worden. Nach Intervention des katholischen Dresdner Bischofs Heinrich Timmerevers kam er wieder frei. Laut Richter soll der Mann nun freiwillig ausreisen und am 4. Juni dem Ausländeramt in Meißen ein Flugticket nach Pakistan vorlegen.

Hintergrund ist ein notwendiges Visum für Familienzusammenführung, das er in der Deutschen Botschaft in Pakistan beantragen soll. Jahangir lebt seit 13 Jahren in Deutschland und seit einiger Zeit im sächsischen Meißen. Er ist erwerbstätig und seit 2020 mit einer Deutschen verheiratet. Wegen einer Asthma-Erkrankung ist er in ärztlicher Behandlung. "Zwischen behördlicher Behandlung und der Lebenswirklichkeit des Mannes klafft eine Lücke", kritisierte der Theologe Richter.

Überlegungen über Kirchenasyl

Er hoffe "auf einen Gesinnungswandel der Behörden und eine andere Sicht im Landratsamt Meißen auf Faisal", so Richter. Es gebe Ausnahmeregelungen, die es ermöglichten, das notwendige Visum auch in Deutschland einzuholen. Falls Jahangir bis zum 4. Juni das Ticket nicht vorlege, drohe ihm eine dreijährige Einreisesperre nach Deutschland. Es werde daher auch über die Möglichkeit eines Kirchenasyls nachgedacht, sagte Richter.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hatte zuvor für den Pakistaner keine Möglichkeit für eine Ausnahmeregelung gesehen. Auch ein Härtefallersuchen war gescheitert.

Es sei nicht bekannt, wie lange das Visumverfahren dauert und wann Jahangir wieder einreisen kann, sagte der Leiter des Katholischen Büros Sachsen, Daniel Frank. Er könne die Angst des Betroffenen verstehen. Muslime hätten den Mann bei der Polizei in Pakistan denunziert. Das hätten ihm die deutschen Behörden aber nicht geglaubt.

Sächsische Verfassungsmedaille weitergegeben

Als Zeichen seiner Unzufriedenheit gab Richter am Donnerstag die ihm verliehene Sächsische Verfassungsmedaille an den Dresdener Theaterintendanten Holger Böhme weiter. Er distanziere sich von einer solchen Asylpraxis und dem Umgang mit Jahangir, nicht aber vom Staat, betonte der SPD-Politiker und frühere DDR-Bürgerrechtler dabei. Böhme soll die Medaille nun einen Monat behalten und "etwas für die Verfassung tun". Danach soll die Auszeichnung laut Richter weiterwandern.

Pakistan hat rund 208 Millionen Einwohner. Mehr als 90 Prozent sind Muslime. Das gesamtgesellschaftliche Klima gegen "abweichende" Religionen habe sich verändert, sagte der frühere Bundeswehr-Oberst und Pakistan-Kenner, Jean Lacroix. Vor allem für die christliche Minderheit, etwa zwei Prozent der Bevölkerung, seien die Bedingungen vor Ort sehr schwer.

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