Nach Anschlag: Pro Asyl fordert Abschiebestopp für Afghanen

Nach Anschlag: Pro Asyl fordert Abschiebestopp für Afghanen
Nach dem Anschlag auf das deutsche Konsulat in Masar-i-Sharif fordert Pro Asyl von der Bundesregierung, die Pläne zur Abschiebung von Afghanen zu stoppen. Afghanistan sei auf Dauer nicht sicher und Deutschland dürfe sich der Verantwortung für Asylsuchende nicht entziehen, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt.

"Afghanistan ist nicht sicher. Wer abschiebt gefährdet Menschenleben", sagte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, am Freitagmorgen. Überall könnten die Taliban zuschlagen. Mehr als 3.500 verletzte und 1.600 tote Zivilisten im ersten Halbjahr 2016 sprächen eine deutliche Sprache.  In 31 von 34 Provinzen finden laut Burkhart Kampfhandlungen statt. "Der gestrige Anschlag muss die Öffentlichkeit in Deutschland wachrütteln".

Bei dem Taliban-Anschlag in der nordafghanischen Stadt kamen am Donnerstagabend nach Medienberichten vier Menschen ums Leben, mehr als hundert wurden verletzt. Deutsche sind offenbar nicht unter den Opfern. Anfang Oktober hatten die EU und Afghanistan ein Rücknahmeabkommen vereinbart, das die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber vereinfachen soll. In den vergangenen Jahren hatte es einen faktischen Abschiebestopp für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland gegeben.

Es gebe in dem Land keine Gebiete, die auf Dauer sicher seien, betonte Burkhardt. Trotz verschärfter Lage am Hindukusch sei jedoch die Anerkennungsquote für afghanische Asylbewerber in Deutschland von etwa 80 Prozent im Jahr 2015 auf nunmehr unter 50 Prozent gesunken. Asylanträge von mehr als 10.000 Afghanen seien in diesem Jahr bereits abgelehnt worden - "und auf Ablehnungen sollen Abschiebungen folgen".

"Es ist unverantwortlich zu denken, man könne Abgeschobene auf dem Flughafen Kabul absetzen und dann von jeder Verantwortung, was mit ihnen geschieht, frei sein", sagte der Burkhardt. Das Land zerfalle, die Zahl der Binnenvertriebenen habe im April bei 1,2 Millionen gelegen und werde nach UN-Angaben auf 1,6 Millionen steigen.

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