Menschenkette gegen "Klimakiller Braunkohle"

Am Tagebau Hambach formierte sich eine Menschenkette als "Rote Linie" gegen den "Klimakiller Braunkohle". Daran beteiligten sich auch die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir. Klimaaktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" blockierten Gleise und Zufahrtsstraßen zum Braunkohlekraftwerk Neurath.

Insgesamt beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren etwa 5.000 Menschen an den unterschiedlichen Aktionen. Sie alle fordern einen schnellen Ausstieg aus dem Braunkohle-Abbau. Zugleich mahnen sie strukturpolitische Maßnahmen insbesondere für die Menschen und deren Arbeitsplätze in der Region an. Man erwarte einen fröhlichen und friedlichen Tag ohne Rechtsverletzungen mit einem eindrucksvollen Signal gegen die Braunkohle, hieß es.

Die Polizei, die mit starken Einsatzkräften vor Ort war, sprach von rund 3.000 Teilnehmern. Bisher seien die Proteste friedlich abgelaufen, sagte eine Polizeisprecherin am Samstagnachmittag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Einzig ein Polizeiwagen sei in der Nacht zum Samstagmorgen mit Silvesterböllern beschossen und beschädigt worden, Personen seien nicht zu Schaden gekommen.

"Moralische Pflicht" zu zivilem Ungehorsam

Auf Transparenten und Plakaten forderten die Demonstranten "Raus aus der Kohle" und "Tagebaue stoppen". Neben den Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, beteiligten sich auch die Bundesvorsitzende Simone Peter und Fraktionschef Anton Hofreiter an der Menschenkette. Aufgerufen zu den Protesten hatten unter anderem Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Klima-Allianz Deutschland, der auch mehrere evangelische Landeskirchen angehören. Die Abschlusskundgebung fand in dem Dorf Kerpen-Manheim statt, das nach den bisherigen Planungen ab dem Jahr 2023 für den Tagebau Hambach abgebaggert werden soll.

"Klimaschutz wird zur Makulatur, wenn Kohlekraftwerke ungedrosselt weiter laufen", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Er beklagte, dass die Braunkohle kaum zur heimischen Energiegewinnung beitrage, sondern der Strom massiv ins Ausland verkauft werde, und forderte ein Kohleausstiegsgesetz. Zudem seien Strukturmaßnahmen für die Menschen in der betroffenen Region notwendig.

Nur mit der Abschaltung der "klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke" sei das Ziel noch zu schaffen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten und den Klimawandel zu stoppen, erklärte Susanne Neubronner von Greenpeace Deutschland. Kathrin Schroeder vom kirchlichen Hilfswerk Misereor als Sprecherin der Klima-Allianz Deutschland verwies darauf, dass der Klimawandel in vielen Teilen der Welt das Leben und die Heimat der Menschen durch Dürren und steigende Meeresspiegel bedrohe.

Klimaaktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" und anderer Gruppen blockierten am Samstag teilweise über mehrere Stunden Gleise und Zufahrtsstraßen zum Braunkohlekraftwerk Neurath. Die meisten hätten sich friedlich wegtragen lassen, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei verhinderte zudem den Versuch, eine weitere Gleisblockade zu errichten. Mehrere Versuche, die Absperrungen der Polizei gewaltsam zu durchbrechen, konnten durch die Einsatzkräfte abgewehrt werden. Teilweise sei Tränengas eingesetzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die an den Blockaden beteiligten Personen wurden vorläufig in Gewahrsam genommen und später wieder entlassen.

Bei den Protestaktionen am Samstag seien sieben Polizeibeamte leicht verletzt worden, hieß es. Es wurden zahlreiche Strafverfahren unter anderem wegen Nötigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Insgesamt waren am Samstag und Sonntag im Zusammenhang mit den Braunkohle-Protesten rund 1.300 Polizisten im Einsatz.

Janna Aljets vom Bündnis "Ende Gelände" verteidigte die Blockadeaktionen an Zufahrten und Gleisen. "Nicht alles, was wir machen, ist legal, aber unbedingt legitim", sagte sie im "Morgenecho" auf WDR 5. Angesichts der massiven Zerstörungen durch den Tagebau und der Untätigkeit der Politik gebe es eine "moralische Pflicht" zum zivilen Ungehorsam. Durch den Braunkohleabbau würden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.

Der Energiekonzern RWE betreibt im rheinischen Braunkohlerevier die drei Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden sowie mehrere Kraftwerke. Umweltaktivisten werben bereits seit Ende vergangener Woche mit einem Klimacamp in Erkelenz für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Noch bis kommenden Dienstag sind weitere Protestaktionen geplant. Außerdem kündigten die Umweltverbände weitere Demonstrationen zum UN-Klimagipfel im November in Bonn an.