Politiker würdigen evangelische Schulen

Junger Schüler hält die Hände in einem Klassenraum zum Gebet vor sich.

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In einem Klassenraum hält ein junger Schüler seine Hände zum Gebet ineiandergefaltet vor sich. (Symbolbild)

Politiker würdigen evangelische Schulen
Am zweiten Tag der Leipziger Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen zweier evangelischer Schulstiftungen haben Vertreter aus Politik und Kirche den Wert christlicher Bildungseinrichtungen betont.
15.03.2019
evangelisch.de mit epd

Der ehemalige Schulleiter und heutige Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hob in seiner Festrede am Freitag die Bedeutung evangelischer Schulen für die Gesellschaft hervor. Auch Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU), Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister waren gekommen.

Die Evangelische Schulstiftung in der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) stärkt bundesweit Schulen in evangelischer Trägerschaft und vernetzt Akteure aus der Bildungsarbeit. Entstanden ist sie ebenso wie die Barbara-Schadeberg-Stiftung 1994 aus dem Aufbau des Evangelischen Schulzentrums Leipzig. Dieses habe nach der Wende als Modell für zahlreiche Schulneugründungen in Ostdeutschland gedient, weshalb das Doppeljubiläum in Leipzig gefeiert werde, hieß es.

Christen seien weder bessere Pädagogen noch bessere Menschen, erklärte Jung, der 1991 Gründungsdirektor des Evangelischen Schulzentrums Leipzig war, laut Redetext. "Aber sie leben mit dem Anspruch, sich an ihren Überzeugungen messen zu lassen, für sie zu werben und anderen Menschen zu erlauben, diesen Maßstab an ihr Handeln anzulegen", ergänzte er. Kirchlichen Schulen riet Jung zum selbstbewussten Auftritt. Der "Hunger nach Sinn" sei selten so groß gewesen, betonte er: "Wir dürfen also auch den Mut haben, von evangelischen Schulen als sinnstiftenden Schulen zu reden."

Auch Holter, der derzeit Vizepräsident der Kultusministerkonferenz ist, betonte die besondere Rolle evangelischer Schulen. Sie verständen ihren Bildungsauftrag wertebasiert und leisteten wichtige Arbeit für wechselseitiges Verständnis und den Zusammenhalt der Gesellschaft, erklärte er laut Vorabmitteilung. Bischof Meister sagte, evangelische Schulen wollten "eine zukunftssichere Gesellschaft gestalten, in der das Bewusstsein für die Schöpfung, eine klare demokratische Haltung und das Achten auf gerechte Teilhabe" entscheidend seien.

Glaube als Motivation

Auf die Frage, warum sie mit ihrem Geld ausgerechnet eine Stiftung gegründet habe, die evangelische Schulen unterstützt, erinnert Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg an ihre Großmutter. Die habe sie an die Bibel herangeführt und ihre christliche Erziehung geprägt. Und das habe wiederum großen Einfluss auf ihre Haltung zum Leben und zu ihrem Vermögen gehabt. Zwischen ihrem zehten und 23. Lebensjahr sei sie sogar so streng gläubig gewesen, dass "ich Angst gehabt habe, mit dem Erbe der Brauerei im Rücken nicht in den Himmel zu kommen". Diese Gedanke habe sich dann jedoch gelegt und stattdessen habe sie erkannt, wie viel Gutes sie bewirken kann. Und die Chance dazu sei dann in Form von hilfebedürftigen evangelischen Schulen mehr oder weniger zufällig zu ihr gekommen. Und weil auch der Barmherzige Samariter aus der Bibel nicht auf den nächsten Hilfsbedürftigen gewartet habe, sondern den vor seinen Augen genommen habe, habe auch sie sich dem Thema angenommen. "Ich konnte ideologisch nichts beitragen, ich bin Juristin. Aber ich hatte das Geld", sagt sie und fügt hinzu, wie schön es doch sei, wenn Geist und Geld zusammenkämen. "Und ich war nicht der Geist", scherzt sie selbstironisch-lakonisch.

