Erstmals fand der Frauentag am 19. März 1911 statt. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen.
Passend zum Weltfrauentag stellt das Evangelische Literaturportal Buchempfehlungen vor, die unter anderem aufzeigen, dass Feminismus bei der Erziehung der Söhne beginnt und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
Die kleinen Königinnen
Eine Graphicnovel nach dem Roman von Clémentine Beauvais
Mit "Die kleinen Königinnen" gelingt Magali Le Huche eine kraftvolle Graphic Novel über Selbstbestimmung, Freundschaft und Rebellion. Was mit einer Online-Abstimmung zur "Wurstkönigin" beginnt – einer sexistischen Demütigung – entwickelt sich zu einer empowernden Reise. Die drei Königinnen Mireille, Astrid und Hakima nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Auf dem Weg nach Paris, begleitet von Kriegsveteran Kader, verkaufen sie Würstchen, landen auf der Gartenparty im Palast Élysée und schreiben dabei eine Story, die aufrüttelt.
Die Geschichte prangert Bodyshaming, Ableismus, Rassismus und patriarchale Strukturen an, hinterfragt normative Beziehungsmodelle und nimmt die Einsamkeit Jugendlicher ernst. Eine feministische Roadstory mit Herz und Haltung.
Ein Jugendbuch, geeignet ab Klasse 8, zu den Themen Body Positivity, Cybermobbing und feministischer Selbstermächtigung. Jennifer-Christin Hein
Magali Le Huche: Die kleinen Königinnen. Nach einem Roman von Clémentine Beauvais. Dt. von Annette von der Weppen. Berlin: Reprodukt 2025. 148 S., 27 cm., aus d. Franz., ISBN 978-3-95640-461-0, geb.: 29,00 €
Als Mädchen geboren
Lebendig illustriertes Sachbuch über die Lebensperspektiven von Mädchen in einer patriarchalen Gesellschaft
Das Buch erzählt in leicht verständlicher Sprache von den Diskriminierungserfahrungen von Mädchen. Es unterscheidet sich dabei von ähnlichen Büchern, weil der Blick weit über den europäischen Tellerrand hinausgeht.
Die Geschichten und Schicksale stammen aus Nepal (Menstruation als Tabu), Afghanistan (patriarchale Gesellschaft), Kenia (Genitalverstümmelung), Mexiko (Femizid) und Frankreich (Schönheitsideale). Auch sehr schwere Themen wie weibliche Genitalverstümmelung werden in dem Buch angesprochen und altersgerecht aufbereitet. Jeder Themenkomplex wird mit einer Erzählung aus der Ich-Perspektive eingeleitet, die kurz, verständlich und gefühlsbetont die jeweilige Situation der Mädchen wiedergibt. Farbenfrohe und ausdrucksstarke Bilder begleiten die Texte. Jede Erzählung endet mit einem positiven und hoffnungsvollen Gedanken.
Kein Platz für Resignation. Weiterführende Texte vertiefen die Thematik und rufen zum Handeln auf. Für Mädchen (und Jungen) ab 11 Jahren. Wiebke Richter
Alice Dussutour: Als Mädchen geboren. Mutgeschichten aus aller Welt. Dt. von Tünde Malomvölgyi. Leipzig: Orlanda 2025, 166 S., 24 cm, aus d. Franz., ISBN 978-3-949545-83-2, kt.: 23,00 €
The Daily Feminist
199 Handlungstipps für Gleichberechtigung im Alltag
Wie können Frauen besser leben in einer männergemachten Welt? Vielen fehlt oft Kraft und Zeit, um angesichts fragwürdiger Sprach- und Schönheitsnormen, ungleicher Job- und Gehaltsaussichten und unbezahlter Care-Arbeit große Veränderungen anzustoßen. Dagegen setzt die Autorin ihre Tipps zum Mikrofeminismus im Alltag. Darunter versteht sie kleine Gesten und leicht umsetzbare Strategien und Handlungen, die wie eine Revolution im Kleinen wirken.
So kann es wirksam sein, mal Männern die Tür aufzuhalten, sich in Meetings in die Mitte statt an den Rand zu setzen und darauf hinzuweisen, wenn ein Kollege nur die bereits vorgetragenen Argumente einer Kollegin wiederholt und dafür gelobt wird. Manche ihrer Tipps können sogar lebensrettend sein, zum Beispiel bei einem neuen Medikament die Ärztin zu fragen, ob es auch an Frauen getestet wurde.
Evelyn Höllrigl Tschaikner schreibt fundiert und sehr unterhaltsam, ihre Anleitungen sind praktikabel und helfen, von der Wut über Misogynie ins Handeln zu kommen. Claudia Puschmann
Evelyn Höllrigl Tschaikner: The Daily Feminist. 199 konkrete Handlungstipps für Gleichberechtigung im Alltag. Mikrofeminismus wirkt. München: Kösel 2025, 268 S., 22 cm., ISBN 978-3-466-34854-1, geb.: 20,00 €
Liebe Jorinde
Feminismus geht uns alle an.
