Vom Winde verweht

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Spiritus Blog mit Beatrice von Weizsäcker
Geistvoll in die Woche
Vom Winde verweht
Ein kurioser Feiertag und die einst schönste Nebensache der Welt, die Fußball-WM in den USA.

Heute ist Weltwindtag. Sie haben noch nie davon gehört? Dann geht es Ihnen wir mir. Mir war er jedenfalls neu. Aber seit ich ihn kenne, dreht sich meine Fantasie um Wind-Worte: Windgeister, Atem, Windeseile, Götter, Windrichtungen, Geheimnisse, Windhunde, Freiheit, Windstille, Windlicht, Windmühlen, Fahrtwind, Windböe, Stürme, Aufwind, Ostwind (ein Pferd), Windhosen, Windspiel, Fallwinde, Windgeschwindigkeit, Ruhe, Windjammer (ein Boot), windschnittig, Windrosen, Chaos, Wind säen, Sturm ernten, der Heilige Geist, über den Anselm Grün einmal schrieb, er sei überall, wie der Wind, und lasse sich nicht besitzen. Solche Dinge. 

Natürlich darf auch der Film „Vom Winde verweht“ nicht fehlen. Über Scarlett O'Hara und Melanie und Ashley und Rhett Butler und den Bürgerkrieg und Tara und die Liebe. Und mit Sätzen wie: As God is my witness … I'll never be hungry again! (Das sagt natürlich Scarlett.)

Ach, der Wind, der gute Wind, das himmlische Kind…

Doch die Sache ist viel profaner. Der Tag des Windes ist eine Erfindung der EWEA, das ist der europäische Verband für Windenergie. Am Aktionstag, dem 15. Juni, will er die Windkraft in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Ganz schlechtes Thema für unsere Regierung, die lieber auf fossile Energie setzt. Klimawandel hin, Klimawandel her. Darum freut sie sich sicher, dass der Weltwindtag auf der Seite www.kuriose-feiertage.de geführt wird. Das klingt so schön nebensächlich.

Früher war Fußball die schönste Nebensache der Welt. Das ist vorbei. Spätestens seit Fifa-Präsident Gianni Infantino sich nicht entblödete, Donald Trump während der WM-Endauslosung in Washington D.C. den ersten „Fifa-Friedenspreis“ zu verleihen. Endlich hatte der US-amerikanische Präsident, was er aus seiner Sicht wie kein Zweiter verdient, was ihm das Nobelpreis-Komitee aber partout nicht geben will: einen Friedenspreis. „Friedenspreis“ heißt das Ding, weil Fußball angeblich die Welt vereint, was er längst nicht mehr tut. Trump bekam ihn „für seinen unermüdlichen Einsatz für den Frieden“, wie es auf der Fifa-Homepage heißt. „Das ist es, was wir von einem Staatschef erwarten, dass er sich um die Menschen kümmert“, raunte Infantino bei der Verleihung. Auch das ist gelogen. Die Fifa nutzte ihre Macht, um mehr Einfluss zu bekommen. Sonst nichts. Politische Neutralität? Fehlanzeige.

Auch die USA missbrauchen ihre Macht. Kurz vor dem Eröffnungsspiel verweigerten sie dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise, obwohl er ein gültiges Visum hatte. Wegen angeblicher „Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“. Artan pfeift seit Jahren für die Fifa. Und Infantino? Der sagt bloß: „Chill. Relax!“ So kann man sich natürlich auch vor seiner Verantwortung drücken. Der wahre Grund dürfte Artans Herkunft sein. Viele Fans teilen sein Schicksal, weil sie ebenfalls aus Ländern stammen, die Trump nicht passen. Aus Iran zum Beispiel. Dem Kriegsgegner.

Die Weltmeisterschaft ist zum Spielball der Macht verkommen. Zu Windhund-Spielen.

In der Bibel singt der Psalmist über seine Feinde – passend zum Weltwindtag und zur WM – in drastischen Worten: Ich will sie zerstoßen zu Staub vor dem Winde, ich werfe sie weg wie Unrat auf die Gassen. (Ps 18,43) So soll es sein. Auf dass das Spektakel möglichst schnell vom Winde verweht wird. 

Ich will damit jedenfalls nichts mehr zu tun haben und boykottiere die Spiele. Schweren Herzens. Denn ich bin Fußball-Fan.

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