Schulstart auf Abstand

Schulstart trotz Corona an der IGD Wunstorf.

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Schulanfang in Coronazeiten: Bei der evangelischen IGS Wunstorf mit Mundschutz und einem ausgeklügeltem System starten die Schüler der Klassen 9, 10 und 13.

Schulstart auf Abstand
Minuziös geplante Rückkehr der ersten Jahrgänge der Evangelischen IGS Wunstorf
Nach der Zwangspause wegen der Corona-Pandemie haben in Niedersachsen die Schulen wieder geöffnet. Schilder und Flatterbänder weisen den Schülern den Weg, vieles ist anders als zuvor. Auch die Evangelische IGS Wunstorf ging mit enem ausgeklügelten System wieder an den Start.

Pechschwarz sind sie, hellblau, manche gelb mit weißen Punkten: Die Masken der Schülerinnen und Schüler, die auf dem Schulhof der Evangelischen IGS Wunstorf eintreffen. Während vielerorts weiterhin Behörden, Einkaufszentren und Bürogebäude geschlossen sind, starten in Niedersachsen die ersten Jahrgänge nun wieder mit der Schule. An der IGS in der Region Hannover sind es mehr als 200 Schülerinnen und Schüler. Sie sind allesamt Prüflinge aus den Klassen 9, 10 und 13.

Nach sechs Wochen Pause kamen in Niedersachsen wieder die ersten Schüler und Lehrer zum Unterricht. Die Evangelische IGS Wunstorf hat sich ein ausgeklügeltes System erarbeitet. Es kommen erst nur die Abschlussklassen der Jahrgänge 9, 10 und 13, - versetzt an verschiedenen Wochentagen. Es herrscht Maskenpflicht, und es gibt eine "Einbahnstraßen-Regelung" im Gebäude.

Es ist eine eigentümliche Stimmungslage auf dem Schulhof. Gelöst, geradezu begeistert erscheinen viele Jugendliche, die sich endlich wieder persönlich treffen und Neuigkeiten austauschen können. Dass sie nun wieder miteinander zur Schule gehen, freut die Neuntklässler Tino Ahrens und Akin Iyisu. Die Zeit ohne Schule hat der 14-jährige Akin eher als "langweilig" und "öde" empfunden: "Es ist gut, dass es wieder losgeht - auch wenn ich keine Vorstellung habe, wie der Unterricht ablaufen wird." Sein Sitznachbar Tino ist froh, in einigen Wochen seine Hauptschulprüfung ablegen zu dürfen: "Dann geht es weiter. Auch wenn ich noch nicht weiß, was genau ich dann machen will."

Sechs Wochen waren die Schülerinnen und Schüler zu Hause, drei davon in Zwangspause wegen der Schulschließung. Natürlich gab es Arbeitsblätter per Mail, Video-Treffen mit Lehrkräften, Absprachen im geschützten Klassen-Chat. Und doch sei alles anders gewesen, sagt die 19-jährige Luisa Langerbeck, die auf das Abitur zugeht. "Es war schwer, aus dem Lernfluss gerissen zu werden."

Nur 16 Schüler pro Klassenraum

Janet Lies, mit einem knallgelben Mundschutz ausgestattet, versammelt ihre Klasse auf dem Schulhof in einem Kreis zu einer kurzen Ansprache, dann geht die 38-jährige Pädagogin mit den zwölf Jugendlichen der 10c ins Schulgebäude. Nicht immer gelingt es, den Abstand von anderthalb Metern einzuhalten. Eine Schul-Mitarbeiterin spritzt mit einer Sprühflasche allen in jede Hand einen Spritzer Desinfektionsmittel. Flatterband und Einbahnstraßen-Schilder kennzeichnen eindeutige Wege. Jeder Jahrgang hat sein Stockwerk, nur vier Toiletten sind im ganzen Haus geöffnet, sie werden nach jedem Toilettengang gereinigt.

Der "Rahmenhygieneplan Corona Schule" des niedersächsischen Kultusministeriums legt auf zehn Seiten Hygienemaßnahmen für Klassenräume, Flure und Sanitärbereiche fest. Tische sollen mit Mindestabstand von 1,50 Metern gestellt werden, die Schülerzahl pro Klassenraum 16 nicht überschreiten. "Der Schutz der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler sowie aller Beschäftigten an den Schulen ist Voraussetzung dafür, dass die Wiederaufnahme des Schulbetriebs gelingt", sagt Kultusminister Grant Henrik Tonne (SPD).

Erleichtert über behutsamen Wiedereinstieg

In Wunstorf gibt es keinen Essensverkauf, weder am Kiosk noch in der Mensa, die Pausen finden versetzt und ohne feste Zeiten statt. Schulleiterin Elke Helma Rothämel pocht auf die Regeln, um sie einhalten zu können, habe die Schule viel Planung und Kreativität eingesetzt. Dass gemeinsames Üben und Lernen aktuell kaum stattfinden können, bedauert sie: "Wir arbeiten sonst in kooperativen Lernformen. Jetzt ist alles auf Abstand - und damit ein bisschen wüst und leer."

In Wunstorf fällt bei allen Beteiligten nach dem ersten Schulvormittag langsam die Anspannung ab: "Ich bin sehr erleichtert, dass der Wiedereinstieg bislang gut geklappt hat", sagt Rothämel. Dass letztlich nur zwei Pädagogen aus dem durchweg jungen Kollegium wegen fehlender Kinderbetreuung nicht kommen konnten, sei noch vor dem Wochenende nicht abzusehen gewesen. Es sei richtig gewesen, die Schulen als Vorsichtsmaßnahme zu schließen, sagt sie. Doch jetzt sei es auch richtig, wieder behutsam den Schulbetrieb wieder zu öffnen.