Söder will in Kreuz-Debatte auf Kritiker zugehen

Landeskirche weiß von "Rundem Tisch" bislang nur aus den Medien
umstrittener Kreuz-Erlass

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ministerpräsident Söder versucht nach seinem umstrittenen Kreuz-Erlass offenbar, die Wogen zu glätten und lud zu einem Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes ein.

Der Gegenwind für den bayerischen Ministerpräsidenten Söder nach dem Kreuz-Erlass war zum Teil heftig. Mit einem Gesprächsangebot auch an Kritiker will Söder im Landtagswahljahr diesen nun offenbar etwas den Wind aus den Segeln nehmen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) versucht nach seinem umstrittenen Kreuz-Erlass offenbar, die Wogen zu glätten. Die Pflicht, vom 1. Juni an im Eingangsbereich von bayerischen Behörden ein Kreuz anzubringen, hatte Söder von der Opposition, aber auch von einigen leitenden Kirchenvertretern harsche Kritik eingebracht. Nun kündigte der Ministerpräsident über die Medien die Einladung zu einem Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes an. Das Gesprächsangebot richte sich auch an die Kritiker, betonte Söder. Die bayerische Landeskirche reagierte zurückhaltend: "Wozu wir nichts wissen, können wir nichts sagen", sagte ein Sprecher. Man kenne das Angebot bislang nur aus den Medien.

Bei einigen Parteifreunden stößt das Gesprächsangebot Söders auf Zustimmung. Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag), dass er das Angebot Söders zu einem breiten Dialog begrüße, "weil es zum gesellschaftlichen und politischen Frieden beiträgt". Er glaube, dass Söders Vorschlag eines Runden Tisches die teils hitzig geführte Debatte befrieden könnte: "Durch einen solchen Dialog könnte die Kritik an der Anordnung zum Anbringen von Kreuzen in Behörden entkräftet werden."

Angespanntes Verhätlnis zwischen CSU und Kirche

Der ehemalige Landtagspräsident und frühere Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück (CSU), sagte der "Augsburger Allgemeinen", Söders Gesprächsangebot könne dazu beitragen, "die Situation mit den Kirchen, auch mit Kardinal Reinhard Marx und dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wieder zu normalisieren". Zugleich äußerte er jedoch Kritik an der Art und Weise, wie der Kreuz-Erlass zustande gekommen sei: "Natürlich wäre es sehr viel besser gewesen, einen breiten Dialog an den Anfang zu stellen." Er hoffe nun, dass "wir noch zu einer konstruktiven und weiterführenden Beratung kommen".

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kritisierte laut der Augsburger Tageszeitung indirekt, dass Söders Gesprächsangebot erst jetzt kommt. "Auch hier gilt das Sprichwort: Besser spät als nie", sagte Schick. Auf die Frage, ob Söders Schritt ausreiche, um das angespannte Verhältnis zwischen der CSU und der Kirche zu befrieden, erklärte der Erzbischof: "Die Debatte über das Kreuz in der Öffentlichkeit hat viel Gutes. Sie macht nachdenklich, viele Menschen befassen sich mit dem Kreuz. Sie sollte aber sachlich und wohlwollend geführt werden."

ZdK-Präsident Thomas Sternberg bezweifelt indes die friedensstiftende Wirkung des Runden Tisches zwischen CSU und Kirche: "Vertrauen wächst erst aus ausdauernder Verlässlichkeit - dafür sind die Fristen viel zu kurz", sagte er dem Augsburger Blatt (Freitag). Gerade in Wahlkampfzeiten seien politische Schritte schwer zu beurteilen. Er begrüße aber grundsätzlich den Vorschlag eines Runden Tisches: "Ich freue mich darüber, wenn das gute Verhältnis zwischen der bayerischen Staatsregierung und der katholischen Kirche gefestigt wird."

Söder will zu dem geplanten Runden Tisch zwischen 20 und 30 Teilnehmer einladen. Die Gesprächsrunde soll weder zu groß noch zu exklusiv sein, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage. Im Juni soll es losgehen.

Die Bayerische Staatsregierung hatte vor einigen Wochen angeordnet, im Eingangsbereich aller Landesbehörden deutlich sichtbar Kreuze anzubringen. Dies hatte massive Kritik auch von Kirchenvertretern zur Folge. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte kritisiert, mit der Kreuz-Anordnung werde "Spaltung, Unruhe und Gegeneinander" ausgelöst. Davon, dass die Staatsregierung von ihrem Vorhaben abrücken könnte, war zunächst keine Rede.