Trauer und Entsetzen über Terroranschläge in Spanien

Trauer und Entsetzen über Terroranschläge in Spanien
Papst Franziskus betet für Anschlagsopfer, Bundeskanzlerin Merkel übermittelt Spanien ihr Beileid, evangelische Landeskirchen äußern Fassungslosigkeit.

Trauer und Entsetzen über den Terror in Spanien: Papst Franziskus bete für die Opfer des Anschlages von Barcelona, erklärte Vatikansprecher Greg Burke am Donnerstagabend. Das Kirchenoberhaupt sei solidarisch mit den Spaniern, insbesondere mit den Verletzten und den Familien der Opfer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte der spanischen Regierung noch am Abend ihr Beileid. Sie sei "dem spanischen Volk in dieser schweren Stunde eng verbunden", zitierte ihr Sprecher Steffen Seibert auf Twitter aus dem Schreiben.

Ein Unbekannter war am Donnerstag mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der bei Touristen beliebten Flaniermeile von Barcelona, Las Ramblas, gerast. Medienberichten zufolgen wurden dabei mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt. Während die Menschen versuchten, sich in angrenzenden Geschäften in Sicherheit zu bringen, floh der Täter. Ob Deutsche getötet oder verletzt wurden, war am Freitagmorgen noch unklar.

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<div class="field-zusatzinfo field-info-zusatzinfo-verwendung-1"><p><strong>Hintergrund:&nbsp;Drei Generationen RAF</strong></p>

<p>Die Ursprünge der RAF liegen in der sogenannten Baader-Meinhof-Bande. Die Journalistin Ulrike Meinhof gehört zwar zu den ersten Mitgliedern der Gruppe, tonangebend sind aber Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Baader und Ensslin verüben am 2. April 1968 zusammen mit zwei weiteren Tätern Brandanschläge auf zwei Frankfurter Kaufhäuser.</p>

<p>Baader wird am 4. April 1970 festgenommen, zehn Tage später aber mit Meinhofs Hilfe wieder befreit. Anfang April gibt sich die Gruppe den Namen "Rote Armee Fraktion" (RAF). Erstes Todesopfer des Terrors ist eine Terroristin: Petra Schelm stirbt am 15. Juli 1971 nach einer Schießerei mit Polizisten in Hamburg. Ebenfalls nach einem Schusswechsel stirbt am 22. Oktober 1971 der Polizist Norbert Schmid.</p>

<p>Im Jahr 1972 folgen mehrere Bombenanschläge, unter anderem auf Einrichtungen der US-Armee in Frankfurt am Main und Heidelberg sowie auf den Sitz des Springer-Verlags in Hamburg. Dabei sterben insgesamt vier Menschen. Die Polizei verstärkt daraufhin den Fahndungsdruck - mit Erfolg: Ende 1972 sind alle maßgeblichen Mitglieder der RAF in Haft.</p>

<p>Nun bildet sich um Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt eine "zweite Generation" der Terrorgruppe. Ihr Hauptzweck ist, die Mitglieder der "ersten Generation" aus der Haft freizupressen. RAF-Terroristen ermorden im "Deutschen Herbst" 1977 den Generalbundesanwalt Siegfried Buback, den Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Gleichzeitig entführen palästinensische Terroristen die Lufthansa-Boeing "Landshut" ins somalische Mogadischu, Pilot Jürgen Schumann wird erschossen.</p>

<p>Auch nachdem Meinhof, Baader und Ensslin in der Haft Suizid begangen haben, mordet die Gruppe weiter. Bis Anfang der 1980er Jahre zerschlagen die Sicherheitsbehörden deren Infrastruktur und verhaften die meisten ihrer Mitglieder.</p>

<p>Um Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld bildet sich eine "dritte Generation". Sie ermordet beispielsweise 1989 den Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen und im April 1991 den Präsidenten der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder. Drei Monate später stellt die Polizei Grams und Hogefeld am Bahnhof des mecklenburgischen Bad Kleinen. Bei einer Schießerei kommt Grams um, Hogefeld wird verhaftet. Der Polizist Michael Newrzella, der dabei ebenfalls stirbt, ist das letzte Todesopfer der RAF.</p>