Einen so klugen wie kurzen Text legt Mareike Fallwickl mit "Liebe Jorinde" vor. Ihr Essay um einen "neuen Feminismus des Miteinanders" ist in Briefform verfasst und richtet sich an ihre Freundin, die Regisseurin Jorinde Dröse. Dass Frauen in unserer Gesellschaft benachteiligt sind, wissen mittlerweile alle und Beispiele gibt es von schlechterer Bezahlung bis hin zu Mental Load zahlreiche.
Fallwickl bereichert den Diskurs aber, indem sie aufzeigt, dass nicht nur Frauen unter dem Patriarchat leiden, sondern auch Männer. Männer hätten sich ja nicht aktiv für die Vormachtstellung entschieden, sondern sie würde auch von ihnen erwartet und das schadet auch Männern.
Die Bekämpfung des Patriarchats mit seinen Normvorstellungen von männlich (klug und durchsetzungsstark) und weiblich (emotional und nachgiebig) sieht sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ihren Brief als eine Einladung an die kommende Generation, sich an diesem Dialog aktiv zu beteiligen. Ein anfechtbarer, ein manchmal etwas subjektiver Text ist es zuweilen, vor allem aber ein mutiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Ein wichtiger Text, für ALLE Geschlechter. Marie Varela
Mareike Fallwickl: Liebe Jorinde. oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen. München: Kjona 2025, 71 S., 20 cm. (Briefe an die kommenden Generationen, Band 5), ISBN 978-3-910372-42-9, geb.: 20,00 €
Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
Eine Lebensrückschau und eine große Erkundung des Frauseins
Nach dem Tod ihres Mannes räumt eine Frau ihr Haus auf und ordnet dabei auch ihre Ehe, die mal eine Liebe war. Das Spannende daran: Die Frau ist die niederländische Professorin für Frauenforschung Christien Brinkgreve.
Die Chancen sollten doch eigentlich nicht schlecht dafür stehen, dass diese Frau ein gleichberechtigtes Familien- und Eheleben mit ihrem ebenfalls erfolgreichen Mann A., erlebt und gelebt hat. Für Aussenstehende sah es sicher so aus, umso schmerzlicher ist der Blick hinter die Kulissen, den Brinkgreve, Jahrgang 1949, schonungslos und offen gewährt. Dass sie dabei auch sich selbst kritisch in ihrer Rolle als berufstätige Ehefrau und Mutter betrachtet und nicht einfach dem Mann an ihrer Seite die Schuld für das Erkalten ihrer Liebe verantwortlich macht, macht dieses Buch aus und zu einem großen Gewinn.
Brinkgreve beschreibt keine individuelle Geschichte, sondern eine kollektive Erfahrung, für die sie präzise, genau abgewogene Worte findet, die etwas sichtbar machen, was uns modernen Frauen geradezu körperliches Unwohlsein verursacht: Auch, wenn wir finanziell unabhängig und gut ausgebildet sind, greifen tradierte Rollenmuster, ohne, dass wir es bemerken.
Ein augenöffnender Text darüber, warum Frauen trotz aller Anstrengungen immer noch nicht da stehen, wo sie stehen sollten und wie tief die Spuren des Patriarchats wirklich sind. Marie Varela
Christien Brinkgreve: Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen. Dt. von Lisa Mensing. München: Hanser 2026, 190 S. , 21 cm., aus d. Niederländ., ISBN 978-3-446-28567-5, geb.: 23,00 €
Geniale Frauen, geniale Forschung
Wissenschaften: Frauen waren schon immer an vorderster Stelle dabei, wurden aber vergessen oder gar nicht erwähnt.
Frauen haben bahnbrechende Erfindungen gemacht und die Forschung vorangetrieben. Dieses Buch gibt 20 Frauen den Raum, die Wesentliches, Grundlegendes für die Wissenschaft getan haben und oft vergessen wurden. Beginnend mit der ersten Parfümeurin Tapputi-Belatekallim um 1200 v. Chr., über Mary Anning, die Fossilien ausgegraben hat, oder Vera Rubin, die die Existenz von Dunkler Materie erforschen konnte.
Jeder Wissenschaftlerin ist eine Doppelseite gewidmet, die mit einer kurzen Biografie beginnt und dann die bedeutende Forschungsleistung vorstellt. Im Anschluss findet sich ein Mitmachteil. Hier können Kinder selber Experimente machen, immer in Bezug auf die Erfindungen der Forscherinnen. Ein Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe für Kinder leicht verständlich.
Das Sachbuch ist sehr liebevoll gestaltet, der Informationsgehalt durchaus gewichtig und anspruchsvoll. Dieses Buch ist eine Freude und für jedes MINT-Regal eine Bereicherung. Gesine Meerheimb
Geniale Frauen, geniale Forschung. Pionierinnen der MINT-Wissenschaften. Frances Durkin. Ill. von Nur Ventura, dt. von Ute Löwenberg. Leipzig: E.A. Seemann 2025, 72 S., überw. Ill., 29 cm., aus d. Engl., ISBN 978-3-69001-011-5, geb.: 20,00 €


