Christliches Leben im KZ Auschwitz-Birkenau

Stacheldrahtzaun mit Lampen am ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

© epd-bild/Rolf Zoellner

Manchen gab er im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Trost: Der Glaube an Gott im Himmel.

Christliches Leben im KZ Auschwitz-Birkenau
Menschen glaubten, Menschen liebten, Menschen beteten – auch in Auschwitz-Birkenau. Im Konzentrations- und Vernichtungslager, das wie kein anderes als Sinnbild für die industrielle Massenvernichtung durch die Nationalsozialisten steht, gab es christliches Leben. Im Geheimen und unter allergrößter Gefahr für das eigene Leben wurden dort Gottesdienste gefeiert, Beichten abgenommen, Babys getauft und Paare verheiratet. Und nicht allzu selten bezahlten die Gläubigen mit ihrem Leben dafür.

Schon unter den ersten Häftlingen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befanden sich römisch-katholische Geistliche. Denn die Nationalsozialisten sahen in ihnen eine Gefahr für die eigene Herrschaft. Zusammen mit Lehrern, Ärzten und Journalisten waren Geistliche für die Nationalsozialisten Menschen, die Ansehen und Autorität in der polnischen Bevölkerung genossen und in der Lage waren, Widerstand gegen die Besatzer zu organisieren. Bereits im September 1939 hatte man in den gemischtsprachigen Gebieten versucht, alle polnischen Priester durch "angemessene Deutsche" zu ersetzen, damit sie "die Bevölkerung nicht weiter verhetzen dürfen", wie es in einem Schreiben vom 22. September 1939 an den Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten, Hanns Kerrl, heißt.

Nach der Besatzung Polens waren die Geistlichen für viele Gemeindemitglieder moralische und geistliche Stützen. "Der Priester besuchte die verängstigten und terrorisierten Gemeindemitglieder, er tröstete sie und richtete sie moralisch wieder auf. Er war überzeugt davon, dass er ein Beispiel an Mut und Tapferkeit für die Menschen sein sollte.", so erinnert sich ein Gemeindemitglied an die Taten von Marcin Tomanka, einem Priester aus Haczów, einer Stadt im südöstlichen Polen. Er habe sich nicht von den deutschen Soldaten einschüchtern lassen und sie einmal sogar, als sie rauchend und mit Mütze auf in der Tür seiner Kirche standen, rausgeschmissen. Kurz darauf wurde Marcin Tomanka verhaftet und ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Am 8. Juli 1942 starb er in Dachau.

Geistliche erwartete dort eine noch grausamere Behandlung als sie vielen anderen zu Teil wurde. "Das hier ist kein Sanatorium, das hier ist ein deutsches Konzentrationslager!", brüllte SS-Hauptsturmführer Karl Fritsch die Neuankömmlinge zur Begrüßung an. "Die einzige Möglichkeit, dem Konzentrationslager zu entkommen, ist die durch den Schornstein! Wem das nicht passt, der kann sofort zum elektrischen Stacheldraht gehen." Der Häftling Tadeusz Jagodziński erinnert sich an die Überlebenschance, die ihnen Fritsch in Aussicht gestellt hat: "Hier überlebt ein Jude zwei Wochen, ein Pfaffe überlebt hier einen Monat und ein gewöhnlicher Häftling darf hier drei Monate leben!"

Bildergalerie

Die Konzentrationslager der Nazis

Der Eingang zum KZ Auschwitz mit dem zynischen Satz auf dem Torbogen "Arbeit macht frei".

© epd-bild/Keystone/Rolf Zö†llner

Der Eingang zum KZ Auschwitz mit dem zynischen Satz auf dem Torbogen "Arbeit macht frei".

© epd-bild/Keystone/Rolf Zö†llner

Auschwitz - ein Name, der Gänsehaut auslöst. Dort wurden unschuldige Menschen brutal und massenhaft während des Holocausts durch die Nationalsozialisten umgebracht.

Am 27. April 1940 gibt der SS-Chef Heinrich Himmler den Befehl, das ehemalige Kasernengelände mit den 22 Vorkriegsbaracken in ein Konzentrationslager "umbauen" zu lassen. Ursprünglich ist Auschwitz I als Arbeitslager für politische Gefangene aus Polen gedacht - 10.000 Häftlinge sollen dort interniert werden. Doch während des Zweiten Weltkriegs wird Auschwitz für die Nazis der wichtigste Ort ihrer "Endlösung der Judenfrage".

