Bayerns Kirche ordnet ihre Medienarbeit neu

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Es geht um die Zukunft der evangelischen Publizistik in Bayern.
Neuanfang oder Kahlschlag?
Bayerns Kirche ordnet ihre Medienarbeit neu
Die angekündigte Streichung der Mittel für den Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) von der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) sorgen für große Unruhe in der Medienlandschaft. evangelisch.de sprach mit dem Direktor des Medienhauses EPV, Dr. Roland Gertz, und mit dem Landesbischof Christian Kopp.

Wie der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) beschlossen habe, soll der Zuschuss von 2,6 Millionen Euro an das bayerische Medienhaus zum Jahresende weitgehend gestrichen werden, erklärt Roland Gertz, Direktor des Evangelischen Presseverbands für Bayern (EPV). Diese Nachricht traf die Mitarbeiter:innen des EPV wie ein Schlag und löste große Bestürzung aus. Bis zu 50 Arbeitsplätze seien im EPV davon betroffen. Zugleich habe die ELKB angekündigt, die gültige Grundvereinbarung zwischen Landeskirche und Medienhaus zum Jahresende 2026 einseitig zu kündigen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) begründet den Schritt mit der Notwendigkeit, sich "auf veränderte finanzielle und mediale Rahmenbedingungen" einzustellen.

Nur der Evangelische Pressedienst (epd), Landesdienst Bayern, soll weiterhin sicher finanziert werden, so Gertz. "Wenn von 2,6 Millionen Euro am Ende nur noch 20 oder 30 Prozent übrig bleiben, entspricht das einer Kürzung von rund 70 Prozent. Das ist ein Paukenschlag, und das macht uns fassungslos. Deshalb protestieren wir." Gertz warnt: "Sollte sich diese Linie durchsetzen, wäre das verheerend – für die evangelische Publizistik insgesamt und besonders für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Der gesamte Evangelische Presseverband stehe vor einer ungewissen Zukunft, sagt Gertz.

Besonders bedroht sind alle Bereiche des EPV, die sich nicht selbst tragen können. Dazu zählen die Radio- und Fernseharbeit in privaten Medien in Bayern sowie das Portal "Sonntagsblatt.de" und die Online- und Social-Media-Angebote. "Diese erreichen ein Millionenpublikum, können aber ohne Zuschüsse nicht überleben", betont Gertz.

PR statt kritischem Journalismus?

Gertz sieht eine gefährliche Verschiebung. Wenn die Kirche künftig vor allem auf ihre eigene Pressestelle setzt, gehe das auf Kosten unabhängiger journalistischer Berichterstattung. "Beides sind wichtige Säulen. Doch es ist falsch, die eine zu stärken und die andere zu schwächen", sagt Gertz. Er argumentiert: "Will die Kirche heute in der Gesellschaft, bei Mitgliedern wie bei Ausgetretenen, glaubwürdig kommunizieren, reicht es nicht, nur über PR-Kanäle zu sprechen, die immer nur eine bestimmte Zielgruppe erreichen. Ohne journalistische Kanäle verlieren wir Reichweite und Glaubwürdigkeit. Und wir berichten nicht nur Positives, sondern auch kritisch." Dabei betont er: "Natürlich steht für uns die Grundsolidarität mit der Kirche außer Frage. Aber Kirche sollte sich nicht wie ein Unternehmen präsentieren, bei dem alles immer ‚super, super, super‘ ist."

Seit zwei Jahren gibt es den "Campus Kommunikation" in Bayern, der die Kommunikations- und Medienarbeit der Landeskirche bündelt. Dort arbeiten unter einem Dach der EPV, die Pressestelle der ELKB sowie das Team der Rundfunkbeauftragten. "Mit großem Engagement haben wir den Campus in den letzten zwei Jahren aufgebaut. Das war Innovation, das war zukunftsorientiert", beschreibt Gertz. Deshalb sei es für den EPV nicht nachvollziehbar, dass dieses Modell jetzt abrupt ende und eine neue Konzeption entstehen solle.

Gertz fordert nun drei Dinge: Erstens, den angebotenen Gesprächsfaden schnell aufzunehmen. Zweitens, den Beschluss über die Kürzungen zum Jahresende zu verschieben oder aufzuheben. Und drittens: "Erst eine neue Grundvereinbarung abschließen, bevor die jetzige gekündigt wird. Wir brauchen Planungssicherheit über den 1. Januar 2027 hinaus – und das muss jetzt schnell gehen. Wir sind bereit."

"Unglücklich über die Art und Weise"

Landesbischof Christian Kopp sieht die Lage anders. Er zeigt sich "unglücklich über die Art und Weise, wie der Evangelische Presseverband das darstellt". Die Finanzierung werde weiterhin für den epd Landesdienst Bayern sowie für die öffentlich-rechtliche und private Rundfunkarbeit gesichert. "Diese und auch andere sind wichtige Säulen der evangelischen Publizistik", so Kopp.

