Talar und Bibel statt Block und Stift

Quereinstieg als Pfarrer in der hannoverschen Landeskirche möglich

© epd-bild/privat/Tobias Stäbler

Spätberufener Pfarrer: Jährlich schlagen in der hannoverschen Landeskirche drei bis fünf Quereinsteiger einen solchen Weg ein wie Kai-Uwe Scholz.

Talar und Bibel statt Block und Stift
Der Journalist Kai-Uwe Scholz hat sich zum Pastor fortbilden lassen
Mehr als 20 Jahre hat Kai-Uwe Scholz als Journalist gearbeitet, bevor er sich als Spätberufener und Quereinsteiger zum evangelischen Pastor ausbilden ließ. Mit 58 Jahren trat er jetzt in der Lüneburger Heide seine erste Pfarrstelle an.
01.06.2020
Ralf Günther
epd

Mehr als 20 Jahre hat er als Journalist gearbeitet, bevor er Block und Stift endgültig gegen Bibel und Talar getauscht hat. Nach seiner Quereinsteiger-Ausbildung tritt Kai-Uwe Scholz am Pfingstmontag, 1. Juni, seine erste Pfarrstelle an: Er wird neuer Pastor in Schneverdingen, arbeitet dort in der Markusgemeinde mit der "Eine-Welt-Kirche" sowie an der Friedenskirche im benachbarten Heber. Damit endet in den beiden Gemeinden eine fast zwei Jahre dauernde Vakanz.

Scholz hat sich im vergangenen Jahr in der Kirchengemeinde Estebrügge im Alten Land bei Hamburg zum Pfarrverwalter ausbilden lassen - in der hannoverschen Landeskirche eine Möglichkeit für Spätberufene, evangelischer Pastor zu werden. Jährlich schlagen in Deutschlands größter Landeskirche drei bis fünf Quereinsteiger einen solchen Weg ein. So ungewöhnlich dieser Berufswechsel scheint, für Scholz war er folgerichtig: "Eigentlich schließt sich damit für mich ein Kreis", erzählt der 58-Jährige, der aus Scheeßel bei Rotenburg/Wümme stammt.

Blick über den Horizont

Denn zur Theologie hatte es ihn schon als Jugendlicher gezogen. Ausschlaggebend dafür war sein Konfirmationspastor: Er hat ihn geprägt und zur Kirche gebracht. Der Seelsorger kam damals nach einem Einsatz in Afrika in die Heide. "Er zeigte uns eine ganz neue Welt - sozial, geistig, geistlich, politisch." Dieser Blick über den Horizont bestimmt seinen weiteren Berufsweg. Er studierte Theologie und Germanistik. "Pastor werden traute ich mich aber nicht so richtig", sagt Scholz.

Doch anders als geplant ging es nach einer Zwischenstation in den USA und einer Promotion aber nicht, wie ursprünglich geplant, als Lehrer in die Schule. Stattdessen arbeitete Kai-Uwe Scholz jahrelang als Journalist. So war er Reiseredakteur im Hamburger Verlag Gruner und Jahr. "Eine schöne Journalistenkarriere", resümiert er. 2011 wechselte er zum ökumenischen Verein "Andere Zeiten" und gestaltete dort kirchliche Publikationen wie den Kalender "Der Andere Advent" oder einen Fasten-Wegweiser mit.

Vom Ehrenamt zum Hauptamt

Daneben engagierte er sich ehrenamtlich in der Christianskirchengemeinde in Hamburg-Ottensen: im Team des Kindergottesdienstes, beim Gemeindemagazin und seit 2016 als Prädikant. "Es waren die besonders herausfordernden und besonders beglückenden Erfahrungen in Gemeindearbeit und Predigtdienst, die in mir den Wunsch weckten, mein ehrenamtliches Engagement in der Kirche in ein hauptamtliches zu verwandeln."

Denn so viel Freude ihm die Tätigkeit als Prädikant machte: Er wollte mehr, die pastoralen Aufgaben fehlten ihm. Ein Gespräch mit seinem Konfirmationspastor bestärkte ihn in seinem Entschluss, noch einmal den Beruf zu wechseln und künftig selbst als Pastor "das pralle volle Leben" in der Gemeinde mitzugestalten.

Gottesdienst und Engagement

Seine beiden neuen Predigtstätten haben eine besondere Geschichte, wie er bei Recherchen zur Regional- und Heimatgeschichte schnell herausgefunden hat: Die Friedenskirche in Heber wurde durch die Tatkraft und Beharrlichkeit der Gemeindemitglieder gebaut. Und die moderne "Eine-Welt-Kirche" entstand als Prototyp für ein nach ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten errichtetes Gebäude zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Einen Schwerpunkt will der neue Pastor "auf eine qualitätvolle Gestaltung der Gottesdienste" legen: "Der Sonntagsgottesdienst ist die Mitte der Gemeinde. Das ist ein zentraler Punkt, daraus entwickelt sich alles andere", sagt Scholz. "Um Leute anzusprechen, muss der Gottesdienst ansprechend sein - liturgisch, musikalisch, rhetorisch - und den Weg ins Herz finden." Gleichzeitig sieht er eine Aufgabe der Kirche darin, sich für die Gesellschaft zu engagieren und mit Schulen oder Vereinen zu kooperieren.

Noch wohnt Kai-Uwe Scholz mit seiner Familie in Hamburg, der Umzug in die Heide ist schon geplant. Nur wo er künftig sein Hobby ausüben wird, weiß er noch nicht: Seit acht Jahren geht Scholz jeden Morgen in der Elbe schwimmen - im Winter ebenso wie im Sommer. Eine "spirituelle Erfahrung" sei das. "Ich werde über den Alltag hinausgehoben, komme zu mir selbst", erzählt er. "In Schneverdingen suche ich noch eine geeignete Stelle."