1947 wurde in Auschwitz ein Museum zur Erinnerung an die Verbrechen gegründet. Das Gelände des Museums mit internationalem Bildungszentrum umfaßt heute 191 Hektar. 1979 besuchte Papst Johannes Paul II als erster Papst überhaupt die Gedenkstätte. Damals sagte er: "Auschwitz ist der Ort, den man nicht nur besichtigen kann. Man muß bei dem Besuch mit Furcht daran denken, wo die Grenzen des Hasses, der Vernichtung des Menschen durch den Menschen, die Grenzen der Grausamkeit liegen." 2016 besuchten über zwei Millionen Menschen die Gedenkstätte.

Die sogenannte "Judenrampe" im KZ Auschwitz-II-Birkenau.

© epd-bild/Rolf Zöllner (2)

<p>Im Oktober 1941 beginnt der Bau des Lagerkomplex Auschwitz-II-Birkenau, im März 1942 wird es in Betrieb genommen: ursprünglich sollen hier 125.000 Kriegsgefangene inhaftiert werden können, doch am Ende wird Birkenau das größte aller Vernichtungslager der Nazis. Im Frühjahr 1942 entsteht auch die erste Gaskammer, später sind mehrere Kammern und Krematorien gleichzeitig in Betrieb.</p>
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<p>Der grausame Höhepunkt der "Mordmaschinerie" wird im Mai/Juni 1944 während der sogenannten "Ungarn-Aktion" erreicht: mehr als 400.000 ungarische Juden werden in dieser Zeit ermordert. Von der neu gebauten "Judenrampe" aus, wie die Nazis den Bahnsteig nennen, werden sie direkt in die Gaskammern geführt. Nur rund 20 Prozent der Menschen eines Transport werden bei der Selektion als arbeitstauglich eingestuft - Frauen und Kinder, Alte und Schwache habe keine Chance.</p>
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Schätzungsweise 90 Prozent der insgesamt 1,1 Millionen Toten von Auschwitz wurden in Birkenau ermordet. Etwa eine Million der Getöteten waren Juden. Außerdem kamen mindestens 70.000 Polen, 21.000 Roma, 14.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie 10.000 Tschechen, Belarussen und andere Opfer ums Leben. Die Zahl lässt sich aber nur schätzen, da viele Opfer nicht registriert, sondern sofort vergast und verbrannt wurden.</p>

Eingangstor des KZ Buchenwald

bpk / epd-bild/Maik Schuck

<p>Am 15. Juli 1937 treffen die ersten Häftlinge ein, die unter der Bewachung der SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden müssen, um dort ein neues Konzentrationslager zu errichten. Die größte Gruppe bildeten die politischen Häftlinge, aber auch Vorbestrafte, Sinti und Roma, Homosexuelle, Kriegsgefange, Zwangsarbeiter aus den vom Deutschen Reich besetzten Ländern und zum Schluss auch zahlreiche Juden wurden in Buchenwald interniert. Am Ende des Krieges ist Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Wahrscheinlich sterben dort mehr als 56.000 Menschen an Folter, medizinischen Experimenten oder Auszehrung.</p>
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<p>"Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick", schreibt der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte und späterer US-Präsident, Dwight D. Eisenhower, als die Amerikaner im April 1945 Buchenwald und seine 139 Außenlager erreichen. Schockiert von diesem Anblick zwangen die Amerikaner am 16. April rund 1.000 Weimarer Bürger, auf den Ettersberg zu laufen, um ihnen das Ausmaß der Gräuel in ihrer direkten Nachbarschaft vor Augen zu führen.</p>
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<p>Seit 1999 führt ein Weg mit dem Namen "Zeitschneise" von Schloß Ettersburg bei Weimar zum ehemaligen Krematorium des Konzentrationslagers Buchenwald. Es ist eine begehbare, direkte Verbindung zwischen den Stätten der Humanität der Klassikerstadt der Dichter und Denker und des Grauens der Nationalsozialisten.</p>