Auch der Landesbischof der hannoverschen Landeskirche, Ralf Meister, berichtet von seiner persönlichen Beziehung zur Bildung. Die sei durch seinen Großvater, einen ehemaligen Schulleiter, gefördert worden. Der habe mit ihm immer Schule gespielt: "Er hat mir lesen, schreiben und rechnen beigebracht, ich musste Arbeiten schreiben und habe am Ende tatsächlich ein Zeugnis von ihm bekommen, das mein Vater unterschreiben musste", erinnert sich Meister. Das Zeugnis liege immer noch bei all den anderen Zeugnissen, die man ihm später im Leben ausgestellt habe. "Durch meinen Großvater habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Es waren und sind immer die Menschen, die zählen." Das gelte auch für die evangelischen Schulen, in denen Menschen wirken, die von Geist und der Kraft des Evangeliums ergriffen seien.

"Fridays for Future" als Thema

Bereits am Donnerstag hatten der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing anlässlich des Jubiläums an einem Festgottesdienst in Leipzig teilgenommen. Landesbischof Rentzing unterstrich dabei, wie gewichtig die Gründung der EKD-Schulstiftung und der Barbara-Lambrecht-Schadeberg-Stiftung gewesen sei. "Manchmal gilt die sächsische Landeskirche ja als sehr EKD-kritisch", so Rentzing, "aber wir wissen, was wir der EKD-Schulstiftung zu verdanken haben: Das große Geschenk der evangelischen Schulen in Sachsen". Wie groß dieses Geschenk für die Menschen damals gewesen sei, illustriert der Landesbischof mit der Erinnerung an ein Gespräch, das ihn tief beeindruckt habe: Noch zu DDR-Zeiten habe sich ein Junge geweigert, an der Jugendweihe teilzunehmen. Als Strafe habe er den gesamten Schultag stehen müssen. Diese Bestrafung habe er nur überstanden, weil er in Gedanken bei seiner christlichen Gemeinde gewesen sei. Sein Glaube sei eine Quelle der Kraft gewesen. In den 90er Jahren sei dieser Mann, dem die eigenen religiösen Überzeugungen wichtig genug gewesen waren, um Bestrafungen zu riskieren, zum Gründer einer evangelischen Schule geworden, in der genau diese Kraft und der Glaube an das Evangelium einen Platz gefunden hat. "In Bildungseinrichtungen erfüllt sich der Verkündigungsauftrag", so Rentzing, "und die Kinder und Jugendlichen werden zu mündigen Christenmenschen erzogen".

Hauptthema der Predigt des EKD-Ratsvorsitzenden, die er zusammen mit Schülerinnen des Religionsleistungskurses des Evangelischen Schulzentrum in Leipzig gehalten hat, war der Protest "Fridays for Future", bei dem Schülerinnen und Schüler Freitags dem Unterricht fern bleiben und stattdessen für den Klimaschutz demonstrieren. Zwei Mädchen präsentierten stellvertretend für den Religionsleistungskurs ihre Argumente zur Bewahrung der Schöpfung, zum Klimawandel und wie man die Freiheit eines Christenmenschen im Zwiespalt mit der Schulpflicht verstehen könne. Deutliche Worte wie "die Bewahrung unserer Schöpfung ist wichtiger als einige Schulstunden, die uns auf eine Zukunft vorbereiten, die wir gerade zerstören" bekammen großen Zwischenapplaus. 

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm berichtete davon, wie er bei einer Besuch der ältesten Partnerkirche der bayerischen Landeskirche in Papua-Neuguinea die Auswirkungen des Klimawandels auf seine Geschwister in Christus mit eigenen Augen hatte sehen können. "Diejenigen, die am Wenigsten zum Klimawandel beitragen, sind gleichzeitig diejenigen, die am meisten darunter leiden", so der EKD-Ratsvorsitzende mit Blick auf den CO2-Ausstoß pro Kopf in Deutschland (acht bis neun Tonnen) und in Papua-Neuguinea (0,8 Tonnen). Lasse man die verpassten Schulstunden außer Acht, gebe es einem doch Hoffnung, dass die Jugend demonstriere - statt so egoistisch und unpolitisch zu sein, wie man es ihr oft vorwerfe. "Der Einsatz und das Engagement der Menschen sind wichtig", so Bedford-Strohm. 

Im Anschluss an den Jubiläumsgottesdienst war ein zum ersten Mal ausgelobter Preis für besondere Schulgottesdienste vergeben worden. Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an das Evangelische Gymnasium im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain. Auf die Plätze zwei und drei kamen zwei Schulen in Baden-Württemberg.

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