Im vierten Jahr in Folge ist die Zahl der Geburten in Deutschland gesunken und hat den niedrigsten Stand seit 1946 erreicht. Im vergangenen Jahr seien nach vorläufigen Ergebnissen rund 654.300 Kinder geboren worden, teilt das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit.
Das seien 3,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor gewesen, als 677.117 Neugeborene das Licht der Welt erblickten. Die Zahl der Sterbefälle von rund 1,01 Millionen überstieg die Zahl der Geburten 2025 den Angaben nach um etwa 352.000. Das sei das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit, erklärt das Bundesamt.
Die niedrigen Geburtenzahlen der vergangenen Jahre ergeben sich den Statistikern zufolge aus zwei Entwicklungen: Es gibt derzeit weniger Frauen, die Kinder bekommen können, weil die zahlenmäßig kleinen 1990er Geburtsjahrgänge in das entscheidende Alter von Anfang 30 kämen. Außerdem sinke seit 2022 die zusammengefasste Geburtenziffer, die angibt, wie viele Kinder eine Frau heute im Durchschnitt bekommt.
Stärkster Rückgang in Mecklenburg-Vorpommern
Wie in den Jahren zuvor sank die Geburtenzahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2025 gegenüber 2024 in den östlichen Bundesländern mit 4,5 Prozent stärker als in den westlichen Bundesländern mit 3,2 Prozent. Unter den Bundesländern verzeichnete nach den vorläufigen Ergebnissen ausschließlich Hamburg einen leichten Geburtenanstieg von 0,5 Prozent. Den stärksten Geburtenrückgang gab es in Mecklenburg-Vorpommern mit 8,4 Prozent.
Einen Rückgang der Geburtenzahlen melden laut vorläufigen Ergebnissen für 2025 auch andere Staaten der Europäischen Union, darunter Frankreich, Österreich, Italien und Schweden, wie das Bundesamt weiter mitteilte. In Spanien, den Niederlanden und Finnland zeichne sich dagegen eine Stabilisierung ab.
Zahl der Abtreibungen sinkt leicht
Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Bundesweit wurden rund 106.000 Abtreibungen vorgenommen, wie das Statistische Bundesamt hinzufügt. Das seien 0,7 Prozent weniger als 2024. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche lag den Angaben nach aber weiterhin über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020, als die Zahl der gemeldeten Fälle zwischen rund 99.000 und 101.000 betragen hatte.
Die Ursachen für die Entwicklung sind laut Bundesamt anhand der Daten nicht zu erkennen. Insbesondere lägen keine Erkenntnisse über die persönlichen Entscheidungsgründe für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung vor. 69 Prozent der Frauen, die 2025 eine Abtreibung vornehmen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. 20 Prozent waren im Alter zwischen 35 und 39 Jahren. Neun Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter, drei Prozent waren jünger als 18 Jahre. 44 Prozent hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch kein Kind zur Welt gebracht.
Meistens kommt Medikament zum Einsatz
96 Prozent der im Jahr 2025 gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der sogenannten Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische Komplikationen oder Vergewaltigungen waren in vier Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch. 2025 erfolgten erstmals die meisten Schwangerschaftsabbrüche, nämlich 45 Prozent, mit dem Medikament Mifegyne, gefolgt von der Absaugmethode (Vakuumaspiration) mit 43 Prozent. Diese war bis 2024 am häufigsten angewendet worden.
Derzeit sind Abtreibungen in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, innerhalb einer bestimmten Frist und nach einer Beratung aber straffrei. Über eine von zahlreichen Abgeordneten geforderte Liberalisierung des Abtreibungsrechts, wonach Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nicht mehr im Strafrechtsparagrafen 218 geregelt werden sollen, hatte der Bundestag in der Anfang 2025 zu Ende gegangenen Legislaturperiode nicht mehr entschieden.