KZ Bergen-Belsen

bpk/Harald Koch / epd-bild

<p>Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs brauchen die Nazis einen Ort, an dem sie die Kriegsgefangenen internieren können - die Wahl fällt auf Baracken am Rande des Truppenübungsplatzes von Bergen-Belsen, in der Nähe von Celle. Ab Juni 1940 werden dort rund 600 belgische und französische Soldaten inhaftiert. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion steigt die Anzahl der sowjetischen Kriegsgefangenen im Herbst 1941 auf 21.000 an - sie müssen auf freiem Feld, in Erdhöhlen und Laubhütten leben. Bis zum April 1942 sterben 14.000 Sowjets an Seuchen, Hunger und Kälte.</p>
<p><br>Erst 1943 wird aus dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager ein Konzentrationslager. Damit ist es das jüngste im Deutschen Reich.</br>
<br>Mit dem Vorrücken der Alliierten Streitkräfte werden frontnahe Konzentrationslager evakuiert - das Ziel vieler Todesmärsche ist Bergen-Belsen, beinahe täglich kommen neue Transporte an. In letzten Kriegsmonaten ist das Lager vollkommen überbelegt und die sanitäre Situation ist eine Katastrophe: in einem abgetrennten Lagerteil mit 10.000 Häftlingen gibt es kein Klo und keinen einzigen Wasserhahn. Unter den entkräfteten Lagerinsassen grassieren Ruhr, Bauchtyphus und Tuberculose. Insgesamt sind mehr als 52.000 Häftlinge im Lager oder unmittelbar nach der Befreiung an den Folgen der Haft gestorben.</br></p>
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<p>In der britischen Wahrnehmung steht Bergen-Belsen lange Zeit noch vor Auschwitz für das Grauen des Holocausts. Es ist das einzige Konzentrationslager, das von den Briten befreit wurde, und eines der wenigen, das vor der Befreiung von der SS nicht evakuiert wurde.</p> Das Bild links wurde 1945 aufgenommen.

KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

bpk / epd-bild/Wolfgang Noak

<p>1938 beschließt die SS, nicht mehr nur politische Gegener zu inhaftieren und zu terrorisieren, sondern sie entdeckt die Häftlinge als billige Arbeitskräfte, aus denen man Profit ziehen kann. Die großen Granitvorkommen machen Flossenbürg als neuen KZ-Standort attraktiv: En­de April tref­fen die ers­ten SS-Wa­chen ein, am 3. Mai 1938 er­reicht der ers­te Trans­port mit 100 Häft­lin­gen aus dem KZ Dach­au die Bau­stel­le.</p>
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<p>Im Steinbruch müssen die Häftlinge zwölf Stunden lang Granitblöcke absprengen, Erde abtragen, Loren schieben und Steine schleppen - und das bei Wind und Wetter ohne Sicherheitsvorkehrung, schlecht bekleidet und halb verhungert.
Durch die Räumung der östlicher gelegenen Konzentraionslager verschlechtert sich die Situation in Flossenbürg: von 3.300 Häftlingen Ende 1943 steigt die Zahl im März 1945 auf über 15.000 an - das Lager ist vollkommen überbelegt.</p>
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<p>In Flossenbürg ermordert die SS systematisch mindestens 2.500 Menschen, darunter polnische und sowjetische Gefangene, Zwangsarbeiter und viele Widerstandskämpfer. Unter ihnen ist auch der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im Morgengrauen mit weiteren NS-Gegnern in Flossenbürg erhängt wird.</p>

Eingangstor des KZ Dachau

bpk/Maurice Zalewski/adoc-photos / epd-bild/Lukas Barth

<p>Am 22. März 1933, nur zwei Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wird auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik das erste Konzentrationslager für politische Gefangene im oberbayerischen Dachau bei München eröffnet. Zuerst werden dort vor allem Gegner des NS-Regimes wie Kommunisten und Sozialisten inhaftiert – das Lager dient zur Abschreckung.</p>
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<p>Im Verlauf der Nazi-Herrschaft kommen engagierte Christen, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Kriegsgefangene aus den von Deutschland überfallenen Ländern hinzu. 200.000 Menschen aus ganz Europa sind in den zwölf Jahren der Nazi-Herrschaft dort eingesperrt, mehr als 32.000 Gefangene kommen dort um: Sie wurden unter anderem hingerichtet, starben an Krankheiten oder sogenannten "medizinischen Experimenten", verhungerten oder brachen vor Erschöpfung oder als Folge der Folter und Misshandlungen zusammen. Die heutige Forschung geht aufgrund der unregistrierten Exekutionen und aus anderen Gründen sogar von 41.500 Toten aus.</p>
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<p>20 Jahre nach der Befreiung wird das ehemalige Konzentrationslager Dachau auf die Initiative von ehemaligen KZ-Häftlingen, der "Comité International de Dachau", hin, zu einer Gedenkstätte umgewandelt. Mittlerweile ist Dachau die meistbesuchte KZ-Gedenkstätte Deutschlands.</p>

