Bischof July: Kirche als "Zeitzeugin der Hoffnung"

Bischof July: Kirche als "Zeitzeugin der Hoffnung"
Zum Auftakt hat die württembergische Landessynode Zukunftsperspektiven der Kirche diskutiert. Das Thema Glaubwürdigkeit spielte dabei eine große Rolle.

Nah bei den Menschen und glaubwürdig muss Kirche sein. Diesen Anspruch haben die Gesprächskreise der württembergischen Landessynode unterstrichen, die am Freitag den aktuellen Bischofsbericht von Landesbischof Frank Otfried July diskutierten. Kirche muss nach Überzeugung von July im Gespräch mit den Menschen heute "Zeitzeugin der Hoffnung" sein.

Seinen traditionellen jährlichen Bischofsbericht stellte July unter das Thema "Komm, weite den Blick...". Bei allen Entscheidungen müsse die Kommunikation mit den Menschen im Mittelpunkt stehen, nicht die Strukturen. Eine glaubwürdige Kirche müsse sich orientieren an den Dimensionen "Glaube, Liebe, Hoffnung". "Als Kirche sind wir herausgefordert, uns nicht zuerst einer Struktur- und Marketingkrise zu stellen, sondern der ihr zugrundeliegenden Glaubenskrise", sagte der Landesbischof.

July plädiert für "Wahrnehmungskompetenz"

Dafür sei auch Leitungskompetenz nötig und das erfordere - auch im Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen - "nicht nur Entscheidungskompetenz, sondern zuerst einmal Wahrnehmungskompetenz", sagte July. Für eine beispielhafte christliche Leitungskultur brauche es zudem "auf alle Ebenen Gemeinschaft in Pluralität" und Grundsätze, zu denen die Bindung an Christus und das Gebot zur Liebe zählen sollten.

Die Zukunft der Kirche müsse "gemeinschaftlich und ökumenisch" sein. Im Zentrum müsse Seelsorge stehen, sagte July. Und die Kirche müsse "zuallererst Erfahrungsraum für Glauben sein". "Sorgen wir für diese 'Räume', in denen geistliche, spirituelle Erfahrung gemacht werden kann", forderte July die Landeskirche auf. Dabei sei Seelsorge die "Muttersprache der Kirche" auch in Mission und Diakonie. Die Kirchen müssten zudem eine ökumenische, "immer sichtbarer werdende Hoffnungsgemeinschaft" sein. Das habe eine seelsorgliche Dimension, aber auch eine politische im gemeinsamen Einsatz gegen Unrecht.

Für den Gesprächskreis "Offene Kirche" betonte Yasna Crüsemann, eine glaubwürdige Kirche lebe vor, was sie glaube und wofür sie stehe. Derzeit und in Zukunft sei eine wichtige Aufgabe für die Kirche, "Brücken zu bauen in einer Gesellschaft, durch die sich tiefe Gräben ziehen".

Wunsch nach versöhnter Verschiedenheit

"Seelsorge, Diakonie und Mission haben wir immer im Zusammenhang erlebt", sagte Gunther Seibold für den Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde". Der Gesprächskreis wünsche sich versöhnte Verschiedenheit nicht nur im Blick auf die Ökumene, sondern auch innerkirchlich, und plädiere für Erkennbarkeit.

Für "Evangelium und Kirche" wies André Bohnet darauf hin, dass Finanzentscheidungen letztlich die Prioritäten setzen. Investiert werden sollte deshalb in die Entlastung des Pfarrdienstes von Bürokratie, um mehr Raum für Seelsorge zu haben, und in Bildung. Er wünsche sich eine Kirche, die "profiliert und zuversichtlich" ist.

Beziehungspflege stellte Britta Gall für den Gesprächskreis "Kirche für morgen" in den Mittelpunkt ihres Beitrags. Junge Menschen seien auf Sinn- und Haltsuche. Hier müsse Kirche "hinhören und verstehen wollen" und Erprobungsräume ermöglichen, auch im digitalen Bereich.

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