Die Frage der Woche, Folge 95: Wie geht's weiter mit #DigitaleKirche?

Nächster Halt für die #DigitaleKirche: das Netzgemeindefest auf der re:publica.

Liebe evangelisch.de-Nutzerinnen und -Nutzer,

die Diskussion rund um #DigitaleKirche geht weiter. Das liegt auch daran, dass in der zweiten Mai-Woche die re:publica in Berlin steigt. Wer sie nicht kennt: die re:publica ist Deutschlands größte Internet- und Blogger*innen-Konferenz. Mehr oder weniger scherzhaft wird die re:publica auch "Netzgemeindefest" genannt, und genau so eins hat Ingo Dachwitz, unter anderem Jugenddelegierter in der EKD-Synode, für dieses Jahr ausgerufen: Am 8. Mai treffen sich (möglichst) alle kirchlich affinen re:publica-Teilnehmenden zu diesem Netzgemeindefest auf dem Meetup Green, Uhrzeit: 16 bis 17 Uhr.

Da werden viele der Impulse für #DigitaleKirche in persönlichen Gesprächen weitergesponnen. Es gibt zumindest zwei Texte dazu, die jede*r gelesen haben sollte, bevor sie zur re:publica fährt. (Eine vollständigere Zusammenfassung, auch mit einem Blick auf das Etherpad und das Trello-Board zum Thema, wird es bis dahin auch noch geben.)

Zum einen ist da "Dieses Ding mit der Digitalisierung" von Pfarrerin Friederike Erichsen-Wendt, auf Twitter als @feriwen unterwegs. (Mit ihr haben wir von evangelisch.de unter anderem 2016 unsere Aktion "Mahl ganz anders" gemacht, das ist aber nicht der Grund, warum ihr Text mir aufgefallen ist.) Sie hat einfach einen der ausgeruhtesten und überlegtesten Gedanken zu #DigitaleKirche aufgeschrieben. Gedacht waren ihre Überlegungen als Antwort auf einen Anti-Digitalisierungs-Artikel im Deutschen Pfarrerblatt von Siegfried Krückeberg. Dessen grundlegende Abwehr-Haltung sieht grundsätzlich ein Primat der Kohlenstoff-Welt vor. Auch das, was im Internet rund um Kirche geschieht, müsse mindestens "mit den Gemeinden vor Ort in einer Wechselbeziehung stehen". Das erweitert und öffnet Kirche zwar, aber ohne die Parochialgemeinde vor Ort ist für Krückeberg Kirche eben nicht denkbar.

Friederike Erichsen-Wendt macht das Gedankenspiel in die andere Richtung auf. Digitale Kirche ist "weit mehr, als christlichen content zu generieren, und zu zeigen und Kontaktflächen zu bieten", schreibt sie, und macht vorher sehr deutlich, dass Digitalisierung nicht auf die Kirche wartet und die Kirche sich umgekehrt ihr auch nicht entziehen kann: "Wir sind mit der Welt konfrontiert, in der wir leben und wir sind ein Teil von ihr."

Pflichtlektüre aus meiner Sicht ist auch die katholische Betrachtung von @marawandelbar: "Wie hast du's mit dem Digital?" Sie gehört zu den (vielen) Menschen, die keine Anbindung an eine klassische Vor-Ort-Gemeinde haben. In ihrem Text zweifelt sie daran, dass bestehende institutionelle Kontexte erfolgreich für Digitalisierungsprozesse genutzt werden können. Besonders klar stellt sie das Problem heraus, dass Digitalisierung kein Selbstzweck sein darf, vor allem nicht in den Kirchen, die selbst eher ein Medium sein sollten.

Können wir verschiedene Ziele vereinen?

Ich finde beide Texte deswegen so passend, weil sie eine Frage illustrieren, die ich in der ganzen Digital-Debatte bisher für unzureichend beantwortet halte: die Frage nach dem "wozu"? Denn welchem Ziel dient eine Digitalisierung der Kirche?

Da sind die, die sich Reichweite und mediale Effekte versprechen. Dann sind dort die, die ihre Vorstellung der "ecclesia semper reformanda" in zeitgemäßen, kollaborativen Digitalmitteln verwirklicht sehen. Es gibt die, die sich selbst profilieren wollen, weil sie Digitalisierung deutlich besser beherrschen als die Menschen, die bisher die Strukturen der Kirche dominieren - auch die Strukturen, die sich um Fragen von Digitalisierung bemühen. Es gibt die, die in ihren Kirchenämtern vor allem Papier sparen wollen. Und die, die immer zuerst vor den Gefahren dieser Digitalisierung warnen, ihre Möglichkeiten aber trotzdem nutzen wollen. Es gibt die, die aus den bestehenden Institutionen, Veranstaltungen und Netzwerken heraus ihre Kirche digitalisieren wollen, und die, die alles bestehende umstürzen wollen, um Kirche neu zu denken.

Sie alle bilden trotz ihrer ganz unterschiedlichen Herangehensweisen eine geschlossene Wand gegen die, die Digitalisierung grundlegend verteufeln. Weil Digitalisierung so viele unterschiedliche Facetten hat, ist die Diskussion so schwierig. Denn es geht eben immer nur um Teile eines Ganzen, dessen Gestalt immer neu verhandelt wird. Die Frage "wohin führt die Digitalisierung" ist die gleiche Frage wie "wohin entwickelt sich die Kirche" - und das sind gleich zwei emotional besetzte Fragen, zu denen (fast) jeder eine Meinung hat.

Ich freue mich deswegen jetzt schon auf die konzentrierten Gespräche während der re:publica. Auch da werden natürlich ganz viele Stränge parallel laufen, aber ich freue mich auf die gemeinsamen Überlegungen, wie wir die vielen bestehenden Ideen und Impulse ein bisschen zusammenführen können. Der Rat der EKD hat das Thema auch auf dem Schirm - und als erstes freut sich Heinrich Bedford-Strohm auf den (lange anstehenden) Relaunch von ekd.de. Ich freue mich da auch drauf, bin aber zugleich gespannt, was die Diskussion im Rat zu #Digitalisierung ansonsten noch gebracht hat.

Wer sich also für #DigitaleKirche interessiert und bei der re:publica ist, sollte das Netzgemeindefest nicht verpassen.

Ich wünsche euch und Ihnen ein gesegnetes Wochenende!


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