Reformations-Oratorium thematisiert Luthers Ängste

Im Rahmen einer Werkeinführung sind am Freitagabend in der Mainzer Christuskirche erstmals Ausschnitte aus dem Reformations-Oratorium von Gerhard Müller-Hornbach aufgeführt worden. Die Auftragskomposition "Im Spiegel der Angst" der hessen-nassauischen Landeskirche (EKHN) hat die dunkle Seite des Reformators Martin Luther (1483-1546) und dessen Ängste zum Thema. Manche Äußerungen Luthers, etwa über Juden, seien mit modernen Überzeugungen unvereinbar, erklärte die Darmstädter Oberkirchenrätin Melanie Beiner bei der Veranstaltung. Dies dürfe jedoch nicht verschwiegen werden.

Die Uraufführung des Werkes für Chor, Orchester und Solisten sollte am Samstagabend ebenfalls in der Christuskirche in Mainz stattfinden. Die Vokalsolisten werden von den Sängern des Bachchors Mainz und zwei Dutzend Musikern des Mutare-Ensembles Frankfurt begleitet. Das Reformations-Oratorium sollte ursprünglich bereits im Jubiläumsjahr 2017 aufgeführt werden. Die Premiere wurde aber verschoben, weil die Kirche die Notwendigkeit einer Begleitveranstaltung sah.

Bei dem Symposium in Mainz sprachen der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und die Schweizer Theologin Christiane Tietz über die Ursachen für Luthers existenzielle Ängste und dessen Glauben an das leibhaftige Böse. "Wenn eine Epoche den Titel Zeitalter der Angst verdient, dann das Spätmittelalter", sagte Tietz. Moderne Menschen hätten zwar in der Regel keine Angst mehr vor Hölle und Fegefeuer, dafür aber umso mehr davor, dass sie vor ihren Mitmenschen nicht bestehen. Diese Ängste seien tatsächlich nicht so weit vom Lebensgefühl Luthers entfernt, wie man vermuten könnte.