Am Anfang war die Schäbigkeit. Damals, im Paradies. Als Gott Adam fragte: „Wo bist du?“, antworte er: „Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.“ Und als Gott ihn fragte: „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?“, sagte Adam: „Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen.“ (Gen 3,9-12)
Feige war Adam. Er schämte sich und schob die Schuld auf Eva. Als habe er keinen Anteil daran.
Wie würde Adam wohl auf den Vorwurf reagieren, Gebote missachtet zu haben, wenn er nicht Adam, sondern Christian Ulmen wäre? Und Eva nicht Eva, sondern Collien Fernandes? Adam/Ulmen würde seinen Namensvetter anrufen, Christian Schertz. Den berühmt-berüchtigten Medienanwalt. Schertz würde sagen, die Berichterstattung sei „aus mehreren Gründen rechtswidrig“. Es handele sich um eine „unzulässige Verdachtsberichterstattung“ und um die Verbreitung „unwahrer Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung“.
Adam/Ulmen hätte gute Karten. Denn in Deutschland gibt es kein Gesetz, das sexualisierte Deepfakes unter Strafe stellt. Es ist nicht verboten, digital gefälschte sexuelle Bilder herzustellen und im Netz zu verbreiten. Und die Gesetze, die greifen, greifen nicht tief genug. Fernandes hatte trotzdem 2024 einen Strafantrag gestellt. Doch ohne Erfolg. Erst jetzt nahm die Staatsanwaltschaft das Verfahren wieder auf, das sie im Juni 2025 noch eingestellt hatte. Auch die Eile, mit der die Justizministerin das Strafrecht verschärfen will, kommt reichlich spät. Virtueller Vergewaltigungen gibt es schon lange. Wie die gesamte digitale sexualisierte Gewalt.
In Spanien ist die Rechtslage anders. Dort geht die Justiz längst gegen Ulmen vor. Seit vier Monaten ermittelt sie gegen ihn „wegen mutmaßlicher widerrechtlicher Aneignung des Personenstands, Geheimnisverrats, öffentlicher Beleidigung, wiederholter Misshandlung und schwerer Drohungen“. Bei den Gerichten gibt es sogar Abteilungen für „Gewalt gegen Frauen“. Davon sind wir weit entfernt.
Aus Ulmens Sicht würde die biblische Geschichte von Adam und Eva so weitergehen:
Gott fragt ihn: „Wo bist du?“ Er antwortet: „Ich habe deine Schritte gehört; da geriet ich in Panik und versteckte mich. Aber habe ich einen Anwalt hinzugezogen, der mich schützt.“ Gott fragt: „Hast du mein Gebot missachtet und deine Frau missbraucht?“ Und Ulmen würde antworten: „Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mich verführt. Ich kann nichts dafür. Für mich gilt die Unschuldsvermutung.“
Den Vergleich würde Adam natürlich weit von sich weisen. Niemals würde er seiner Eva etwas antun. Schließlich liebt er sie. Genau wie Gott, der auf der Seite der Unterdrückten ist. Und alles sieht.
Adam würde auch nicht hinnehmen, dass auf dem Rücken der Frauen Rassismus geschürt wird. Dass auf ihrem Rücken der AfD nach dem Mund geredet wird. Dass Organisationen, die Frauen helfen, das Wasser abgegraben wird. Wütend würde Eva rufen: „Haltet den Mund, wenn es um uns geht!“ Und Adam würde ihr beipflichten.
In der Zeit der Epstein-Files.
In der Zeit des Christian Ulmen.
Nach dem Urteil gegen Dominique Pelicot.
Die Schäbigkeit ist nicht zu ertragen. Sie muss aufhören. Die Verantwortung muss die Seite wechseln.



