Malte und Emma lernen am liebsten im "Breakout-Raum"

Malte und Emma lernen am liebsten im "Breakout-Raum"
epd-bild/Matthias Finke
Die Schüler:innen des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn (EGN) in der Grafschaft Bentheim lernen während der Pandemie in Notbetreuung.
Malte und Emma lernen am liebsten im "Breakout-Raum"
Kreativ gegen Corona-Frust - Ev. Gymnasium Nordhorn ist ein Finalist für Deutschen Schulpreis
Viele Schüler sind es leid, im Homeschooling zu lernen. Am Evangelischen Gymnasium Nordhorn verstehen sie die Krise als Chance und probieren Neues aus. Mit dem Erfolg, dass Kinder und Jugendliche trotz Corona gerne mitmachen.
08.05.2021
epd
Martina Schwager

Wenn Malte mit anderen aus seinem zwölften Jahrgang gemeinsam lernen will, treffen sie sich in einem der „Breakout-Räume“ der Oberstufe. Sechstklässlerin Emma nimmt ihren Interview-Partner mit in den „Breakout-Raum“ des Reporterprofils. Die digitalen Räume haben sich am Evangelischen Gymnasium Nordhorn (EGN) zum echten Renner entwickelt. Auch Deutsch-Lehrerin Johanna Bradtmöller möchte sie nach der Corona-Pandemie nicht mehr missen. Sie teilt ihre Klassen regelmäßig in Kleingruppen und versorgt sie mit individuellen Aufgaben: „Ich möchte auch in Zukunft Schule in solchen kleinen Räumen gestalten.“

Auch sonst läuft an der Schule in der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen trotz Corona vieles richtig gut. Sie gehören zu den Finalisten für den Deutschen Schulpreis 2021 Spezial - für innovative Konzepte im Umgang mit der Coronakrise. Er wird am 10. Mai von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen. Die Auszeichnung ist in sieben Kategorien unterteilt, 366 Schulen hatten sich beworben. Das EGN ist in der Kategorie „Tragfähige Netze knüpfen“ einer von zwei Nominierten.

„Die Schule hat ihre Netze in der Coronazeit sogar noch erweitert“, sagt Schulleiterin Gabriele Obst. Für ein Agrarprojekt arbeitet sie neuerdings mit der Universität Göttingen zusammen. Bei der Ausbildung von älteren Schülern zu digitalen Lernpaten setzt sie auf die Unterstützung der Uni Essen und der Evangelischen Erwachsenenbildung. Für das „sozialdiakonische Praktikum“ wurden alternative Angebot entwickelt, durch die sich neue Kooperationen ergaben: „Schüler haben Balkonkonzerte vor Altenheimen gegeben, Einkaufshilfen organisiert und Adventspäckchen für Krankenhäuser gepackt.“

Kaum einer redet von Krise in Corona-Zeiten

Überhaupt sprechen sie am EGN in Zusammenhang mit Corona nur selten von Krise. „Wir haben Corona vor allem als Chance verstanden und angenommen“, sagt Obst. Die Entwicklung der Lernkonzepte der erst zehn Jahre alten Schule sei durch Corona noch einmal befeuert worden. Der Schub in der Digitalisierung habe ihnen „Potenziale aufgezeigt, die wir vorher gar nicht gesehen haben“, sagt Lateinlehrer Elias Hoffmann. „Warum sollten Schüler in Zukunft nicht mit dem Tablet zum Lernen auf dem Sportplatz sitzen?“ Auch alternative Leistungskontrollen etwa durch Referate oder Langzeitbeobachtungen wollen sie am EGN beibehalten.

Malte, 18 Jahre alt und Schülersprecher, findet solche Überlegungen spannend. Er bereitet sich auf das Abitur in einem Jahr vor. Trotz Homeschooling habe er nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, sagt er. Im Gegenteil: „Die Lehrer haben uns alle gut im Blick. Und durch das digitale Lernen ergeben sich neue Möglichkeiten.“ Malte nennt als Beispiel die Schaubilder und Präsentationen, die die Lehrer von ihren Unterrichtsstunden in digitalen Ordnern ablegen. Die könne sich jeder beliebig oft ansehen. „So verlieren wir nichts von unserem Abi-Stoff.“

Trotz Pandemie: Ausschlafen ist nicht

Für ihn wie auch für alle anderen Schüler:innen gilt übrigens auch in Corona-Zeiten: Ausschlafen ist nicht. Der komplette Unterricht in allen Fächern wird digital erteilt. Er beginnt für alle jeden Tag um 7.45 Uhr. Jede Unterrichtsstunde, die am EGN 80 Minuten lang ist, beginnt und endet mit einer Videokonferenz. Dazwischen erledigen die Jungen und Mädchen Aufgaben. Oder die Konferenz füllt die gesamte Stunde. „Uns ist wichtig, dass die Kinder wirklich aus dem Bett kommen und wir ihnen eine Tagesstruktur geben“, sagt Schulleiterin Obst. Von allen Eltern gibt es dafür viel Lob, sagt Heike Draber, Mutter von Fiete aus der siebten Klasse: „Er ist trotz Corona noch nicht einen Tag ungern zur Schule gegangen.“

Auch Sechstklässlerin Emma (11) findet es zwar „blöd, wenn man Freunde nur über den Bildschirm sehen kann“. Aber langweilig ist ihr im Homeschooling nicht. „Manchmal machen wir am Bildschirm Gymnastik. Wir können auch mal fünf Minuten frische Luft schnappen. Oder wir sammeln für den Bio-Unterricht Blumen.“ Emma ist außer als Reporterin auch noch im Projekt „Kochen und Spielen“ unterwegs. Denn auch das Ganztagsangebot am EGN ist digitalisiert. Wenn die Elfjährige zu Hause einen Kuchen backt, lädt sie Fotos davon hoch. „Und ich schreibe, ob es geschmeckt hat“, erzählt sie und grinst.