Vor acht Jahren kam Mehrab Zarei selbst als Flüchtling nach Deutschland. Der 36-jährige Iraner hat seitdem in Bayern neben einer beruflichen Ausbildung auch ein Studium absolviert. Am Sonntag erhält er vom Weidener Dekan Thomas Guba den Segen als Diakon. Künftig wird der Mann mit Aufenthaltserlaubnis als Integrationslotse bei der Diakonie tätig sein.
Als Integrationslotse sei Zarei eine Idealbesetzung, sagt Dekan Thomas Guba. "Für seine Stelle als Integrationslotse gibt es wohl kaum jemand Besseren, der aus eigener Erfahrung weiß, welche Fallstricke und welche komplizierten Vorgänge man durchleben muss, um einigermaßen bei uns integriert zu werden." Durch seine eigene Flucht-Erfahrung könne er viele Fragen bestens nachvollziehen, die Menschen bewegten, wenn sie ins Integrationsbüro im Alten Rathaus kommen. Das ist eine offene Beratungsstelle.
"Heimlich und ungetauft" als Christ im Iran
Gemeinsam berät Zarei dort mit seiner Kollegin Stefanie Wildenrother Migrantinnen und Migranten, organisiert Projekte wie eine neue Männergruppe oder hält Schulungen für Ehrenamtliche ab. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört das Freiwilligen-Portal: Hier vermittelt er Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund in ehrenamtliche Tätigkeiten, zum Beispiel bei Vereinen. So könnten diese Kontakte knüpfen, dabei ihre Deutschkenntnisse verbessern und sich schneller ins Stadtleben integrieren.
Dass Mehrab Zarei heute einen kirchlichen Arbeitgeber hat, sei kein Zufall, sagt er. Schon im islamischen Iran habe er als Christ gelebt - wenn auch "heimlich und ungetauft", weil er Repressalien des Mullah-Regimes fürchten musste. Sein Glaube sei schließlich auch der Grund gewesen, warum er Ende 2017 seiner Heimat den Rücken gekehrt habe. Im Iran habe er keine Zukunft mehr gesehen. Zarei hatte damals schon in Indien in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Organisationsentwicklung promoviert und gearbeitet.
Während der Ausbildung auch noch studiert
Von Frankfurt über Gießen landete er schließlich Anfang 2018 in Bamberg, wo er Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde aufnahm. In der Erlösergemeinde absolvierte er auch eine kaufmännische Ausbildung im Kirchengemeindeamt und bei der Diakonie in Bamberg.
Nebenbei studierte er in Rummelsberg und an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg. In seiner Bachelorarbeit habe er sich zudem mit dem Thema Kirchenasyl auseinandergesetzt, das ihm in seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Flüchtlingsarbeit immer wieder begegnet sei. "Kirche sollte für die Menschen da sein, egal welche Hautfarbe und welche Nationalität sie haben", erklärt Zarei.
Die Arbeit in der "kirchlichen Atmosphäre" gefalle ihm sehr, erzählt er. "Faszinierend" finde er, dass er während der Arbeitszeit auch an Andachten und Gottesdiensten teilnehmen könne. Denn: Zarei ist seit Januar 2018 getauft. Er habe dazu auch keinen sechsmonatigen Glaubenskurs machen müssen. Bei Gesprächen mit der Pfarrerin in Bamberg habe er seine theologischen Kenntnisse "bis in dogmatische Fragen hinein" schnell unter Beweis stellen können. "Sie sagte, du brauchst das nicht."
Perfekte Deutschkenntnisse
"Das ist ein hochintelligenter junger Mann, der auch noch perfekt Deutsch spricht", lobt ihn Dekan Guba. Er würde den Iraner gerne für die kirchliche Arbeit und als Integrationslotse in Weiden halten. Zarei hat unterdessen auch Freunde und Bekannte in der Oberpfalz gefunden, erzählt er. Hin und wieder pendle er aber noch nach Bamberg, weil er dort im Kirchenvorstand mitarbeitet. Auf die Frage, wo er sich in den nächsten Jahren sieht: "Ich weiß nicht, wohin Gott mich noch schicken wird." An diesem Sonntag wird er in Weiden als Diakon ins Amt eingeführt.


