"Jewrovision" trotzt gesellschaftlichem Gegenwind

Gewinner des Jewrovision-Wettbewerbs 2026: JuJuBa.
Gregor Matthias Zielke
Die Gewinnerin des Jewrovision-Wettbewerbs 2026 ist die Gruppe JuJuBa aus Baden.
Jüdische Jugendzentren im Wettbewerb
"Jewrovision" trotzt gesellschaftlichem Gegenwind
Für die jüdischen Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist es der Höhepunkt des Jahres: Die Jewrovision, bei der die Jugendzentren in einem Wettbewerb gegeneinander antreten.

Das Jugendzentrum "JuJuBa" des Landesverbands Baden hat am Freitag in Stuttgart den jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb "Jewrovision" gewonnen. Damit setzte sich die Gruppe, die auch den Preis für den besten Gesang erhielt, gegen zwölf weitere jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland durch, teilte der Zentralrat der Juden in Deutschland am Freitagabend mit. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Jugendzentren "Olam Berlin" sowie "We.Zair Westfalia" des Landesverbands Westfalen-Lippe.

Die Jewrovision, die sich am Vorbild des Eurovision Song Contest (ESC) orientiert, ist nach eigenen Angaben das größte jüdische Jugendevent in Europa und stand dieses Jahr unter dem Motto "Voices of Hope". Es treten jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland gegeneinander an. Monatelang trainieren sie für ihren Auftritt, interpretieren Songs neu, mit eigenem Text, eigener Choreografie, eigenem Gesang. Die Gewinner aus Baden widmeten sich in ihrer Performance zu "We Ride On" dem Thema der gemeinsamen Reise ins Licht und der unerschütterlichen jüdischen Einheit.

Gesellschaftlicher Gegenwind "spürbar rauer"

"Der gesellschaftliche Gegenwind weht uns spürbar rauer ins Gesicht", sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster laut Mitteilung. In solchen Momenten sei die Versuchung groß, sich zurückzuziehen und sich unsichtbar zu machen. Doch das Gegenteil sei bei dem Wettbewerb der Fall: "Ihr greift heute Abend zum Mikrofon, um euren verdienten Platz in der Mitte der Gesellschaft lautstark einzunehmen", sagte Schuster.

Zentralatspräsident Dr. Josef Schuster am Rednerpult beim Jewrovision 2026 in Stuttgart.

Der Preis für das beste Video ging an das Jugendzentrum "Neshama München". Die Auszeichnung für den besten Text teilten sich die Jugendzentren "Emet Nürnberg feat. Am Echad Bayern" und "Jachad Köln & Lavanah Aachen". Der Preis für die beste Performance wurde an "We.Zair Westfalia" übergeben und "Amichai Frankfurt" wurde für das beste Bühnenbild prämiert. Special Guest war die israelische Sängerin Noa Kirel, die den dritten Platz beim Eurovision Song Contest 2023 erreichte. Eine prominent besetzte Jury entschied über die Gewinner.

Die "Jewrovision" wird seit 2013 vom Zentralrat der Juden organisiert und fand erstmals in Stuttgart statt. Schirmherrin ist dieses Jahr unter anderem Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU). Zu dem bisher größten Wettbewerb der Jewrovision-Geschichte kamen rund 2.700 Zuschauer.

Jewrovision ist wie ein Familientreffen

Das Event ist in ein mehrtägiges jüdisches Jugendcamp eingebettet. Für Boris Karasik vom Stuttgarter Jugendzentrum "HaLev" ist die Jewrovision wie ein Familientreffen. "Es ist aktiv gelebte Jüdischkeit mitten in Deutschland", sagte er im Gespräch mit dem epd vor dem Wettbewerb. "An diesem Wochenende denken wir nicht so viel an alles, was in der Welt gerade passiert, sondern wir sind einfach froh, zusammen Schabbat und dieses Event zu feiern und uns wiederzusehen." Die kommende Jewrovision 2027 wird in Nürnberg ausgetragen.