<p>Im Lauf ihrer Geschichte ermordet die RAF 34 Menschen. 27 ihrer Mitglieder und Sympathisanten kommen ums Leben, außerdem fünf unbeteiligte Menschen.</p>

<p><strong>Hintergrund:&nbsp;Terror von links</strong></p>

<p>Neben der linksextremistischen Terrorvereinigung RAF bilden sich aus dem linken Milieu der späten 1960er Jahre mehrere andere Terrorgruppen. Die Bewegung 2. Juni nimmt in ihrem Namen Bezug auf den Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 unter mysteriösen Umständen durch eine Polizeikugel starb. Die Gruppe verübt Sprengstoffanschläge, überfällt Banken und entführt Personen des öffentlichen Lebens. Am 2. Juni 1980 erklärt sie ihre Auflösung. Einige ihrer Mitglieder schließen sich der RAF an.</p>

<p>Die Tupamaros haben ihren Namen von Guerilleros in Uruguay. Ableger gibt es in West-Berlin und in München. Die Mitglieder dieser Gruppen verüben Brand- und Bombenanschläge. Bereits 1970 lösen die Tupamaros sich wieder auf.</p>

<p>Die Revolutionären Zellen begehen von 1973 an bis in die 1990er Jahre hinein Anschläge. Zwei ihrer Mitglieder, Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, entführen zusammen mit palästinensischen Terroristen im Juli 1976 einen Air-France-Airbus von Tel Aviv nach Entebbe in Uganda. Die Aktion soll den Staat Israel treffen. Die Tat löst grundlegende Diskussionen unter den deutschen Linken über deren Verhältnis zu Israel und zur Gewalt aus - vor allem, weil Böse und Kuhlmann mit vorgehaltener Waffe jüdische Passagiere des Airbus von den anderen Passagieren getrennt haben sollen, unter ihnen auch Überlebende des Holocaust. Israelische Spezialkräfte befreien die Geiseln.</p>

<p>Noch weitgehend im Dunkeln liegt die Rolle der Nachrichtendienste. Peter Urbach etwa, V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes, beliefert die Bewegung 2. Juni und die Tupamaros mit Sprengstoff und auch mit fertigen Bomben.</p>

<p><strong>Info:</strong>&nbsp;<em>Stefan Aust:</em> "Der Baader-Meinhof-Komplex"; erweiterte Neuausgabe; Verlag Hoffmann und Campe; Hamburg 2017; 32 Euro Wolfgang <em>Kraushaar:</em> "Die blinden Flecken der RAF"; Klett-Cotta-Verlag; Stuttgart 2017; 25 Euro <em>Petra Terhoeven:</em> "Die Rote Armee Fraktion. Eine Geschichte terroristischer Gewalt"; Verlag C.H.Beck; München 2017; 9,95 Euro</p>

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Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Donnerstagabend erklärt, er sei tief erschüttert: "Wir stehen in diesem schweren Moment ganz fest an der Seite unserer spanischen Freunde. Wir stehen zusammen, wir werden uns nicht dem Terrorismus beugen, er wird uns nicht entzweien." Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: "Erneut hat der Terror seine hässliche Fratze gezeigt." Er versicherte dem gesamten spanischen Volk die deutsche Solidarität.

Auf Twitter verurteilte US-Präsident Donald Trump den Anschlag in Spanien und sicherte dem Land die Unterstützung der USA zu. Für Irritationen sorgte ein weiterer Tweet Trumps, in dem er den US-General John Pershing (1860-1948) als vorbildlich im Kampf gegen islamistischen Terror herausstellte. Pershing ließ laut einer von Historikern massiv bezweifelten Legende auf den Philippinen Muslime mit Projektilen exekutieren, die zuvor in Schweineblut getaucht worden waren.

"Warum lässt Gott das zu?"

In ersten Reaktionen aus evangelischen Kirchen in Deutschland wurde Fassungslosigkeit über den Terror in Spanien deutlich: "Wir bitten dich, Gott: Schenke Frieden auf unserer Welt", schrieb die Nordkirche bei Facebook. "Wir fragen uns: Warum lässt Gott das zu?" hieß es auf der Facebook-Seite der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.