Jiddisch sollte Minderheitensprache sein

Michael Blume vor der Synagoge in Ulm

© Stefan Puchner/dpa

Der Antisemitismusbeauftragte Michael Blume wünscht sich, dass der neu gewählte Bundestag das Jiddische als Minderheitensprache anerkennt.

Beauftragter fordert
Jiddisch sollte Minderheitensprache sein
Der Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung gegen Antisemitismus, Michael Blume, hat sich dafür ausgesprochen, Jiddisch als Minderheitensprache anzuerkennen.

Es wäre ein schönes Zeichen, wenn der neu gewählte Bundestag mit einem Beschluss das Jiddische ähnlich wie beispielsweise Sorbisch als Minderheitensprache anerkenne, sagte er in einem Grußwort zum Auftakt der Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart am Montagabend.

Noch heute behaupte die Bundesrepublik Deutschland, Jiddisch sei keine deutsche Sprache und das aschkenasische Judentum sei kein Teil des deutschen Volkes. Dies habe rechtliche Folgen: So seien jüdische Zugewanderte aus der früheren Sowjetunion im Staatsbürgerschaft- und Rentenrecht schlechter gestellt als Spätaussiedler aus den gleichen Regionen, die als "deutsch" anerkannt werden, kritisierte Blume.

Bislang schützt Deutschland nur Dänisch, Sorbisch, Friesisch, Romanes und Niederdeutsch. In der Schweiz ist Jiddisch bereits als "nichtterritorial gebundene Sprache" anerkannt.

Ältestes erhaltenes schriftliches Zeugnis eines ganzen Satzes auf Jiddisch aus dem Wormser Machsor von 1272. Die Buchstaben sind identisch mit den hebräischen Schriftzeichen.

Mehr zu Judentum
Mittelalterliche "Judensau" Schmähplastik an der Stadtkirche St. Marien
Der Streit um eine judenfeindliche Schmähplastik in Wittenberg geht weiter. Nach der Niederlage vor dem Bundesgerichtshof will der Kläger Dietrich Düllmann jetzt vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.
Ein orthodoxer Jude läuft an einem zerrissenen Plakat vorbei
Auch orthodoxe Juden tun sich schwer, gegen sexualisierte Gewalt ­vorzugehen. Die Psychologin Shana Aaronson begleitet Betroffene in Israel.