Wo in der Bibel aus Frauen Männer wurden

eine Lutherbibel
Jens Schulze/Gemeindebrief
Der Umgang mit Überlieferungen, die in der Bibel stehen, hat sich im Lauf der Geschichte verändert.
Bibelforschung offenbart
Wo in der Bibel aus Frauen Männer wurden
Theologen und Computerwissenschaftler haben ein Werkzeug für den Vergleich sämtlicher griechischer Handschriften des Neuen Testaments entwickelt. Damit haben sie Schlüsse zum Umgang mit Frauen in der Textüberlieferung gezogen.

Das Bibelhaus-Erlebnismuseum in Frankfurt am Main zeigt in der Kabinettausstellung "Vergessene Frauen" Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu geschlechtsspezifischen Verzerrungen in neutestamentlichen Texten.

Das Projekt "GenderVarianten digital" eines Teams von Theologen und Computerwissenschaftlern der Universität Rostock, der Hochschule Wismar und der Evangelischen Hochschule Hessen hat einen internetbasierten "TextVariant-Explorer" entwickelt, wie der Wismarer Ingenieur Frank Krüger am Donnerstag in Frankfurt erläuterte. Das Werkzeug könne in allen digitalisierten 831.900 altgriechischen Versvarianten des Neuen Testaments nach Ähnlichkeiten, Unterschieden und Auslassungen suchen.

Die Analyse mit dem Explorer lasse klar die Tendenz erkennen, dass manche Frauennamen im Neuen Testament im Lauf der Textüberlieferung zu Männernamen verwandelt wurden, aber nicht umgekehrt, erklärte der Rostocker Neutestamentler Zacharias Frey-Shoukry.

Benachteiligung von Frauen

Ein Beispiel sei die von Paulus genannte Apostolin Junia (Römer 16,7), die noch im vergangenen Jahrhundert als Junias übersetzt worden war. Unter den aktuellen Übersetzungen nenne die Schlachter-Bibel in Kolosser 4,15 den Mann Nymphas, die Luther-Bibel nach der neuen Forschung die wohl ursprüngliche Frau Nympha.

Die Untersuchung der Überlieferungsgeschichte der neutestamentlichen Texte und ihrer Übersetzungen zeige, dass Geschlechterfragen schon immer Teil der Kultur waren, sagte die Rostocker Neutestamentlerin Soham Al-Suadi. "Wir müssen es aushalten, dass es verschiedene Varianten in der biblischen Überlieferung gibt."

Die vom 29. Mai bis 27. Juni geöffnete Kabinettausstellung zeigt einen Film über die Funktionsweise des "TextVariant-Explorers" und einzelne Exponate, wie eine griechische Evangelien-Handschrift aus dem 13. Jahrhundert oder eine Ikone der in Griechenland lebendigen Junia-Tradition. Verschiedene Ausgaben des griechischen Neuen Testaments lassen in ihrer unterschiedlichen Gestalt der Junia-Stelle im Römerbrief die Entwicklung der Forschung erkennen.