Kirchenpräsident will kritische Auseinandersetzung mit Corona-Leugnern

Stuttgarter Initiative "Querdenken 711" bei Demo

©epd-bild/Christian Ditsch

Corona-Leugner, etwa von der Stuttgarter Initiative "Querdenken 711", will der reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher der Diskussion stellen.

Kirchenpräsident will kritische Auseinandersetzung mit Corona-Leugnern
Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, hat Corona-Leugnern eine deutliche Absage erteilt. Dennoch müsse man mit ihnen debattieren.

"Die Wirklichkeit zu leugnen widerspricht dem Glaubensbekenntnis", sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher der in Leer erscheinenden Ostfriesen-Zeitung. "Seit der Aufklärung wollen wir Glauben und Wissen zusammendenken. Wir können nie mehr Glauben gegen Wissen stellen. Dafür stehen wir ein."

Allerdings dürften die "Querdenkenden" nicht einfach abgeschoben werden, mahnte Heimbucher. "Wir müssen sie ansprechen. Aber es ist schwer, diese Menschen zu erreichen." Bei den Corona-Leugnern komme auch die Kirche an ihre Grenzen. "Das bedeutet übrigens auch, Grenzen zu setzen. Man muss bestimmten Leuten sagen, dass man sie vielleicht versteht, ihre Meinung aber absolut nicht akzeptieren kann." Die Basis im Weltlichen sei das Grundgesetz und in der Kirche das Bekenntnis. "Das ist für uns nicht verhandelbar."

In der Krise zusammenhalten

Wenn ein Corona-Leugner in der Kirche auftrete, "dann bekommt er ein Problem", unterstrich Heimbucher. "Natürlich kein rechtliches - wir gehen vielmehr in die Debatte." Sollte er ein Mitglied eines Kirchenvorstandes oder eines Presbyteriums sein, müsse dieser Mensch gefragt werden, ob das vereinbar ist. "Ich ermutige meine Kirche, den kirchlichen Raum als Ort für die friedliche Auseinandersetzung zu begreifen, wo man streiten kann, sich aber nicht die Köpfe einhaut", sagte der leitende Theologe.

Die Krise lehre, dass die Gesellschaft füreinander einstehen müsse, betonte der Kirchenpräsident. Dieser Zusammenhalt und die Rücksichtnahme sei unterm Strich bei der Mehrheit auch gelungen. Dennoch bleibe die "schmerzliche Erfahrung" der Isolierung. "Uns fehlt massiv das gewohnte Zusammenkommen zu Festen - nicht nur zu christlichen Festen." Solche Begegnungen fehlten auch im privaten Bereich. "Es fehlen Umarmungen, Berührungen, Händeschütteln."

Die Synode der reformierten Kirche im Herbst in der Emder Nordseehalle stehe unter der Überschrift "Kirche, die mich angeht". Dabei gehe es darum, das Gespräch mit Menschen über die Gemeinde hinaus zu suchen. "Wir müssen uns mühen um die Menschen, selbst wenn wir merken, dass wir sie nicht alle erreichen. Das Signal ist wichtig", sagte Heimbucher.

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