Hunderte demonstrieren beim "Marsch für das Leben"

Teilnehmende der Gegenproteste zum "Marsch fuer das Leben" in Berlin 2026 halten Transparente in die Höhe: "Mein Körper - meine Entscheidungen"
epd-Bild/Hans Scherhaufer
Teilnehmende der Gegenproteste zum "Marsch für das Leben" in Berlin riefen zur Legalisierung von Abtreibungen auf.
Streitthema Abtreibung
Hunderte demonstrieren beim "Marsch für das Leben"
Der "Marsch für das Leben" von Abtreibungsgegnern zog in Berlin und Köln Unterstützer und Kritiker an. In der Domstadt kamen weniger Teilnehmende als erwartet.

Hunderte Abtreibungsgegner sind am 19.9. in Berlin und Köln auf die Straße gegangen. In der Bundeshauptstadt nahmen der Polizei zufolge mehrere Hundert Menschen am "Marsch für das Leben" teil. Die Veranstaltung des Bundesverbands Lebensrecht richtete sich unter anderem gegen Schwangerschaftsabbruch und assistierten Suizid.

Die Teilnehmendenzahlen einer Gegendemonstration für reproduktive Rechte bewegten sich nach Polizeiangaben im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Veranstaltungen verliefen demnach störungsfrei.

Auch in Köln beteiligten sich sowohl am "Marsch für das Leben" als auch an der Gegendemonstration unter 1.000 Menschen, sagte eine Polizeisprecherin dem Evangelischen Pressedienst. Zu den Kundgebungen waren je bis zu 3.000 Teilnehmende erwartet worden.

Gegenbewegung fordert Recht auf Abtreibung

Der "Marsch für das Leben" findet seit 2002 jährlich in Berlin statt. Er ist laut dem Verband Lebensrecht die "größte deutsche Pro-Life-Veranstaltung". In Köln gibt es die Demonstration seit 2023. Die Verbands-Vorsitzende Alexandra Linder argumentierte, die Demokratie sei in Gefahr, "wenn man versucht, vorgeburtliche Kinder aus dem Menschsein herauszudefinieren". Sie sprach sich zudem gegen Leihmutterschaften aus.

Die feministische "Pro Choice"-Bewegung, die die Gegendemonstrationen organisiert, setzt sich für sexuelle Selbstbestimmung, die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen sowie die Abschaffung des Paragrafen 218 ein. Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hatte vorab kritisiert, dass religiöse Fundamentalisten und Rechtspopulisten die vollständige Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen forderten und die Vielfalt von Lebensentwürfen ablehnten.

Diskussion um juristische Einstufung

Im Vorfeld der Demonstrationen hatten mehrere katholische Bischöfe und weitere Geistliche die Veranstaltung mit Grußworten unterstützt. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki dankte dem Bundesverband Lebensrecht demnach "für seine beharrliche Arbeit" und den Teilnehmenden für ihren "mutigen Einsatz".

In Deutschland regelt der Paragraf 218 des Strafgesetzbuches (StGB) den Schwangerschaftsabbruch, der grundsätzlich als rechtswidrig eingestuft, unter bestimmten Bedingungen in den ersten zwölf Wochen nach einer Pflichtberatung jedoch straffrei bleibt. Seit Längerem wird diskutiert, Abbrüche in der Frühphase der Schwangerschaft nicht mehr im Strafgesetzbuch zu verbieten, sondern zu entkriminalisieren.