Auf die Frage, was er später einmal machen wolle, hatte Georg Schäfer aus Karlsruhe schon früh eine Antwort: "Irgendetwas mit Musik." Mit 19 Jahren zählt er derzeit zu den jüngsten Studierenden an der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik (HfK) der Evangelischen Landeskirche in Baden. "In der 11. oder 12. Klasse kam mir sofort Kirchenmusik in den Sinn", sagt Schäfer dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Überraschend kam diese Entscheidung nicht. Den ersten Klavierunterricht erhält er mit sieben Jahren. Bereits zwei Jahre später, im Alter von neun, sitzt er das erste Mal an der Orgel und lernt beim Kantor der Evangelischen Landeskirche in Baden, Hans Christian Raiser. Als Schüler begleitet er Schul- und Gemeindegottesdienste, gewinnt Landesjugendwettbewerbe und gibt Konzerte.
"Die Entscheidung für Kirchenmusik fällt oft mit einem biografischen Wendepunkt zusammen", erklärt der Direktor der HfK Heidelberg, Martin Mautner. Nachwuchsprobleme wie beim Theologiestudium scheint es beim Studium der Kirchenmusik nicht zu geben. Mautner beobachtet einen "Trend" zum Kirchenmusikstudium. "Wir hatten jetzt zum Wintersemester zwölf neue Studierende. Früher waren es höchstens fünf", berichtet der Theologe.
Theologiestudium weniger interessant
Die Zahl der Studierenden der Theologie ging dagegen im Fünfjahresvergleich um rund ein Drittel zurück, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervorgeht. In der evangelischen Theologie sank die Zahl der Studierenden um etwa 34,7 Prozent, in der katholischen Theologie um 29,4 Prozent.
Attraktiver erscheint es da, die Frohe Botschaft im Namen Gottes via Kirchenmusik zu transportieren. Auch die gebürtige Berlinerin Cosima Schimpf entscheidet sich kurz vor dem Abitur für diesen Weg. "Bis zur 12. Klasse wusste ich gar nichts von diesem Studiengang", erinnert sich die 21-Jährige.
Breit gefächertes Studium und Pop
Obwohl sie seit ihrem 15. Lebensjahr Orgel spielt, habe sie nie nach der Ausbildung ihres Kantors gefragt. Schließlich sei er es gewesen, der ihr das Studium empfohlen habe. "Das kam meinem Wunsch entgegen, etwas mit Musik zu machen", sagt die junge Frau, die inzwischen in Heidelberg zu Hause ist. Der Studiengang der Kirchenmusik ist breit gefächert: Orgelliteratur- und -improvisation, Chorleitung, Gesang, Jazzpiano und Cembalo, Flöte oder Geige als Wahlpflichtfach. Hinzu kommen Tonsatz, Theologie und Liturgik.
Neben dem klassischen Kirchenmusikstudium gibt es seit dem Wintersemester 2023/24 den Bachelorstudiengang Pop-Kirchenmusik. In Kooperation mit der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim kann anschließend ein Masterabschluss erworben werden. "Man studiert seinen Master im Hauptinstrument und nimmt an kreativen Prozessen der Popakademie Mannheim teil. Die kirchenmusikalischen Fächer wie Gemeindeliedbegleitung und Chorleitung werden an der HfK Heidelberg unterrichtet", erklärt Robin Heid. Der 21-Jährige hat sich für Pop-Kirchenmusik entschieden und studiert im dritten Semester.
"Grenzenlos kreativ"
"Der Bereich steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Das bietet mir die Möglichkeit, viel mitzugestalten und musikalisch grenzenlos kreativ zu sein", sagt Heid. Für ihn stand spätestens ab der 11. Klasse fest, dass er Berufsmusiker werden möchte. "Da meine Mutter auch in Heidelberg Kirchenmusik studiert hat, lag das als Möglichkeit nahe - neben den anderen Jazz- und Pop-Studiengängen." Der Multiinstrumentalist spielt seit seiner Jugend Schlagzeug und Gitarre, dazu kommen Gesang, Kontrabass, klassisches Klavier und Orgel - sechs Instrumente, die er wöchentlich im Einzelunterricht übt.
Landeskirchen entscheiden über Zukunft
Das Studium der Kirchenmusik - klassisch oder im Bereich Pop - ist ein Fulltime-Job. Warum jedoch Bach und Händel statt Jazz, Hip-Hop oder Rap? Musik, die andere junge Menschen für "verstaubt" halten, begeistert Georg, Cosima und Robin gleichermaßen. "Ich höre nur im Fitnessstudio moderne Musik. Alte Musik berührt mich mehr", sagt Schimpf. "Wenn ich etwas vorsinge, muss ich das fühlen." Schäfer ergänzt: "Es ist entscheidend, ob Musik Emotionen transportiert oder nicht. Alte Musik fasziniert mich einfach."
Beruflich können sich die drei Studenten vieles vorstellen - von Kirchenmusiker über Studioarbeit, eigene Arrangements in Bands bis hin zu Konzerten, Lehraufträgen oder einem zweiten Standbein. Nicht zuletzt komme es auch darauf an, wie die Landeskirchen sich zur Kirchenmusik stellen und eine professionelle Arbeit ermöglichen. Sicher ist: "Selbst wenn ich im Beruf scheitere, habe ich etwas gelernt, womit ich anderen Freude machen kann", sagt Cosima Schimpf.


