Pastor steigt um auf's E-Bike

Pastor mit E-Bike

© epd-bild/Carolin George

Pastor Jens Rohlfing mit seinem E-Bike vor der St.-Johannis-Kirche in Hitzacker. Seit einem Jahr ist der 58-Jährige zwischen den 30 Dörfern seiner Gemeinde auf zwei Rädern unterwegs.

Pastor steigt um auf's E-Bike
Die hannoversche Landeskirche fördert die Anschaffung von Elektro-Rädern
Jahrelang ist Jens Rohlfing zwischen den Dörfern seiner Gemeinde mit dem Auto hin und her gependelt. Doch seit einiger Zeit kann er unterwegs frische Luft tanken. Denn ein umweltfreundliches E-Bike ist jetzt sein Dienstfahrzeug.
28.06.2020
Carolin George
epd

Wenn er den Berg zum Friedhof nicht mehr mit dem Fahrrad hinaufkommt, geht er in Rente: Das sagt Jens Rohlfing seit vielen Jahren im Spaß. Nun wird der evangelische Pastor aus Hitzacker an der Elbe theoretisch noch sehr lange auf seine Rente warten. Denn seit einigen Monaten fährt er ein dienstliches E-Bike - und mit dem kommt er schließlich locker jeden Berg hoch.

Als die hannoversche Landeskirche im vorigen Jahr für eine Bezuschussung dienstlicher E-Bikes warb, hat sich Jens Rohlfing sofort an seinen Computer gesetzt. "Als ich das las, war mir gleich klar: Ich stelle einen Antrag", erzählt der 58-jährige. "Denn mit einem schnellen E-Bike kann ich wesentlich mehr Termine mit dem Fahrrad wahrnehmen als mit einem Pedelec, geschweige denn mit einem normalen Rad."

Mit Tempo 45 an jeden Ort

30 Dörfer zählen zu seiner Gemeinde, die meisten liegen bis zu zehn Kilometer entfernt. Eigentlich eine optimale Strecke für das Fahrrad. Doch im eng getakteten Alltag des Pastors war selten genug Zeit für diese umweltfreundliche Anreise. "Aus Termingründen habe ich häufiger das Auto genommen als ich wollte", sagt Rohlfing, der seit 1996 Pastor in Hitzacker ist. "Mit meinem E-Bike fahre ich etwa Tempo 35 bis 40, da bin ich sehr schnell an jedem Ort." Bei kurzen Strecken mitunter auch im flatternden Talar.

Tausend Euro Zuschuss gewährt die Landeskirche für ein E-Bike. Für die Differenz in Höhe von 2200 Euro zum Wunschmodell des Pastors rief der Kirchenvorstand zu Spenden im Rahmen des freiwilligen Kirchenbeitrags auf. Was dann passierte, kann Jens Rohlfing heute noch nicht ganz fassen. "Ein anonymer Briefumschlag mit 2500 Euro lag in unserem Briefkasten - mit dem Hinweis, das Geld solle für das E-Bike verwendet werden."

Zum Umstieg animieren

Mehr als 800 Kilometer ist der Pastor schon auf seinem bis zu 45 Stundenkilometer schnellen Gefährt geradelt - ob zur Kindertagesstätte im zehn Kilometer entfernten Dorf oder zur Beerdigung. Stets mit Helm natürlich. "Selbst im Winter bin ich mit dem Rad gefahren." Durch die ausgefallenen Termine während der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen war er in den vergangenen Monaten natürlich weniger unterwegs als üblich. "Das wird mehr, da bin ich mir sehr sicher."

Ein weiterer Aspekt in Sachen Klimaschutz kommt noch hinzu: Die Gemeinde stellt ihren Strom teilweise selbst her, und zwar mit einem Blockheizkraftwerk und einer Photovoltaik-Anlage auf dem Kindergartendach.

Exakt 31 dienstliche E-Bikes und Pedelecs hat die Landeskirche bislang mit jeweils tausend Euro bezuschusst. Der Unterschied zwischen beiden Arten: Beim Pedelec springt der elektrische Hilfsmotors nur an, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung. Reinhard Benhöfer, Umweltreferent im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, betont: "Der Haupteffekt eines solchen Programms liegt vermutlich darin, dass sich viele Menschen durch diesen Anlass erstmals konkret mit der Frage beschäftigt haben, sich ein solches Gefährt anzuschaffen und vielleicht die nächste Gelegenheit der Förderung dann selbst nutzen."

Denn das nächste Projekt im Bereich klimaschonende Mobilität ist bereits in Planung: Ab Sommer sollen Beschäftigte kirchlicher Körperschaften in der hannoverschen Landeskirche Elektro-Fahrräder leasen können.