KZ Ravensbrück

bpk / epd-bild/Gordon Welters

<p>Etwas mehr als 80 Kilometer vor den Toren Berlins entsteht zwischen Dezember 1938 und April 1939 auf Anordnung des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Durch die Umstellung auf Kriegswirtschaft werden auch die Häftlinge von Ravenbrück als Zwangsarbeiterinnen in der Rüstungsindustrie gebraucht. In einem Dokument wird die Durchschnittsarbeitsfähigkeit der Häftlinge auf drei Monate festgelegt – danach gelten sie als entkräftet und werden getötet.</p>
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<p>In den Jahren 1939 bis 1945 sind etwa 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.000 weibliche Jugendliche als Häftlinge registriert worden. Die nach Ravensbrück Deportierten stammten aus über 40 Nationen, unter ihnen Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma. Zehntausende wurden ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente.</p>

Und die SS-Leute ließen Worten Taten folgen: Die Strafkompanie – in der die härteste Arbeit verrichtet werden musste, die Sterblichkeitsrate am höchsten und die Aufseher am brutalsten waren – bestand größtenteils aus Juden und katholischen Priestern. Zu den Aufgaben der Strafkompanie gehörte das Planieren der Straßen und des Appellplatzes mit einer schweren Walze, die immer von zwei Häftlingen gezogen wurde. "Wir mussten den ganzen Tag mit der Walze rennen und hatten nur eine 30-minütige Mittagspause", erinnert sich Erwin Olszówka. "Tag ein, Tag aus war es das Gleiche. Von morgens bis abends habe ich die Walze im Laufschritt gezogen – ob es regnete oder heiß war." Es habe keine Momente zum Luftholen, keine Verschnaufpausen gegeben – immer habe es nur "los, los, schneller" geheißen und Stockschläge gegeben. Wer stolperte oder entkräftet zusammenbrach, wurde von der Walze überrollt.

Gelang Häftlingen die Flucht aus dem Strafkommando, mussten andere bitter dafür bezahlen. So wie im Juni 1942, als nach einem erfolgreichen Ausbruch von den restlichen Häftlingen des Kommandos 300 ausgewählt und zur Strafe vergast wurden. Die Restlichen wurden von der SS und den Funktionshäftlingen gefoltert. Ein Priester wurde in einem Fass mit Fäkalien ertränkt.

Die Verhandlungen des Vatikans mit dem "Dritten Reich" über die Freilassung des polnischen Klerus scheiterten. Das einzige Zugeständnis, das man Hitler-Deutschland im Herbst 1940 abringen konnte, war die Zusammenlegung der Geistlichen im Konzentrationslager Dachau und eine leichte Verbesserung der Bedingungen für die Menschen, die dort dann im sogenannten Pfarrerblock interniert waren: Befreiung von der körperlich härtesten Arbeit und die Möglichkeit, die Messe zu feiern, gehörten dazu.

Im KZ Auschwitz-Birkenau waren alle Formen religiösen Lebens oder auch der Besitz religiöser Gegenstände streng verboten. Und trotzdem fanden die Häftlinge dort Möglichkeiten, ihren Glauben zu leben. Zivilisten schmuggelten Hostien und andere Gegenstände in das Lager und im Geheimen wurden Gottesdienste gefeiert. Wegen der großen Gefahr wurden nur die vertrauenswürdigsten Menschen eingeweiht. Der Häftling Józef Majchrzak ist überzeugt von der Wirkung dieser Gottesdienste: "Es geschah, dass selbst die Zweifelnden ihren Glauben im Lager wiedererlangten. Ich glaube, dass ich auch durch den Glauben und das Gebet vorm drohenden Tod während eines Typhus-Ausbruchs gerettet wurde."

Der Weihnachtsbaum vor Block 15 im KZ Auschwitz.

Öffentlich zelebriert wurde wohl nur das Weihnachtsfest. In einigen Baracken erlaubten die Funktionshäftlinge abends das Singen von Weihnachtsliedern oder sogar das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes. Damit die Gefangenen jedoch nicht auf die Idee kamen, dass die SS-Leute milde gestimmt seien, ließen sie in unmittelbarer Nähe des großen Weihnachtsbaumes, der hell erleuchtet auf dem Appellplatz stand, die Leichen der Verstorbenen aufstapeln. So hatten sie alle Häftlinge beim Zählappell vor Augen, als sie gemeinsam mit ihren Unterdrückern "Stille Nacht, Heilige Nacht" singen mussten.

