Wie so oft im "Herzkino" des ZDF scheint die erste Szene vorwegzunehmen, wie die Sache knapp neunzig Minuten später enden wird, zumal der Auftakt fast schon abgedroschen ist, denn so beginnen auch die romantischen Dramen aus den "Pilcher"- und "Lindström"-Reihen gern: Die erste Begegnung einer Frau und eines Mannes ist eine Karambolage.
Aber es ist Sommer, Maja hat Urlaub, und es ist ja nicht ihre Brille, die ins Wasser fällt, als sie nach dem Ausstieg aus der Fähre auf dem Landungssteg mit Lorenzo zusammenstößt. Maja (Regula Grauwiller) ist Apothekerin, um die fünfzig, seit zwei Jahren geschieden und kommt ganz gut allein zurecht, hat jedoch zwei heranwachsende Söhne, die ihr das Leben mitunter erschweren.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Der Gatte hat sie wegen einer Jüngeren verlassen, trotzdem verbringt die Familie die Sommerferien zusammen auf Elba. Die "Männer" sind bereits da, haben aber offenkundig wenig Lust auf gemeinsame Unternehmungen: Der jüngere Sohn ist in Bildschirmspiele vertieft, der ältere hat Krach mit seiner Freundin. In der neuen Beziehung von Thorsten (Janek Rieke) kriselt es ebenfalls, außerdem steht er beruflich unter Druck und telefoniert daher ständig mit seinem Chef. Also macht sich Maja allein auf den Weg, und selbstredend lässt der nächste Zusammenstoß mit dem charmanten Lorenzo (Robert Schupp) nicht lange auf sich warten.
Natürlich muss die Sache einen Haken haben, sonst wäre die von Jophi Ries entspannt umgesetzte Handlung allzu spannungsarm. Tatsächlich hütet der gleichfalls geschiedene Lorenzo ein Geheimnis, von dem nur seine Tochter (Emelie Kundrun) weiß. Die offenbar begabte junge Frau möchte gern Journalistin werden und hat sogar eine Stelle in Aussicht, ist jedoch bereit, ihren Traum für den Vater zu opfern.
Für Lorenzo hat sich die "Herzkino"-geschulte Drehbuchautorin Birgit Maiwald, Schöpferin der Sonntagsreihe "Mit Herz und Holly", etwas Besonderes ausgedacht: Der frühere Deutschlandkorrespondent hat nach einem Verrat an den eigenen Idealen seinen Zeitungsjob gekündigt und betreibt nun auf einem vom Onkel geerbten Anwesen einen Campingplatz, allerdings im "Glamping"-Stil. Das Kofferwort steht für glamouröses Camping, weil die Unterkünfte weit mehr als bloß ordinäre Zelte sind.
Tochter Bianca ist ausgebildete Wanderführerin und veranstaltet Exkursionen zur Vogelbeobachtung. Das ist, wie das Leben manchmal so spielt, auch ein Hobby von Maja. Elba ist als Zwischenstation vieler Zugvögel auch in dieser Hinsicht eine Reise wert, naturgemäß allerdings vor allem im Frühjahr und im Herbst; vor allem der Sturmtaucher hat es ihr angetan. Weil Thorsten und die Söhne beim Ausflug keinerlei Interesse an den Sehenswürdigkeiten zeigen, macht sie sich kurzerhand ohne Abschied aus dem Staub und quartiert sich auf dem Campinggelände ein, wo sich bereits allerlei schräge Vögel tummeln.
Die Abendtafel mit sämtlichen Gästen wirkt jedoch in der Tat sehr einladend.
Ries hat gemeinsam mit Kameramann Vladimir Subotic ohnehin dafür gesorgt, dass "Ein Sommer auf Elba" (TV-Premiere war 2021) eine Menge Augenschmaus zu bieten hat. Da Maja begeisterte Fotografin ist, gibt es eine Menge entsprechender Schnappschüsse, oft kurzweilig hintereinander geschnitten; mit den Impressionen ließen sich gleich mehrere Elba-Kalender gestalten. Außerdem kennt sie sich bestens mit Buchführung aus, weshalb sie umgehend und mit Leichtigkeit Ordnung ins Zettelchaos im Büro bringen kann.
Bei der Gelegenheit findet sie zufällig die Ursache für den Schatten heraus, der die Stimmung des ansonsten stets gutgelaunten Lorenzos regelmäßig verdüstert und zudem seine häufigen Missgeschicke erklärt. Maja wiederum ist auch nach zwei Jahren Trennung immer noch dabei herauszufinden, wer sie ohne Thorsten ist.
Der Film ist vor allem wegen des Zusammenspiels der Schweizerin Regula Grauwiller – Regisseur Ries ist ihr Ehemann – und des Badeners Robert Schupp sehenswert, zumal er seine Rolle dank seines Geheimnisses mit einer gewissen unterschwelligen Tragik versehen kann.
Majas Männer sind dagegen gerade zu Beginn als Dauernörgler unnötig überzeichnet. Das ändert sich erst, als der 18jährige Anton zufällig Bianca kennenlernt und der 14jährige Erik seinen Eltern beweisen kann, dass er kein kleines Kind mehr ist. Trotzdem sorgt er gegen Ende für einige Dramatik, als sich während einer von Lorenzo geführten Exkursion ein Steinschlag ereignet. Etwas ärgerlich sind allein die "Herzkino"-typischen permanenten Popsongs; umso schöner ist die größtenteils auf sanfte Klavierklänge reduzierte Filmmusik von Dieter Schleip.



