Segnung Homosexueller: Bunt wie ein Regenbogen

Wie gehen die Landeskirchen mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare um?
Regenbogen über einem Kirchturm.

Foto: thinkstock/Emdurodog

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare folgt in Deutschland keiner klaren Linie.

Wer einen Menschen desselben Geschlechtes liebt und kirchlich heiraten will, stößt je nach Landeskirche auf sehr unterschiedliche Regelungen. Am meisten ist bisher im Rheinland, in Berlin-Brandenburg, Hessen-Nassau, Baden und in der Nordkirche möglich.

Heiratswillige Homosexuelle haben in Deutschland grundsätzlich fast überall die Möglichkeit, sich von einem Pfarrer einen Segen zusprechen zu lassen. In welcher Form das geschieht, wird von den 20 Landeskirchen aber höchst unterschiedlich geregelt. So verbieten zum Beispiel nur wenige Landeskirchen, dass eine Segnung öffentlich geschehen darf. Einige Landeskirchen bestehen darauf, dass eine Segnung einem herkömmlichen Traugottesdienst nicht zu sehr ähneln dürfe. In den meisten Fällen überlassen sie den jeweiligen Pfarrerinnen, Pfarrern und Gemeinden die konkrete Ausgestaltung der Feier. Nahezu alle Landeskirchen betonen aber, dass kein Pfarrer gezwungen werden kann, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Die Handhabe der Landeskirchen im Einzelnen:

Fast wie die Trauung

In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wurde die Segnung Homosexueller im Jahr 2013 der traditionellen Trauung gleichgestellt - bis auf den Namen. Die Segnung gilt als Amtshandlung der Pfarrerin oder des Pfarrers, sie wird beurkundet und ins Kirchenbuch eingetragen. Das gibt es vorher in keiner anderen Landeskirche. Verweigert ein Geistlicher aus Gewissensgründen die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares, muss er den Dekan informieren. Der wiederum muss das Paar dann an einen anderen Pfarrer vermitteln.

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat im Januar 2016 die völlige Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern und verheirateten Paaren beschlossen. Die Trauung der Homo-Paare ist eine offizielle Amtshandlung, die in die gleichen Kirchenbücher eingetragen wird wie bei heterosexuellen Ehepaaren. Wenn Pfarrer oder Kirchengemeinden die Trauung "aus Gewissensgründen" ablehnen, muss eine andere Gemeinde gefunden werden. Eine bereits früher erfolgte Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares kann nachträglich als Trauung anerkannt und eine amtliche Bescheinigung darüber ausgestellt werden.

Mit ihrer Synode im April 2016 hat sich auch die Evangelische Landeskirche in Baden zur Anerkennung der "Gleichwertigkeit gleichgeschlechtlicher Liebe, Sexualität und Partnerschaft" bekannt. Gleichgeschlechtliche Paare können sich in einem öffentlichen Gottesdienst trauen lassen. Der Gottesdienst soll entsprechend einer Trauung gefeiert und als Amtshandlung in das Kirchenbuch eingetragen werden. Zuvor waren nur Segnungen in privatem Rahmen außerhalb von Gottesdiensten zugelassen. Sollte ein Pfarrer oder eine Pfarrerin die Trauung eines homosexuellen Paares ablehnen, sollen Dekanin oder Dekan eine andere Person damit beauftragen.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat auf ihrer Frühjahrssynode 2016 ebenfalls beschlossen, Gottesdienste zur Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren ab Juli 2016 den Traugottesdiensten für Ehepaare liturgisch und rechtlich gleichzustellen. Begründete Ausnahmen aus Gewissensgründen bleiben für Pfarrer und Gemeinden jedoch möglich. Zuvor waren seit 2002 Segnungsandachten für gleichgeschlechtliche Paare möglich, die sich jedoch von klassischen Traugottesdiensten für Ehepaare unterscheiden sollten.