Im Frauenlager in Birkenau brachte die Weihnachtszeit die Häftlinge über die Grenzen aller Religionen, Konfessionen und politischen Weltanschauungen zusammen, wie sich Anna Palarczyk erinnert. In ihrer Baracke lebten christliche, jüdische und kommunistisch eingestellte Polen und Ukrainer zusammen. Die Christen schmuggelten einen Weihnachtsbaum in die Baracke und man wollte mit allen zusammen essen, um das christliche Fest zu begehen. "Die Juden schüttelten mit den Köpfen, deswegen erklärte ich ihnen, dass es nicht darum ging, ein christliches Fest zu feiern, sondern ein Fest der Versöhnung, der Hoffnung und des Friedens", so Palarczyk. Auch die Ukrainer argumentierten, dass ihr Weihnachtsfest erst später stattfinde und sie deswegen nicht an dem Essen teilnehmen könnten. Doch Palarczyk blieb hartnäckig in ihrer Botschaft. "Und so habe ich wieder gesagt: "Hört mit gut zu, es geht nicht um ein christliches Fest, es geht um einen Abend für uns, den wir zusammen verbringen in der Hoffnung, dass wir vielleicht irgendwann dieses Lager verlassen werden." Am Ende seien alle gekommen – auch die Kommunisten.

Zeichnungen von Häftlingen erzählen von chritlsichen Gesten im Konzentrationslager.

Heimlich nahmen Priester auch Beichten ab. Und die haben nicht nur die Beichtenden, sondern auch die Beichtväter oft tief berührt. "Diese heimlichen Beichten hinterlassen einen unauslöschlichen Eindruck", erinnert sich der Jesuitenpater Adam Kozłowiecki, "Wie nur wir beide dort entlanglaufen… als sei es nur ein Gespräch und doch öffnen sich die Herzen für den Empfang der göttlichen Gnade. Und das oft nach Jahren der Gleichgültigkeit. Ego te absolvo... Hier, im Lager Auschwitz." Die Absolution in einem Konzentrations- und Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau zu erteilen, schien für den Jesuiten ein denkwürdiger Augenblick zu sein.

Häftlinge im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durften offiziell nur zwei persönliche Gegenstände besitzen: ein Taschentuch und einen Gürtel. Doch obwohl der Besitz von religiösen Gegenständen verboten war, hielt es einige Häftlinge nicht davon ab, sich Symbole ihres Glaubens zu fertigen. Ein Priester bastelte zum Beispiel aus Löffelstielen kleine Kreuze, die er mit christlichen Symbolen, Daten und Namen versah. Einige verschenkte er zur Erbauung an andere Mitgefangene. Auch andere im Lager hergestellte religiöse Gegenstände wurden als Symbole der Hoffnung weitergegeben. So wie ein kleines Medaillon, in dem der leidende Christus dargestellt ist. Zofia Posmysz erhielt es von Tadeusz Paolone-Lisowski, einem Mithäftling, mit dem sie über den Glauben gesprochen hatte. Sie selbst, die sich als an Gott glaubend bekannte, und er, der Zweifelnde, der sich wie so viele fragte, wie Auschwitz dann existieren kann. Er gab ihr das Medaillon mit den Worten: "Nimm es als eine Erinnerung an mich. Es soll dich beschützen. Pass gut auf es auf und, wenn Gott will, trag es bis zur Freiheit." Eine andere Gefangene bastelte aus ihren kargen Brotrationen einen Rosenkranz, der auch nach ihrem Tod im April 1943 von ihren Mitgefangenen aufgehoben wurde. An einem Ort, an dem Menschen vor Hunger starben und wegen Brot töteten, überdauerte ein Rosenkranz aus Brot die Zeit.

Bildergalerie

Geistliche in den Konzentrationslagern der Nazis

Foto von Paul Schneider mit seiner Frau Margarete und ihren gemeinsamen vier Kindern.

© epd-bild / undatiertes Archivfoto

Foto von Paul Schneider mit seiner Frau Margarete und ihren gemeinsamen vier Kindern.

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<p><a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/108238/19-07-2014/paul-schneider-unbeugsamer-zwischenrufer">Paul Schneider</a> war ein evangelischer Pfarrer und Mitglied der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>. Schon ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gerät Schneider immer wieder mit ihnen in Konflikt und wird daraufhin mehrfach von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in angebliche "Schutzhaft" genommen. Am 27. November 1937 wird Schneider schließlich in Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er unter anderem im Straßenbau-Kommando schwere Zwangsarbeit verrichten muss. Auch im KZ steht er zu seinen Überzeugungen, die sich auf einen Vers der <a href="https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/bibelstelle/Apg%205%2C29/"> Apostelgeschichte (5,29)</a> gründen. Die SS-Aufseher bestrafen diese Haltung mit öffentlichen Stockschlägen und Einzelhaft im Bunker. Schneiders Geist brechen die schweren Folterungen jedoch nicht: So soll er sich auch am Ostersonntag unter Schmerzen an den Gitterstäben seiner Zelle hochgezogen und den Häftlingen aus dem Appellplatz zugerufen haben: "Kameraden, hört mich. Hier spricht Pfarrer Paul Schneider. Hier wird gefoltert und gemordet. So spricht der Herr: "<a href="https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/bibelstelle/Joh%2011%2C25/"> Ich bin die Auferstehung und das Leben!</a>"" Weiter kommt er nicht, da ihn die SS gewaltsam zum Schweigen bringt.</p>

