TV-Tipp: "Grump"

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24. April, Arte, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Grump"
Der verschrobene und weltfremde Titelheld macht sich gemeinsam mit seinem Bruder von Finnland auf den Weg nach Deutschland, um dort ein Auto zu kaufen. Auftakt für eine Reihe von Abenteuern. Das Roadmovie von Mika Kaurismäki hat Kultstatus.

"Mielensäpahoittaja" könnte alles Mögliche heißen und wäre hierzulande ein echter Zungenbrecher, also hat der Verleih dem finnischen Titelhelden dieser herrlich verschrobenen Tragikomödie von Mika Kaurismäki kurzerhand den Namen "Grump" gegeben. Das englische Adjektiv "grumpy" ist die perfekte Bezeichnung für mürrische alte Männer. Als deutsches Pendant würde sich Grantler anbieten, und das käme dem notorischen Leserbriefschreiber, dem der vielfach ausgezeichnete finnische Autor Tuomas Kyrö mittlerweile drei Romane gewidmet hat, in der Tat recht nahe.

Als Filmfigur hat Kyrö den Griesgram jedoch gemeinsam mit Koautorin Daniela Hakulinen etwas umgestaltet. Der Titelheld erinnert nun eher an den bei Groß und Klein überaus beliebten alten Pettersson aus den Kinderbüchern von Sven Nordqvist ("Pettersson und Findus"), zumal auch Grump mit einer Katze zusammenlebt.

Ein und Alles des Alten ist jedoch sein roter Ford Escort, Baujahr 1972, und so beginnt die Geschichte auch: Grump, um die achtzig, fährt mit seinem Auto versonnen durch die Gegend und sieht zwei Jungs durch ein Getreidefeld laufen. Wenn sie erst mal groß sind, versichern sich die beiden Brüder gegenseitig, dann werden sie’s ihrem strengen Vater schon zeigen. Kurz drauf rennen sie dem Mann beinahe vors Auto, er reißt das Lenkrad ’rum.

Die ärztliche Untersuchung ergibt keinerlei Folgeschäden, aber das Auto sei nicht mehr zu retten gewesen, versichern seine Söhne, daher haben sie es verschrottet. Der Alte ist untröstlich, aber sein Nachbar weiß Rat: In diesem Internet findet sich doch alles, was das Herz begehrt, und prompt entdeckt er ein baugleiches Fabrikat, ebenfalls in Rot, allerdings in Deutschland. Also fährt Grump mit seinem Trecker zur Bank, hebt 22.500 Euro ab und reist nach Hamburg, wo er prompt in die Hände von Wegelagerern fällt. Als er im Krankenhaus wieder aufwacht, blickt er in das Gesicht seines älteren Bruders Tarmo; und jetzt geht der Film erst richtig los.

Gemeinsam mit Bruder Aki hat Mika Kaurismäki den europäischen Blick aufs finnische Kino geprägt: Die Figuren wirken gern kauzig, die Geschichten sind oft schräg, aber die Filme sind immer sehenswert. Das gilt auch für "Grump", zumal die Handlung mehrfach ihr Vorzeichen wechselt: mal komisch, mal tragisch, mal Drama, mal Roadmovie.

Parallel zu den beiden Alten, die sich ewig nicht mehr gesehen haben, finden im einstigen Elternhaus auch Grumps Söhne wieder zueinander. In einer Scheune entdecken sie eine uralte Jawa, mit der ihr Vater einst Europa entdecken wollte, aber dann kam wegen Tarmo alles anders. Derweil machen sich die alten Brüder (Heikki Kinnunen, Kari Väänänen) mit Tarmos gleichfalls in die Jahre gekommenen Wohnmobil auf den Weg, um den Escort zu kaufen.

Wie alle Reisefilme ist auch "Grump" episodisch konzipiert, weil die Brüder mehrere Stationen ansteuern. Im Casino füllen sie erst mal die Reisekasse wieder auf, dann reisen sie Richtung Rheinland; passend dazu erklingt neben diversem rockigem finnischen Liedgut auch der BAP-Klassiker "Verdammp lang her".

Weil der Autohändler (Jochen Nickel) angesichts der Barzahlung mehr Geld haben will, überlassen ihm die Brüder das Wohnmobil als Pfand und fahren mit dem Ford weiter; diverse Abenteuer haben unter anderem eine Nacht im Polizeigewahrsam zur Folge. Im Verlauf der Fahrt stellt sich auch raus, warum die zwei, bei denen es sich natürlich um die Jungs aus dem Prolog handelt, so lange keinen Kontakt mehr hatten.

Das ist die dramatische Ebene des Films, zumal Tarmo einen lebensbedrohlichen Herzfehler hat, sich aber nicht operieren lassen will. Außerdem gibt es da noch eine Tochter, die in Magdeburg lebt, aber auch diese Beziehung ist in die Brüche gegangen, denn Maria will nichts mehr mit ihrem Vater zu tun haben, weil er sie und ihre Mutter einst verlassen hat. Da der Bruder dafür sorgt, dass sich die beiden wiedersehen, hat Rosalie Thomass einige hübsche Szenen; für den Film hat sie sogar ein paar Brocken Finnisch gelernt.

Für Heiterkeiten sorgen unter anderem die Konfrontationen mit der Sprachbarriere. Der Effekt bleibt aufgrund der akustischen Eindeutschung zwar zwangsläufig etwas auf der Strecke, aber immerhin sprechen die ansonsten vorzüglich synchronisierten Brüder bei Begegnungen mit Deutschen untereinander ausnahmsweise Finnisch. Außerdem streut das Drehbuch immer wieder Momente ein, die Grumps Weltfremdheit karikieren, etwa bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Tampere oder bei seiner Ankunft in Hamburg, wo ihn ein Taxifahrer, der nur "Escort" versteht, ins Bordell fährt. Der spezielle Humor des Films erinnert ohnehin an "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand".