Eine kleine Menschenfigur hält mit ausgestreckten Armen rechts und links einen Kreis: Das rund 1.000 Jahre alte und etwa zweieinhalb Zentimeter große Bronzekreuz wurde in Brandenburg bei archäologischen Grabungen entdeckt.
Der Fund aus dem Havelland sei ein bislang einzigartiges Zeugnis der frühen Christianisierung der Region, hieß es bei der Präsentation am Freitag in Potsdam. Das sogenannte Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert sei nachweislich in einer Form gegossen worden, die vor mehr als 40 Jahren in Berlin-Spandau zutage gekommen war.
Die dort 1982 bei Ausgrabungen auf einem slawischen Burgwall gefundene Gussform gelte als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder, hieß es. Ein Abguss der Form sei zuvor nicht bekannt gewesen. Ab Samstag sollen das Bronzekreuz mit der Christusdarstellung und seine Gussform bis zum 11. März in einer Sonderausstellung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel gezeigt werden. Danach wird beides ab Ende März für rund zwei Monate im Neuen Museum in Berlin präsentiert.
Spektakulärer Fund
Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) betonte, der Fund sei "in mehrfacher Weise spektakulär". Er passe nicht nur zu der bereits bekannten Gussform, sondern stehe auch beispielhaft für die frühe Christianisierung in Brandenburg und zeige, welche Rolle das Christentum in der damals mehrheitlich slawisch besiedelten Region bereits gespielt habe. Das Bronzekreuz als Symbol des Glaubens mache deutlich, dass Christen in der Region schon viel früher gelebt hätten, als oft angenommen, sagte Schüle. Zugleich verweise es auf damalige Handelsbeziehungen.
Glücksfall für die Fachwelt
Schüle sagte, für die Fachwelt sei das Kreuz ein wahrer Glücksfall. Es sei außerhalb regulärer Grabungen von einer ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin gefunden worden. Dies zeige, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement für die Archäologie in Brandenburg sei, betonte sie. Der Fund zeige zudem "einmal mehr, dass es im Land Brandenburg bedeutsame historische Spuren gibt".
Der Berliner Landesarchäologe Matthias Wemhoff bezeichnete den Fund als "total singulär". Dass Originalstücke aus Metall aus der Zeit gefunden werden, sei ungewöhnlich, weil Metallfunde einst häufig recycelt worden seien, sagte er. Durch die Entdeckung sei nun auch bekannt, dass der damalige Schmied in Spandau für einen großen Markt und einen sehr mobilen Personenkreis produziert habe. Die genaue Datierung des Kreuzes vor oder nach dem Slawenaufstand von 983 werfe derzeit noch Fragen auf, sagte er.
Weiträumige Kulturkontakte
Brandenburgs Landesarchäologe Franz Schopper sagte, der Kreuzamulettanhänger sei ein spannendes und wichtiges Zeugnis der religiösen Praxis und der Einbindung der Region in weiträumige Kulturkontakte. Am Fundort wurden nach Denkmalpflegeangaben bislang mehrere hundert archäologische Objekte entdeckt, darunter mehr als 200 Metallfunde.
Nachbildungen des Kreuzes auf Grundlage der in Spandau gefundenen Gussform werden im katholischen Erzbistum Berlin nach Aussage eines Sprechers bis heute verwendet, unter anderem um verdiente Ehren- und Hauptamtliche in der Jugendarbeit zu würdigen.