Am 18. Juli 1939 wird Paul Schneider vom Buchenwalder Lagerarzt durch eine starke Überdosis des Herzmedikaments Strophanthin ermordet. Dietrich Bonhoefer bezeichnet ihn als ersten Märtyrer der bekennenden Kirche. Sein Todestag ist heute laut Evangelischen Namenskalender sein Gedenktag.

Portrait von Jane Haining

© Museum Auschwitz-Birkenau

<p>Jane Haining arbeitet während des Zweiten Weltkriegs als Missionarin der Church of Scotland im ungarischen Budapest. Dort leitet sie eine Mädchenschule ihrer Kirche, die darauf spezialisiert war, Juden zu missionieren. Sowohl nach Ausbruch des Krieges als auch nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn wird sie aufgefordert, das Land zu verlassen. Sie weigert sich, weil sie ihre Schützlinge nicht im Stich lassen will. Die Deutschen beschuldigen sie, Alliierte und Juden zu unterstützen. Jane Haining wird im April verhaftet und am 14. Mai 1944 unter der Nummer 79467 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau registriert. Zwei Monate später, am 17. Juli, stirbt sie dort. </p>

Nach dem Krieg wird sie von Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt und posthum wird ihr der "British Hero of the Holocaust" Award verliehen.

Portrait von Dietrich Bonhoeffer

© mauritius images/United Archives

<p><a href=" https://www.evangelisch.de/personen/dietrich-bonhoeffer-1906-1945"> Dietrich Bonhoeffer </a> war ein herausragender Theologe, Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten und ein bekannter Vertreter der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>. </p>

<p>Eine intensive Auseinandersetzung mit der Bergpredigt lässt den 1906 geborenen Theologen zum Pazifisten werden. Selbst im Falle eines Angriffskrieges plädiert Bonhoeffer für gewaltfreien Widerstand. Die Ermordung der Juden durch die Nazis lässt Bonhoeffer umdenken, in Ausnahmefällen hält er den Tyrannenmord für gerechtfertigt – er billigt das Attentat auf Hitler, denn man müsse "dem Rad in die Speichen greifen", auch wenn man selbst dadurch Schuld auf sich lade. Dietrich Bonhoeffer war nicht direkt an der Planung von Hitlerattentaten (am 13.03.1943, 21.03.1943 und 20.07.1944) beteiligt, sondern diente als Verbindungsmann und übergab auf seinen Reisen ins Ausland geheime Dokumente an die Briten.</p>

Am 5. April 1943 wird Bonhoeffer wegen "Wehrkraftzersetzung" verhaftet. Am 7. Februar 1945 wird er in das KZ Buchenwald verlegt, Anfang April 1945 ins KZ Flossenbürg. Am 5. April 1945 ordnet Adolf Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten "Verschwörer" des 20. Juli 1944 an und damit auch jene Dietrich Bonhoeffers.

Portrait von Edith Stein

© epd-bild / akg-images

Als deutsche Jüdin wird <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/139135/12-10-2016/vor-125-jahren-wurde-edith-stein-geboren">Edith Stein</a> 1891 in Breslau geboren. Sie promoviert mit Auszeichnung in Philosophie, ihre Habilitierung scheitert an der Tatsache, dass sie eine Frau ist. 1922 konvertiert sie zum Christentum und tritt 1933 mit dem Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce als Postulantin in den Karmel Maria vom Frieden in Köln ein. Aufgrund der wachsenden Judenverfolgung im "Dritten Reich" siedelt Stein in den Karmel in Echt (Niederlande) um. Aber auch dort ist sie nicht vor den Nationalsozialisten sicher: Nachdem die katholische Kirche gegen die Judenverfolgung in den besetzen Niederlanden protestiert hatte, werden alle katholischen Geistlichen mit jüdischen Wurzeln inhaftiert. Zwischen der Verhaftung Steins am 2. August 1942 und ihrer Ermordung in den Gaskammern von Birkenau liegt ungefähr eine Woche – das genaue Datum ist unbekannt, vermutlich war es der 9. August. Das ist auch ihr katholischer und evangelischer Gedenktag. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige und Märtyrerin verehrt, Teilen der evangelischen Kirche gilt sie als Glaubenszeugen.