Die Nordkirche hat auf ihrer Herbstsynode 2016 beschlossen, dass Segnungen (die Bezeichung bleibt so - wie in Hessen-Nassau) in öffentlichen Gottesdiensten stattfinden. Eine Segnung gilt als kirchliche Amtshandlung und ist in ein Kirchenbuch einzutragen. Lehnt eine Pastorin nach Beratung im Kirchengemeinderat eine Segnung im Gottesdienst ab, informiert sie den zuständigen Propst, der dann für Ersatz sorgt. Schon seit 2014 waren Segensgottesdienste für homosexuelle Paare in der Nordkirche nach einer alten Regelung der früheren nordelbischen Kirche möglich, wenn Gemeinde und Propst dies befürworteten. Diese Segnungen können noch drei Jahre lang nachträglich in die Kirchenbücher eingetragen werden.

Öffentlicher Gottesdienst

In der evangelischen Kirche von Westfalen können sich gleichgeschlechtliche Paare nach dem Beschluss der Landessynode im November 2014 in einem öffentlichen Gottesdienst segnen lassen. Bislang war nur eine nicht-öffentliche Andacht möglich. Nun soll die Segnung auch in einem eigenen Register der Gemeinde dokumentiert werden. Der Gottesdienst soll typische Elemente einer Trauung enthalten, ist aber keine Amtshandlung und darf nicht Trauung heißen.

Im November 2014 beschloss auch die Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, homosexuelle Paare künftig öffentlich in Gottesdiensten zu segnen. Auch ein gegenseitiges Versprechen und der Ringtausch sind dann möglich. Pastoren können sich aus Gewissensgründen weigern, die Segnung selbst vorzunehmen und sie an eine andere Gemeinde abgeben.

Im Herbst 2015 beschloss die Synode der Lippischen Landeskirche, dass sich homosexuelle Partner künftig in einem öffentlichen Gottesdienst segnen lassen können (in den zehn lutherischen Gemeinden der lippischen Kirche war das auch vorher schon möglich). Die Segnung wird in einem eigenen kirchlichen Verzeichnis dokumentiert. Pfarrer oder Gemeinden haben allerdings das Recht, eine solche Segnung zu verweigern. In diesem Fall soll der Superintendent einen anderen Pfarrer beauftragen.

Auch in der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem öffentlichen Gottesdienst möglich. Pfarrerinnen können auch hier nicht dazu gezwungen werden. Wird die Segnung vorgenommen, ist sie zu dokumentieren - zwar nicht im Kirchenbuch, da sie keine offizielle Amtshandlung ist, aber in einem Verzeichnis, das laut einer Sprecherin "ähnliche Dinge abfragt".

Die Evangelische Kirche der Pfalz ermöglicht Gottesdienste, die zwar keine Traugottesdienste, laut einem Sprecher aber "selbstverständlich öffentlich" sind. Für diese gibt es eine "Gottesdienst-Begleitung für Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben". Hat ein Pfarrer Gewissenskonflikte, kann er nicht zu einer Segnung gezwungen werden. Nach der Entscheidung der Evangelischen Kirche im Rheinland, Lebenspartner wie Eheleute zu trauen, sieht sich die pfälzische Kirche als Nachbarin unter Zugzwang, denn Paare aus der Pfalz dürfen sich auch im Rheinland trauen lassen. Die Trauung wird dann ins Kirchenbuch ihrer Pfälzer Heimatkirchengemeinde eingetragen. Nun müsse die kirchenrechtliche Frage geklärt werden, ob das auch für gleichgeschlechtliche Paare gilt, sagte Pressesprecher Wolfgang Schumacher. Falls nicht, wäre das die erste Amtshandlung, die von einer anderen evangelischen Landeskirche nicht anerkannt würde.

Auch in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands findet die Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst statt. Gemeindekirchenräte und Pfarrer entscheiden selbst, ob sie eine Segnung mit ihrem Gewissen und ihren biblisch-theologischen Überzeugungen vereinbaren können. Ist das nicht der Fall, sind sie angehalten, Paare an eine Kollegin oder einen Kollegen zu verweisen.

