Gedenkfeier für ertrunkene Flüchtlinge vor Lampedusa

Seefriedhof

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Gedenkfeier für ertrunkene Flüchtlinge vor Lampedusa
Sizilianischer Bürgermeister fordert mehr Unterstützung der EU
Was kann in Deutschland gegen das Flüchtlingssterben im Mittelmeer getan werden? Antworten auf diese Frage suchen Politiker und Kirchenleute aus Nordrhein-Westfalen diese Woche an den EU-Außengrenzen in Süditalien.

Mit einer Zeremonie im Mittelmeer vor Lampedusa haben Landtagsabgeordnete und evangelische Kirchenvertreter aus Nordrhein-Westfalen am Montag an das Schiffsunglück vom 3. Oktober 2013 erinnert. Gemeinsam mit der Bürgermeisterin von Lampedusa, Giuseppina Maria Nicolini, warfen sie zur Erinnerung an die mindestens 366 ertrunkenen Flüchtlingen am Ort des Unglücks einen Blumenkranz ins Wasser. Die Gruppe von NRW-Landtagsabgeordneten sowie Vertretern der evangelischen Landeskirchen in Westfalen und dem Rheinland trafen am Montag zudem den Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania, Enzo Bianco.

Bei der Trauerzeremonie vor Lampedusa sagte Nicolini, die Tragödie vom Oktober 2013 sei zwar nicht das schwerste Bootsunglück der letzten Jahre gewesen. Es sei aber besonders schwer zu ertragen, weil die Menschen das rettende Ufer vor Augen gehabt hätten. Das Unglücksschiff war nach einem Feuer gekentert.

Europäische Solidarität im Umgang mit Flüchtlingen

Die überwiegend aus Somalia und Eritrea stammenden Flüchtlinge seien aber nicht vergebens gestorben, fügte die Bürgermeisterin der süditalienischen Inselgemeinde hinzu: "Das Unglück hat etwas verändert." Der Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, erinnerte bei der Zeremonie auf einem kleinen Kutter an die Verantwortung aller Europäer für die Menschen, die bei der Überfahrt aus Nordafrika im Mittelmeer ertrinken.

Die Politiker und Kirchenvertreter wollen sich diese Woche ein umfassendes Bild von der Lage der Flüchtlinge in Süditalien machen. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen mit Regierungsvertretern und Flüchtlingsexperten diskutiert werden. An einer internationalen Flüchtlingskonferenz in Rom beteiligt sich auch eine weitere Reisegruppe aus NRW, die sich auf Einladung der evangelischen Landeskirchen bis Mittwoch in Griechenland über den dortigen Umgang mit Flüchtlingen informiert.

Der Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania, Enzo Bianco, forderte bei dem Treffen mit der Delegation aus NRW mehr europäische Solidarität im Umgang mit Flüchtlingen. Die gesamte Mittelmeerregion befinde sich in einer Ausnahmesituation, sagte Bianco. Auf der italienischen Mittelmeerinsel seien in den vergangenen Monaten Zehntausende Bootsflüchtlinge eingetroffen. Dies habe in einer der ärmsten Regionen Italiens und Europas nur durch großzügige Unterstützung der Bevölkerung bewältigt werden können.

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Konkret verlangte Bianco Änderungen bei der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, ein stärkeres Vorgehen gegen Schlepperbanden und schnellere Asylentscheidungen. Er könne sich außerdem vorstellen, dass beispielsweise in Marokko und Ägypten Stellen eingerichtet werden, bei denen Menschen ein "anerkannter Status" für eine legale und sichere Überfahrt nach Europa bescheinigt werden könne, sagte der frühere italienische Innenminister. Er ließ offen, ob er damit sichere Fluchtkorridore meint oder letztlich auch eine Verlagerung der Asylentscheidung oder einer Vorauswahl nach Nordafrika.

Am Montagabend wollten die Politiker und Kirchenvertreter ein Flüchtlingslager auf Lampedusa, rund 200 Kilometer südlich von Sizilien, besuchen. Für Dienstag ist der Besuch eines weiteren Flüchtlingslagers in der sizilianischen Stadt Pozzallo geplant.