Portrait von Grzegore Peradze.

© Museum Auschwitz-Birkenau

Grzegore Peradze gehörte der Georgisch-Orthodoxen Kirche an. Als Hochschulprofessor in Warschau zählten Patrologie (Kirchenvätergeschichte) und die Geschichte georgischer Mönchsorden zu seinen Spezialgebieten. Peradze wurde am 5. Mai 1942 in Warschau verhaftet, im Pawiak-Gefägnis inhaftiert und schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er am 6. Dezember des gleichen Jahres im Alter von 43 Jahren starb. Grzegore Peradze gehört sowohl zu den Heiligen der Georgisch- als auch Polnisch-Orthodoxen Kirche.

Portrait Martin Niemöller

© epd-bild / akg-images/akg-images GmbH

<p>Als der, "der mit Benzin löscht" wurde <a href="https://www.evangelisch.de/personen/martin-niemoller">Martin Niemöller</a> vom Magazin der "Spiegel" bezeichnet. Und die Poca-Indianer, die ihn in ihren Stamm aufnahmen, gaben ihm den Namen "Der auf dem rechten Weg wandelt". Beides trifft besonders auf Niemöllers Wirken während der Zeit des Nationalsozialismus zu: Der evangelische Pfarrer, der im Ersten Weltkrieg noch ein U-Boot kommandierte, wird im September 1933 zum Vorsitzenden des <a href="https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=48"> Pfarrernotbundes </a> und später zu einem führenden Vertreter der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>.</p>

<p>Weil Niemöller Adolf Hitler auch direkt widerspricht, wird er schließlich dessen persönlicher Gefangener. Er soll als Staatsfeind verurteilt werden, womit man auch eine Kriminalisierung der ganzen Bekennenden Kirche erreichen sollte. Der Prozess endet in der Verurteilung zu sieben Monaten Haft, die Niemöller aber schon durch die Untersuchungshaft verbüßt hat. Statt jedoch freigelassen zu werden, wird er ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Bei Kriegsausbruch 1939 bitte Martin Niemöller Hitler, erneut ein U-Boot kommandieren zu dürfen. Er sieht es als seine lutherische Pflicht an, für sein deutsches Vaterland zu kämpfen. Sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten sei nämlich in erster Linie religionstheoretisch motiviert gewesen. 1941 wird Niemöller ins KZ Dachau überstellt, wo er zusammen mit einigen anderen prominenten katholischen Theologen im "Ehrenbunker" gefangen gehalten wird. Insgesamt neun Jahre sitzt der Theologe im Gefängnis, acht davon im KZ.</p>

Nach dem Krieg gestaltet er unter anderem den Aufbau der hessisch-nassauischen Kirche mit, arbeitet am Stuttgarter Schuldbekenntnis mit und wird Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen. Er stirbt am 6. März 1984.

Portrait von Maximilian Kolbe

© Museum Auschwitz-Birkenau

<p><a href=" https://www.evangelisch.de/inhalte/136980/14-08-2016/freiwillig-den-todesbunker-vor-75-jahren-starb-pater-maximilian-kolbe-im-kz-auschwitz "> Maximilian Kolbe </a> wird 1894 als Rajmund Kolbe in Zduńska Wola (Generalgouvernement Warschau, Russisches Kaiserreich) in eine deutschstämmige Arbeiterfamilie hineingeboren. Nach einer Marienerscheinung tritt er 1910 in den Orden der Minderen Brüder ein, wo er den Ordensnamen Maximilian Maria annimmt.</p>

<p>Kolbe ist nicht nur überzeugter Katholik und betätigt sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, sondern ist auch ein erklärter Antikommunist sowie Gegner des Zionismus und der Freimaurer. Drei Monate nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Kolbe zusammen mit 40 Ordensbrüdern von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, kurze Zeit später aber wieder freigelassen. So viel Glück hat er am 14. Februar 1941 nicht: Wegen der Aufnahme von 2.300 Juden und dazu noch anderen polnischen und ukrainischen sowie griechisch-katholischen Flüchtlingen in seinem Missionszentrums wird er erneut verhaftet. Vom Warschauer Zentralgefängnis in Pawiak wird er im Mai 1941 in Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort bietet er seinen Mithäftlingen als Priester und Seelsorger Trost und Zuspruch, während er den Kies für die Krematoriumsmauer herankarren, Baumstämme schlagen, Leichen auf Schubkarren laden und zu den Verbrennungsöfen fahren muss. Als im Sommer einem Häftling aus seinem Kommando die Flucht gelingt, sollen zur Strafe zehn andere in den "Todesbunker". Das ist eine nur wenige Quadratmeter große Zelle mit einem winzigen Luftloch, in dem die Insassen solange eingesperrt werden, bis sie qualvoll verhungert und verdurstet sind. Maximilian Kolbe meldet sich freiwillig für dieses Schicksal, um es einem verzweifelten Familienvater zu ersparen. Vom 31. Juli bis zum 14. August ist Kolbe im "Todesbunker" eingesperrt. Als er und drei weitere Verurteilte nach dieser Zeit immer noch nicht verhungert und verdurstet sind, werden sie mit einer Phenolinjektion ins Herz getötet.</p>