Betonung des Unterschieds

Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hat im Oktober 2016 überraschend beschlossen, dass "Segnungen von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft im Einzelfall auch im Gottesdienst möglich sind, sofern Pfarrerinnen und Pfarrer sich hierzu bereit erklären", und zwar nach einer Beratung im Kirchenvorstand. Allerdings besteht die Kirchenleitung auf dem Unterschied: "Diese gottesdienstliche Segenshandlung versteht sich nicht als Trauung, sondern als Segnung." Die Kirchgemeinden machen Segnungen in einem eigenen Register aktenkundig. Bisher waren Segnungen in Sachsen nur im Rahmen der Seelsorge möglich, also nicht in öffentlichen Gottesdiensten.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Oldenburg ermöglicht Segnungsgottesdienste bereits seit 2004, allerdings unter zwei Voraussetzungen: Es müsse deutlich werden, dass nicht eine Partnerschaft gesegnet, sondern zwei Menschen Segen zugesprochen werde. Außerdem müsse "eine Verwechselbarkeit mit der Trauung ausgeschlossen werden", heißt es in der entsprechenden Handreichung, weshalb es kein Trauversprechen, keinen Ringtausch und keinen Eintrag ins Kirchenbuch gibt. "Ob Menschen, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, gottesdienstlich begleitet werden, liegt im seelsorgerlichen Ermessen und der Verantwortung des einzelnen Pfarrers und der einzelnen Pfarrerin."

Auch die Bayerische Landeskirche betont diesen Umstand: "In Bayern muss die Segnung unterscheidbar sein von Trauung zwischen Mann und Frau", sagte ein Sprecher. Segnungen sind in Andachten oder Gottesdiensten im seelsorgerlichen Rahmen möglich. Der Pfarrer vor Ort entscheidet mit dem Paar über die Umsetzung.

Ähnlich in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig: Hier ist von einem "Akt der Seelsorge als nicht-öffentlichem Event" die Rede, das "nicht mit einer Trauung verwechselbar" sein darf. Segnungen sind im Rahmen einer Andacht oder eines Gottesdienstes möglich. Ob eine solche Segnung erfolgt, liegt im Ermessen des Pfarrers in Abstimmung mit dem jeweiligen Kirchenvorstand.

In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe sind Segnungen im persönlichen Rahmen möglich, falls ein Pastor oder eine Pastorin dazu bereit ist, aber nicht als öffentlicher Gottesdienst mit Glockengeläut. Die Landessynode hat indes einen Beratungsprozess in Gang gesetzt, wie die Landeskirche künftig mit diesem Thema umgehen will.

Die Gemeinde entscheidet

"Getreu reformierter Prinzipien wird das auf Gemeindeebene entschieden", teilte Ulf Preuß, Pressesprecher der Evangelisch-Reformierten Kirche mit. Bis zum Frühjahr 2014 hatten 15 von 145 Gemeinden beschlossen, Segnungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften anzubieten. Nach einer Synode zum Thema "Familie und Zusammenleben" im März 2014 kamen zehn weitere Gemeinden dazu, obwohl die Synode keine Empfehlung formuliert hatte. Viele reformierte Kirchengemeinden haben sich bislang nicht mit dem Thema beschäftigt, weil bei ihnen noch keine Paare angefragt haben.

Die Bremische Evangelische Kirche ist der in der Landesverfassung verankerten Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit verpflichtet. "Das bedeutet, es gibt bei uns alle Spielarten, denn die Gemeinden entscheiden autonom", erklärte Sprecherin Sabine Hatscher. Es gibt also sowohl Gemeinden, die öffentliche Segnungen und gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus gestatten, als auch solche, die beides verbieten. Segnungen werden als Amtshandlung in ein gesondertes Kirchenbuch eingetragen.

In der Evangelischen Landeskirche Anhalts sind Segnungen sind in einem Gottesdienst möglich. Die Entscheidung darüber treffen der jeweilige Gemeindekirchenrat und das Pfarramt. Bei Unstimmigkeiten wird der zuständige Kreisoberpfarrer einbezogen.

Bewusst ohne Regelung

In der Evangelischen Kirche in Württemberg sind Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare offiziell nicht möglich. Gleichwohl gibt es immer wieder Gemeinden, die Segnungen vornehmen. Die "Initiative Regenbogen" setzt sich öffentlich dafür ein.

 

Dieser Text wird mit den Synodenbeschlüssen laufend aktualisiert. Letzte Aktualisierung am 19.10.2016 (Sachsen).
Die Kommentarfunktion wurde am 27.9.2016 geschlossen.

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