Spiritus

Spiritus: geistvoll in die Woche

Ich war magersüchtig. Um überhaupt essen zu können, wurde ich Veganerin!

Ich war magersüchtig. Um überhaupt essen zu können, wurde ich Veganerin!
Das ist jetzt etwas verkürzt, aber kürzlich saß eine junge Frau vor mir, die genau das erzählt hat. Gemüse konnte sie immerhin ohne schlechtes Gewissen essen. Keine Massentierhaltung, wenig Wasserverbrauch, wenig CO2. Alles andere kam ihr nur schlecht über die Lippen und unter die Zähne hinein in ihren schlanken Körper. Wenn schon essen, dann wenigstens richtig, gut für den Planeten und das eigene Immunsystem, das hat sie sich gedacht.

Und ich konnte das einordnen. Ich muss mir nur meine Jugendlichen ansehen. Einige der Mädchen sind schmaler als mein linkes Bein und ständig wird über das Essen geredet. Natürlich darüber, wie viel man gerade eben noch gegessen hat und dass man am Wochenende nur Süßigkeiten gefuttert hat. Vor Ort, wenn ich dann zusehe, erlebe ich das allerdings nicht. Dann ist ein Stück Pizza schon echt viel. Ich atme regelrecht auf, wenn ich nicht nur an Stimmungsschwankungen, sondern auch an den Körpern erlebe, dass sich wirklich die Pubertät ereignet. Dass die Körper genügend Ressourcen haben für Hüften in jedweder Form.

Und dann diese Frau, die es richtig machen will. Überhaupt essen können will. Nein, Magersucht ist nicht neu, Essstörungen auch nicht. Aber dieser Gedanke, dass Essen auch noch klima-moralisch bewertet wird, der war mir neu. Dass der eigene Körper Rechenschaft darüber ablegt, ob man den Planeten schützt und den Klimawandel abwenden will. Dass dein Körper deine politische Bühne ist, ist gerade Frauen nicht fremd, aber die Bedeutung der Klima-Körper, die kam hinzu.

Und dann saß diese junge Frau vor mir. Meine 1,59 €-Salami vom Frühstück blieb mir fast im Halse stecken. Mein Körper ist kein Klima-Körper, ich falle eher auf der anderen Seite vom Pferd. Aber ich wünschte, Körper wären einfach frei vom Fallen. Einfach, weil es nicht auf sie ankommt. Wenn nur eine strenge Klima-Moral aus einer anderen Magersucht herausführt, müssten unsere Körper lernen zu fliegen, statt zu fallen. Aber im Flug findet sich scheinbar nicht das, was richtig ist. Das richtige und einwandfreie bindet fest. 

Ich wünschte einfach, es gäbe viel mehr Falsches, was einfach gemacht wird. Zumindest so oft, dass die Fesseln nicht mehr halten.

weitere Blogs

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare
Segnen heißt im Lateinischen „benedicere“: Gutes sagen, Ja sagen, Wohlbefinden oder Gutes wünschen. Segen betrifft das ganze Leben mit Verstand, Herz und Hand, also mit der gesamten Existenz. Die Geschichte von Abraham und Sara im 1. Buch Mose handelt davon. Sie ist in der kontroversen Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare immer noch aktuell.
Wohin für den kleinen Piks gegen Corona? In der Kirche ist viel Platz ...
Auslaufen der "Sea-Watch 4"
Das von der Evangelischen Kirche initiierte Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" startete im Sommer seine Mission im Mittelmeer. Für evangelisch.de schrieb die Journalistin Constanze Broelemann in ihrem Blog "Seenotizen": "Wir sind auf See. Endlich. Gut vorbereitet, nimmt die "Sea-Watch 4" Kurs auf die libysche Küste. Ich nutze die Zeit vor den ersten Rettungsmanövern, um mit einigen meiner Crew-Mitglieder über ihre Motivation für die Mission zu sprechen."