Kirche sucht Gesprächsfaden zu AfD-Wählern

Fähnchen der AfD steckt in einer leeren Getränkeflasche auf einem Tisch
Harald Tittel/dpa
Die AfD erhielt bei den jüngsten Landtagswahlen viele Stimmen.
Möglichkeit zur Begegnung
Kirche sucht Gesprächsfaden zu AfD-Wählern
In ihren Pfälzer Hochburgen hat die AfD bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl deutlich mehr als 25 Prozent der Stimmen gewonnen. Protestanten suchen nun den Austausch mit deren Wählerinnen und Wählern. So soll es "Verständigungsorte" geben.

Bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl hat vielerorts mehr als ein Viertel der Wählerschaft wie in Pirmasens, Kaiserslautern, Zweibrücken, Germersheim und Ludwigshafen die ultrarechte AfD gewählt. Protestantische Kirchengemeinden suchten nun verstärkt das Gespräch mit AfD-Wählern, um ein friedliches Miteinander in den Kommunen zu fördern, berichten Dekane dem Evangelischen Pressedienst. Aufgabe der Kirche sei es, "Verständigungsorte" aufzubauen und zum gesellschaftliche Zusammenhalt beizutragen.

Selbstverständlich müsse man auch mit AfD-Wählerinnen und -wählern in den Kirchengemeinden irgendwie umgehen, sagt der Pirmasener Dekan Ralph Krieger. "Doch man sucht nicht das Gespräch, man geht sich aus dem Weg", hat er beobachtet. Viele Menschen in den Kirchengemeinden fürchteten die Auseinandersetzung mit Parteigängern der AfD, sagt der Dekan. "Wir kommen aber nicht darum herum." Wenn Mitglieder, Wähler oder Mandatsträger der Partei als Gemeindemitglieder an Veranstaltungen teilnähmen, würden sie" wie alle übrigen 'normalen' Gemeindeglieder behandelt", sagt Krieger.

Die Frage, wie mit weit rechts stehenden Kirchenmitgliedern umzugehen sei, beschäftigt Kirchen deutschlandweit. Die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz hatte im vergangenen November in einer Erklärung die Kirchengemeinden und -bezirke sowie kirchliche Einrichtungen ermuntert, aktiv gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Diese sollten "noch intensiver das Gespräch mit denen suchen, die sich nicht mehr von den demokratischen Parteien vertreten fühlen".

Auch kontroverse Diskussionen ermöglichen

Personen, die den christlichen Werten und dem Auftrag der Kirche widersprächen, dürften aber nicht ehrenamtlich oder beruflich aktiv sein.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst übte im Vorfeld der Landtagswahl in einem Instagram-Beitrag deutlich Kritik an der AfD: Die Partei spreche Menschen ihre Würde ab und habe nichts von christlicher Tradition verstanden, sagte sie.

Zwar seien ihm weder Konflikte noch Begegnungen in Kirchengemeinden mit AfD-Wählern bekannt, sagt der Kaiserslauterer Dekan Richard Hackländer. Spürbar sei in der Stadtgesellschaft allerdings "der Hang zur Polarisierung, Versöhnungswille und Kompromissbereitschaft werden in den Hintergrund gedrängt".

Der Kirchenbezirk beteilige sich an der bundesweiten Initiative #Verständigungsorte der evangelischen Kirche für gesellschaftlichen Dialog und Demokratiestärkung: Das protestantische Gemeindezentrum "Alte Eintracht" solle als Ort für gesellschaftlich kontroverse Diskussionen dienen, Start sei im Juni mit dem Thema "Frieden".

Kein Kontakt im kirchlichen Alltag

Schwierig sei es, Wählerinnen und Wählerinnen der AfD in den Kirchengemeinden bei den Themen Demokratie, Menschenwürde, humane Flüchtlingspolitik oder Rassismus zu erreichen, weiß der Germersheimer Dekan Michael Diener. "Das bleibt ohne Reaktion, wird erwartet und 'so hingenommen'", sagt er. Am Reformationstag (31. Oktober) werde es wieder einen "Verständigungsort" geben. Bei der Diskussion mit Gesprächspartnern gehe es etwa um die Fragen "Was uns heute zusammenhält" oder "Was uns heute Hoffnung gibt".

"Die Kirchengemeinden vor Ort wissen noch nicht richtig, wie sie mit AfD-Wählerinnen und -wählern umzugehen haben", räumt die Zweibrückener Dekanin Silke Gundacker ein. "In unserem kirchlichen Alltagsleben spielen sie eigentlich keine Rolle, weil wir gar nicht wissen, wer diese Partei wählt", sagt sie. Gottesdienste und kirchliche Angebote seien offen für alle, auch zeige man sich dialogbereit. "Leider musste ich schon öfters feststellen, dass diese Menschen gar nicht von ihren festgefügten Vorstellungen und Meinungen abrücken", sagt Gundacker. Dennoch versuche sie, christliche Maßstäbe dagegenzuhalten.