Ökumenische Aids-Initiative beendet ihre Arbeit

Der Bedarf an Seelsorge für HIV infizierte und an Aids Gestorbenen ist deutlich zurückgegangen

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Ökumenische Aids-Initiative beendet ihre Arbeit
Die ökumenische Aids-Initiative "Kirche positHIV" in Berlin beendet mit einem Gottesdienst am 1. März nach gut 26 Jahren ihre Arbeit. "Der Bedarf an Seelsorge ist deutlich zurückgegangen", erklärt eine der Initiatorinnen, die evangelische Pfarrerin Dorothea Strauß.

Zusammen mit dem katholischen Franziskanerpater Norbert Plogmann hatte Pfarrerin Dorothea Strauß die kirchliche Aids-Initiative "Kirche positHIV" aufgebaut. Mittlerweile sei die Immunschwächekrankheit gut therapierbar. Die Zahl der Menschen, die an ihren Folgen sterben, sinke, teilte der Evangelische Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf mit. Auch die psychosoziale Situation HIV-Infizierter habe sich verbessert. Aus einer todbringenden Infektion sei eine chronische Erkrankung geworden, die zwar der ständigen medikamentösen Therapie bedürfe, aber trotz Schwierigkeiten in den Alltag integriert werden könne.

Pfarrerin Dorothea Strauss 2017 bei einer Predigt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Die Arbeit mit Aids-Kranken und deren Angehörigen begann den Angaben zufolge 1993 in der Charlottenburger Kirche Am Lietzensee mit einem Aids-Gedenkbuch zur Erinnerung an die Gestorbenen. Strauß und Plogmann begleiteten in der Folge kranke und sterbende Menschen, führten Seelsorgegespräche, feierten regelmäßig Gottesdienste, organisierten spirituelle Reisen, Ausflüge und andere Aktivitäten. Außerdem gab es regelmäßige Beratung. Die Initiative wurde zu einem der wichtigsten kirchlichen Orte für mit dem HI-Virus Infizierte, ihre Angehörigen und Freunde in Deutschland.

Gegen Ausgrenzung, auf Augenhöhe

Zahllose Ehrenamtliche – darunter viele, die selbst an Aids erkrankt waren – unterstützten die mehrfach ausgezeichnete Initiative. Die Schirmherrschaft für das Projekt übernahm zunächst die ehemalige Berliner Senatorin Hanna-Renate Laurien, später Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse. Im Jahr 2000 erhielt Pfarrerin Dorothea Strauß für ihren Einsatz das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ende 2016 zog "Kirche positHIV" schließlich in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Dabei wurden Kirchen und Gemeinden immer wieder aufgerufen, HIV-Infizierte nicht auszugrenzen. Statt sie als Objekte einer
Barmherzigkeit von oben herab zu behandeln, sollte man ihnen auf Augenhöhe begegnen. Statt "Aids haben immer die anderen" hieß es: "Die Kirche hat Aids". HIV und Aids sollten als Wirklichkeit auch innerhalb der Kirche sichtbar werden.

Das kirchliche Engagement für Menschen mit HIV und Aids in Berlin soll jedoch auch nach dem Abschied der Initiative weitergeführt werden. Wie Seelsorge und spirituelle Angebote künftig aussehen könnten, ist Thema eines offenen Diskussionsabends.

Der Abschiedsgottesdienst wird am Sonntag, 1. März, um 18 Uhr in der Kirche Am Lietzensee (Herbartstraße 4-6) gefeiert. Es predigt Pröpstin Christina-Maria Bammel. Musikalisch gestalten den Gottesdienst die schwulen Männerchöre RosaCavaliere und Männer-Minne.

Der offene Diskussionsabend zur Zukunft der kirchlichen Arbeit zu Aids und HIV beginnt am Freitag, 27. März, um 18 Uhr im Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Kirche im Berliner Nollendorfkiez (An der Apostelkirche 1).