Der Bischof betont, man stehe seit etwa vier Jahren im intensiven Dialog mit dem EPV darüber, wie die kirchliche Kommunikation zukunftsfähig aufgestellt werden könne. In den 2024 gegründeten "Campus Kommunikation" habe man große Hoffnungen gesetzt und sehr viel Arbeit investiert. "Wir haben aber jetzt in diesen zwei Jahren gemerkt, dass die Ziele, die sich dieser Campus gegeben hat, nicht so zum Tragen gekommen sind, wie wir sie projektiert hatten", sagt Kopp. Er zieht die Schlussfolgerung: "Das war eine gute Idee, ist aber leider nicht Wirklichkeit geworden, deshalb brauchen wir jetzt eine neue Idee." Daher sei die Grundvereinbarung mit dem EPV, "der übrigens ein eigenständiger Verband ist", gekündigt worden.

Kopp unterstreicht, dass es künftig in der Medienarbeit stärker um Wirkung gehen müsse: "Wir wollen stärker in Publizistik investieren, die wirkliche Nachfrage hat." Man habe lange, "aus unserer Sicht zu lange, an Dingen aus der Vergangenheit festgehalten und zu wenig investiert in das, was in die Zukunft führt", sagt Kopp.

Stärkere Digital- und Synergieorientierung

Der Rückgang der klassischen Kirchenpresse sei ein Fakt, sagt Kopp: "Wo kommen da eigentlich die Ideen, wie das in Bayern in Zukunft sein wird? Darauf warten wir seit zwei Jahren. Was ist die Zukunft bei der evangelischen Kirchenpresse?", fragt Kopp. Evangelische Kirchenpresse sei wichtig. "Aber das Sonntagsblatt hat einen unglaublichen Rückgang in den Abo-Zahlen. Wo ist die neue Idee?" 

Über künftige Medieninhalte sagt Kopp: "Ich wünsche mir viel Diversity, ob Hörfunkarbeit, Fernseharbeit, Podcastarbeit, Social-Media-Arbeit. Ich wünsche mir viele Synergien, viele Verbindungen, dass die Kolleginnen und Kollegen sich möglichst gut anregen." Heute gäbe es in der digitalen Welt andere Herausforderungen als früher. "Und diesen Herausforderungen müssen wir uns auch als Kirche stellen, und wollen wir uns auch als Kirche stellen", so Kopp.

Verschiebt sich damit die evangelische Publizistik von unabhängiger Berichterstattung hin zu einer kontrollierten Kommunikation? Diesen Vorwurf weist Christian Kopp entschieden zurück: "Wir sind eine evangelische Landeskirche. Bei uns arbeiten Menschen unabhängig." Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern wolle, dass Pfarrerinnen und Pfarrer, dass Mitarbeitende eigenverantwortlich kommunizieren. "Es wäre niemals in unserem Sinne, gelenkte Publizistik zu machen", sagt Kopp.

Die Wahrnehmungen gehen auseinander: Während der EPV sich von den Ereignissen überrollt fühlt, spricht der Landesbischof von jahrelangen Gesprächen und "einer Unzufriedenheit mit der Zusammenarbeit". Christian Kopp fragt auch, ob eine externe Beauftragung sinnvoll sei. "Vielleicht ist es auch nicht mehr an der Zeit, dass eine Landeskirche einen externen Verband beauftragt, bestimmte Dinge zu tun. Was in der Vergangenheit der richtige Weg war, ist es in der Gegenwart vielleicht nicht mehr."

Wie geht es weiter?

Die Synode beschließt in der Evangelischen Kirche den Haushalt. Landeskirche und evangelischer Presseverband in Bayern sind sich einig: Jetzt sollen Gespräche miteinander geführt werden. "In unserer Pressemitteilung der Landeskirche vom Freitag steht ja", so Gertz, "dass die evangelische Publizistik weiterhin Bestandteil der kirchlichen Arbeit sein soll. Auf diese Aussage, auf diese Zusage vertrauen wir. Auf dieser Grundlage wollen und werden wir Gespräche mit der Landeskirche führen, damit die geplanten Zuschusskürzungen zum Jahresende nicht zum Aus der evangelischen Publizistik führen."

Auch Landesbischof Christian Kopp verspricht:  "Wir setzen jetzt auf viele Gespräche." Man stelle sich der Verantwortung für die Mitarbeitenden des EPV. Kopp stellt noch einmal klar: "Die Publizistik wird auf jeden Fall weitergeführt. Dass sie eingestellt wird, hat keiner behauptet." Radio, Fernsehen und der epd Landesdienst Bayern seien wichtige Säulen. Das werde weiter geführt. Alles andere müsse sich an Wirkung und Kosten messen lassen.

Kopp schließt mit einem Appell: "Jetzt müssen die Fachleute miteinander sprechen. Mir geht es darum, dass Menschen mit Lust und Freude an dieser Neuausrichtung der Kommunikation dranbleiben. Alles was dem dient, das unterstütze ich."