Kirchenpräsident Jung: Beziehung zu Mitgliedern stärken

hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung

© epd-bild/Salome Roessler

Volker Jung ist der Ansicht, dass Kirchengemeinden die Beziehung zu ihren Mitgliedern personal und digital stärken sollten.

Kirchenpräsident Jung: Beziehung zu Mitgliedern stärken
Kirchengemeinden sollen die Beziehung zu ihren Mitgliedern personal und digital stärken, schlägt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung vor. Das ist aber nicht sein einziger Vorschlag.

Als Reaktion auf die hohen Austrittszahlen schlägt der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung vor, dass die Gemeinden die Beziehung zu ihren Mitgliedern personal und digital stärken. Auch müssten sie enger zusammenarbeiten, Schwerpunkte setzen und sich stärker zum Gemeinwesen hin öffnen, sagte Jung am Donnerstagabend in Frankfurt am Main. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau verlor 2019 so viele Mitglieder wie nie zuvor. Sie rutschte mit einem Minus von 2,2 Prozent (Vorjahr 2,1 Prozent) erstmals unter die Marke von 1,5 Millionen.

Die Bekanntgabe der Zahlen Ende Juni habe ihn sehr geschmerzt, sagte der Kirchenpräsident. Dafür gebe es viele Gründe, etwa die Individualisierung, der Traditionsabbruch und die Tatsache, dass Religion verhaltener gelebt werde als früher. Aber auch das finanzielle Motiv vor allem in der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen dürfe man nicht gering schätzen. Deshalb müsse man über Steuererleichterungen in dieser Lebensphase nachdenken. Jung warnte allerdings davor, das Kirchensteuersystem als Ganzes infrage zu stellen. "Das würde dazu führen, dass wir uns aus vielen Arbeitsfeldern zurückziehen müssten."

Der Kirchenpräsident zeigte sich zuversichtlich, dass der Ökumenische Kirchentag im Mai 2021 in Frankfurt am Main stattfinden könne. Der Wille bei allen Partnern sei da, ihn zu feiern, "und zwar nicht nur in digitaler Form". Die endgültige Entscheidung werde im September/Oktober fallen.

Die Kirchen seien auch gut aus den ersten Monaten der Corona-Pandemie herausgekommen, setzte Jung hinzu. Anfangs sei es zwar schwergefallen, auf Zusammenkünfte in Kirchen zu verzichten. Die Gemeinden hätten aber kreativ auf die Situation reagiert. So sei es gelungen, in "neuer medialer Gemeinschaft" und später auch mit Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln "die große Katastrophe" zu vermeiden. Die Kirchen seien für das Gebet Einzelner geöffnet gewesen und auch die Seelsorger in Krankenhäusern und Altenheimen hätten die Menschen begleiten können.

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