Rechtsextreme Netzattacken in Berliner Kirchenkreis

Rechtsextreme Netzattacken in Berliner Kirchenkreis
Landesonlinepfarrer plädiert für gezielte Schutzmaßnahmen
In Berlin ist ein Kirchenkreis Ziel rechter Angriffe im Netz geworden. Der Landesonlinepfarrer berät Kirchengemeinden, wie man sich vor sogenannten Zoombombings schützen kann und was man sonst noch gegen rechte Trolle tun kann.

Der Berliner Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg ist in den vergangenen Wochen Ziel rechtsextremer Angriffe geworden. Es sei unter anderem bei Video-Gottesdiensten zu antisemitischen Äußerungen, zum Zeigen verfassungswidriger Kennzeichen und Drohungen gekommen, bestätigte eine Sprecherin des Kirchenkreises auf Anfrage. Unter anderem sei bei einem Gottesdienst auf der Videoplattform Zoom ein Hakenkreuz gezeigt und martialische Musik eingespielt worden. Auch sei versucht worden, eigene Filme in den Gottesdienst einzuspielen.

"Wir haben alle Vorfälle zur Anzeige gebracht und werden das auch in Zukunft tun", sagte die Kirchenkreis-Sprecherin. Der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Der Kirchenkreis will das Onlineformat bei Gottesdiensten trotz der Vorfälle weiter offen gestalten. Der Zugang solle auch künftig ohne Anmeldung und Registrierung möglich sein, betonte die Sprecherin. Dennoch soll die Sicherheit erweitert werden.

Server gestürmt

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) zeigte sich bestürzt über die Angriffe und die damit verbundenen Störungen kirchlich-religiöser Handlungen. "Ich schätze das enorme und für eine friedvoll zusammenlebende Gesellschaft so wichtige Engagement des Kirchenkreises", sagte sie. Sie verwies darauf, dass sich der Kirchenkreis regelmäßig mit interreligiösen Veranstaltungen engagiere und zeige, "dass es wichtig ist, Brücken zu bauen und einander die Hand zu reichen".

In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sei es der erste bekannte Fall eines sogenannten Zoombombing, sagte Landesonlinepfarrer Andreas Erdmann. Im Frühjahr, als mit Beginn der Corona-Krise Gottesdienste verstärkt online angeboten wurden, habe es auch rechte Angriffe gegeben. Damals seien Gottesdienste, die etwa auf YouTube ober Twitch gestreamt wurden, das Ziel gewesen. "Es wurden die Server angegriffen, bei denen es zu Verbindungsabbrüchen kam, so dass der Gottesdienst bei den Teilnehmenden viel Geduld einforderte", berichtete Erdmann.

Notfalls stummschalten oder sperren

Der Onlinepfarrer und IT-Experte plädiert für bestimmte Sicherheitsmaßnahmen. So habe der Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg nach der Attacke alles richtig gemacht, indem er den Gottesdienst auf Instagram fortgesetzt habe und die Vorfälle zur Anzeige brachte.

Erdmann empfiehlt Kirchengemeinden, für Online-Gottesdienste die Web-Einstellungen so zu konfigurieren, dass Zugriffe nur von Deutschland aus möglich sind: "Mögliche Angriffe, die zur Anzeige gebracht werden, sind dann für die Behörden leichter nachvollziehbar, wenn sie nicht über einen Proxy-Server im Ausland geleitet werden können."

Genutzt werden könnten vom Host - also der Kirchengemeinde, die ein Online-Angebot initiiert - auch Funktionen wie das Stummschalten von Nutzern oder die Sperrung der Bildschirmfreigabe. Links für Online-Veranstaltungen sollten zudem nicht öffentlich gepostet werden.

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