Üblicherweise kennt man es von Unternehmern oder Politikern, dass sie einen Flugschein haben. Wie sind Sie als Theologe aufs Fliegen gekommen?
Stefan Fischer: Als Kind wollte ich eigentlich Hubschrauberpilot werden. Damals gab es aber nur drei Wege - entweder über die Polizei, die Bundeswehr, oder man musste es privat finanzieren. Das hätte 150.000 Euro gekostet, den Geldbeutel hatten wir aber nicht. Und zur Bundeswehr wollte ich nicht. Dann habe ich per Zufall einen Rundflug mit einem Ultraleichtflieger in Weiden mitgemacht, wo es eine Flugschule gibt. Der Besitzer fragte mich, warum ich den Schein nicht selbst mache.
Das hat mich nicht losgelassen. Heute chartere ich ein- bis zweimal im Monat ein kleines Flächensportflugzeug. Die Sportpiloten-Lizenz war einfach billiger, und um sie zu erhalten, muss man in zwei Jahren weniger Flugstunden und Landungen vorweisen als bei anderen Lizenzen.
Was fasziniert Sie als Theologe so sehr am Fliegen?
Fischer: Das Faszinierende da oben ist, dass unten alles klein wird und weit weg ist. Meine letzte Tour mit einem Ultraleichtflugzeug war kurz nach Weihnachten Richtung Kulmbach und zurück. Das sind für mich Augenblicke, in denen ich den Kopf frei kriege und mir denke: Jetzt ist der Alltag komplett weg. Das ist ein Gefühl von Freiheit und Weite. Es ist ein bewusster Gegenpol zur Arbeit.
Etwas Spirituelles hat Fliegen für mich nicht. Beim Fliegen bin ich viel zu sehr auf die Technik und die Luftraumbeobachtung fixiert. Mein Fluglehrer hatte immer einen Running Gag parat, wenn ich zum Flugplatz gekommen bin: "Jetzt kommt der Pfarrer, jetzt fliegen wir wieder zum Chef rauf." Später habe ich eine Radio-Andacht daraus gemacht, nach dem Motto: Gott ist nicht oben zu finden, sondern unten bei den Menschen.
Haben Sie manchmal ein schlechtes Gewissen wegen des Spritverbrauchs und der Umwelt, wenn Sie da oben sind?
Fischer: Keiner kann immer alles richtig machen. Die Diskussion ist moralisch aufgeladen, nach dem Motto: Du verballerst in einer Flugstunde zehn Liter Benzin. Dabei verfahre ich dienstlich viel mehr und schade der Umwelt wesentlich mehr als in den drei Stunden, die ich fliege. Ich fahre übrigens nicht in den Urlaub. Der Mensch ist immer Sünder, er macht nie alles richtig. Aber er muss sich immer wieder fragen: Kann ich das verantworten? Ich für meinen Teil kann das Fliegen verantworten.


