Latzel: Kirche kann Klimaneutralität nicht alleine stemmen

Rheinischer Präses Thorsten Latzel
epd-bild/Hans-Juergen Bauer
Die Aufgaben rund um den Erhalt von Kirchengebäuden und die ökologische Transformation seien so groß, dass sie die Kirche allein überfordern, sagt der rheinische Präses Thorsten Latzel.
Ökologische Transformation
Latzel: Kirche kann Klimaneutralität nicht alleine stemmen
Erhalt von Kirchengebäuden und ökologische Transformation: Diese Aufgaben seien so groß, dass sie die Kirche allein überfordern, sagt der rheinische Präses Latzel. Es bedürfe einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung.

Die evangelische Kirche hat sich mehr Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. So will die rheinische Landeskirche mit ihren Gebäuden bis 2035 klimaneutral werden - eine große Herausforderung, wie Präses Thorsten Latzel dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagt.

"Die Schwierigkeit ist, dass viele Prozesse parallel laufen", erklärt der leitende Theologe der zweitgrößten deutschen Landeskirche: "Die Gemeinden sind gleichzeitig mit Gemeindefusionen, Sparprozessen, der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, digitalen Prozessen und der Klimaneutralität beschäftigt." Zudem gestalteten sie eine Reihe neuer, innovativer Projekte.

Bis 2027 macht die Evangelische Kirche im Rheinland eine Bestandsaufnahme ihrer Gebäude, danach sollen die zu erhaltenden Immobilien klimaneutral ertüchtigt werden. Da die Kirche kleiner werde, müsse geklärt werden, welche Gebäude nötig seien und welche dauerhaft erhalten werden könnten, sagt Latzel.

Schmerzhafte Abschiede von Hoffnungsorten

Der Erhalt von Kirchengebäuden und die ökologische Transformation seien so große Aufgaben, "dass sie die Kirche allein überfordern", erklärt der Theologe. Es brauche dafür eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. In den Gemeinden erlebe er eine "große Kreativität", über neue Nutzungskonzepte nachzudenken und Partner zur gemeinsamen Nutzung von Gebäuden zu gewinnen.

Jeder Abschied von einer Kirche oder einem Gemeindehaus sei ein schmerzhafter Abschied, betont der rheinische Präses. Denn Kirchen seien zentrale Identitäts- und Hoffnungsorte, die in der Gesellschaft dringend gebraucht würden: "Wenn Kirchen nicht erhalten bleiben, verkümmert leicht die Seele eines Dorfs oder einer Stadt."

Ein Windrad für unser Dorf

Mit Blick auf die Nutzung erneuerbarer Energien für bestehende Kirchengebäude stoßen nach Latzels Worten bei Solaranlagen mitunter Denkmal- und Klimaschutz aufeinander. "Es gibt mittlerweile aber viele denkmalschutzsensible Möglichkeiten der Gebäudesanierung", sagt er. "Wir brauchen gerade bei den Unteren Denkmalbehörden Flexibilität und kreative Offenheit, um die notwendige ökologische Transformation möglich zu machen."

Bei der Windkraft sieht der Theologe oft ein Akzeptanzproblem. "Das kann sich ändern, wenn Menschen merken, dass die Einnahmen aus diesem Windrad zum Beispiel den Erhalt der eigenen Kirche, des Gemeindehauses oder der Kita finanzieren", sagte Latzel. "Dann ist es ein Windrad für unser Dorf."