Open Doors: Corona-Krise verstärkt Druck auf verfolgte Christen

Weltverfolgungsindex 2021

© epd-bild / WCC / Peter Williams

Teilnehmer eines Gottesdienstes in der evangelischen Bongsu-Kirche in Pjöngjang in Nordkorea. Zum 20. Mal in Folge steht Nordkorea auf Rang eins des Weltverfolgungsindex.

Open Doors: Corona-Krise verstärkt Druck auf verfolgte Christen
Hilfswerk legt Weltverfolgungsindex 2021 vor - Nordkorea erneut an erster Stelle
Die Intensität der Christenverfolgung hat laut Open Doors im Corona-Jahr 2020 weltweit zugenommen. In vielen Ländern werden vor allem Menschen unterdrückt und diskriminiert, die von ihrer Ursprungsreligion zum christlichen Glauben übergetreten sind.

Die Corona-Pandemie hat die Lage von christlichen Minderheiten laut Open Doors vor allem in Afrika und Asien verschlimmert. Christen in diesen Ländern würden häufig von Nothilfen ausgeschlossen und für die Pandemie verantwortlich gemacht, heißt es in dem am Mittwoch in Kelkheim im Taunus veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2021 des christlichen Hilfswerks. Der jährlich erscheinende Index listet Länder auf, in denen Christen am härtesten verfolgt und diskriminiert werden. Zum 20. Mal in Folge steht Nordkorea auf Rang eins. Auf den Rängen zwei bis zehn folgen Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Eritrea, Jemen, Iran, Nigeria und Indien.

Die Anzahl der dokumentierten Fälle von Christen, die aufgrund ihres Glaubens getötet wurden, habe sich von 2.983 im Vorjahr auf mindestens 4.761 erhöht, erklärte das Hilfswerk weiter. Der aktuelle Bericht bezieht sich auf den Zeitraum von Oktober 2019 bis September 2020.

300 Millionen Christen Verfolgung ausgesetzt

In Nigeria seien mit 3.530 die meisten Christen getötet worden, der Großteil von April bis August 2020, als das Land wegen der Covid-19-Pandemie abgeriegelt gewesen sei. In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben laut Open Doors etwa 760 Millionen Christen. Rund 309 Millionen von ihnen seien in einem sehr hohen bis extremen Maß Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Die stärkste Zunahme der Christenverfolgung sei in Mosambik und der Demokratischen Republik Kongo zu beobachten, gefolgt von der Türkei, dem Irak und China.

In diesem Jahr stellt Open Doors vor allem China in den Fokus: "Riesige Umerziehungslager, ein gigantisches Überwachungssystem, Tausende geschlossene oder zerstörte Kirchen und inhaftierte Pastoren: China kennt keine Religionsfreiheit." In China strebe Staatspräsident Xi Jinping die Kontrolle und Steuerung aller Bürger mittels eines "Social Scorings" an. Christen stünden im Fokus, weil sie Jesus anbeten und sich nicht dem Herrschaftsanspruch der kommunistischen Partei beugten.

Anlass zu großer Sorge

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte erklärte, der Index zeige erneut, dass die "strukturelle Missachtung der Menschenrechte insbesondere in China" zur Herkulesaufgabe für die internationale Staatengemeinschaft werde. Open Doors zeige zudem auf, dass im Schatten der Corona-Pandemie repressive Systeme ihren Kampf gegen die Menschenrechte verschärften. Hirte ist Vorsitzender des Stephanuskreises, der sich für verfolgte Christen einsetzt.

Diese Entwicklung sei Anlass zu großer Sorge, fügte der CDU-Politiker Volker Kauder in Berlin hinzu. Ein besonderes Augenmerk müsse auf die Situation im Iran gelegt werden. Die Bundesregierung müsse ihre Haltung zur Abschiebung von zum christlichen Glauben konvertierten Iranern ändern. Ihnen drohe im Iran eine Anklage, sagte Kauder, in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zuständig für Wertethemen, Religionsfreiheit und den Einsatz gegen Christenverfolgung.

In Nordkorea drohen Zwangsarbeit und Todesstrafe

In Nordkorea drohen Christen laut Bericht die Hinrichtung oder Zwangsarbeit bis zum Tod in einem der mindestens vier Straflager für politische Häftlinge, wo derzeit 50.000 bis 70.000 Christen inhaftiert seien. In Indien sowie der Türkei und weiteren Ländern drohe religiöser Nationalismus alles kirchliche Leben zu ersticken.

Der Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks (GAW), Enno Haaks, zeigte sich kritisch gegenüber dem Index. Die Rede von Christenverfolgung solle letztlich für solche Situationen vorbehalten bleiben, "wo wir deutlich mehr sehen als verbale Beleidigungen oder Diskriminierungen, wo Christen tatsächlich um ihr Leben oder ihre Gesundheit fürchten müssen", sagte Haaks dem Online-Portal "Die Eule".

Haaks: Bild ist komplex

Ihn störe zudem die Engführung auf ganze Staaten, so Haaks. "Es stimmt einfach nicht, dass Christen in ganz Syrien verfolgt werden. Sie sind aufgrund der wirtschaftlichen und der fehlenden Lebensperspektiven auch dort bedrängt, wo sie keiner Gewalt durch Islamisten ausgesetzt sind, das stimmt. Aber das Bild ist eben komplex", so der Pfarrer. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützt im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) evangelische Diasporagemeinden in aller Welt.

Der Index basiert auf der Erhebung von dokumentierten Übergriffen auf Christen und Gemeinden in den einzelnen Ländern. Zusätzlich werden Fragebögen von ortsansässigen Forschern und externen Länderexperten ausgefüllt. Open Doors ist nach eigenen Angaben in über 60 Ländern aktiv. Der deutsche Zweig ist als Verein organisiert und wird vor allem von Freikirchen unterstützt.

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