Pater Maximilian Kolbe wurde von der katholischen Kirche selig und als Märtyrer heiliggesprochen. Sein liturgischer Gedenktag ist am 14. August.

Heutzutage wird er oft als einer der vielleicht schönsten Tage des Lebens stilisiert: der Hochzeitstag. Auch im KZ Auschwitz-Birkenau und seinen Nebenlagern hat es Paare gegeben, die sich dort Liebe und Treue geschworen haben – bis dass der (im Konzentrationslager allgegenwärtige) Tod sie scheidet. So manches Brautpaar hat sich dort sogar erst kennen und lieben gelernt. So wie Irena (Irka) Bereziuk und Mieczysław (Mietek) Pronobis. Eine Mitgefangene, Anna Kowalczykowa, erinnert sich an die heimliche Trauung der beiden: "Irka stand auf der einen Seite des Stacheldrahts und auf der anderen Seite stand Mietek  mit einem anderen Häftling, einem Priester. Irka und Mietek hielten sich durch den Stacheldraht hindurch an den Händen und der Priester segnete sie." Ein langes, gemeinsames Leben war dem glücklichen Paar jedoch nicht vergönnt: Zwar überlebten beide das Ende des Krieges, doch starb Mieczysław Pronobis wenige Jahre später an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung, die er sich im KZ zugezogen hatte.

Nicht weniger erinnerungswürdig als die Eheschließungen sind die Taufen, die im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau stattfanden. Während in der ersten Zeit Schwangere sofort ermordet wurden, stieg ab Mitte 1943 der Bedarf an Arbeitskräften, weshalb Schwangere am Leben gelassen wurden. Im gleichen Jahr hörte man auch damit auf, die Neugeborenen nicht-jüdischer Frauen sofort zu ermorden. Babys jüdischer Abstammung wurden noch bis Ende Oktober 1944 umgebracht. Da die Säuglinge allgemein keine besonders hohe Überlebenschance hatten, wurden die meisten von ihnen mit Zustimmung der Mutter sofort nach der Geburt notgetauft. Maria Slisz-Oyrzyńska arbeitete im Häftlingskrankenhaus in Birkenau und wurde Zeugin solcher Nottaufen. An einigen war sie sogar direkt beteiligt, "In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 1943 wurde das erste Kind in unserem Block 17 geboren. (…) Nachdem der Junge auf der Welt war, sagte mir die Hebamme Stanisława Leszczyńska aus Łódź: 'Und jetzt werden wir ihn taufen.' Ich wurde seine Patin, er mein erstes Patenkind. Ich ließ ihn auf den Namen Adam taufen. Indem sie die offiziellen Worte sprach, taufte Stanisława den kleinen Adam." Wie wichtig es für die Hebamme gewesen sein musste, dass die Säuglinge getauft wurden, zeigt auch ein anderes Beispiel: Als die Front näher rückte, organisierte Leszczyńska eine Massentaufe für die bis dahin ungetauften Säuglinge. Ein orthodoxer Häftling, der zufällig gerade vorbei kam, stand Pate für all diese Kinder, die nicht Gefahr laufen sollten, ohne Gottes Segen zu sterben. Auch die Gefangenschaft in Auschwitz hatte ihr diesen Glauben nicht austreiben können.

Wurden anfangs vor allem katholische Geistliche verhaftet, so betraf es später auch Protestanten und Orthodoxe. Unter ihnen waren Priester, Mönche, Nonnen und Seminaristen. Zwischen 1940 und 1945 wurden mindesten 464 männliche und 35 weibliche Geistliche aus den von den Deutschen besetzten Gebieten ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Die meisten starben dort oder in den Lagern, in die sie überstellt wurden.

Die Informationen und Erinnerungen der Häftlinge in diesem Artikel wurde vom Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau in der Lektion "Christian Clergy and Religious Life in Auschwitz" zusammengetragen.