TV-Tipp: "Ein Bergland-Krimi: Tiefe Schluchten"

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17. März, RTL, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Ein Bergland-Krimi: Tiefe Schluchten"
Ein abgebranntes Haus, ein Toter ohne Identität und ein Mord, der wie ein Unfall aussehen soll: Im dritten "Alpentod"-Krimi führen die Ermittlungen tief in die Geheimnisse des oberbayerischen Alpenvorlands. Während Kommissarin Reincke über ihre Zukunft nachdenkt, bringt ausgerechnet eine forensische Archäologin Bewegung in den rätselhaften Fall.

Böse Zungen werden sagen: Lasst sie doch gehen, "Alpentod" wird auch ohne sie funktionieren. Zum letztjährigen Auftakt hat Veronica Ferres der RTL-Reihe aus dem oberbayerischen Alpenvorland eine gewisse Aufmerksamkeit beschert, und in der Tat war die Konstellation nicht uninteressant: hier der ungestüme Jonas Becker, dort die entstaubte Kollegin aus dem Archiv, die sich erst mal wieder dran gewöhnen musste, Teil eines Teams zu sein. Im dritten Film ist Birgit Reincke etabliertes Mitglied und daher eine Kommissarin wie jede andere. Für ein bisschen künstliche Spannung soll deshalb die Frage sorgen, ob sie wirklich in ihre rheinische Heimat zurückkehrt. Den Versetzungsantrag hat sie bereits gestellt, ohne Becker jedoch zu informieren; klar, dass das am Ende für einen mittleren zwischenmenschlichen Eklat sorgen wird, als Becker zufällig von ihren Absichten erfährt. Die Szenen mit Tim Oliver Schultz und Salka Weber als forensische Archäologin aus Salzburg sind allerdings deutlich lebendiger, und das ist nicht nur eine Frage von vergleichsweise jugendlicher Energie. 

Der Fall ist ebenfalls interessant, selbst wenn das Rätsel, das die Ermittlungen auslöst, nicht ganz so mysteriös ist, wie sich Lucas Flasch, Autor des herausragenden Schuldramas "Von uns wird es keiner sein" (ZDF/Arte, 2025) , wohl gedacht hat: Wenn ein Mensch bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist und sich partout keine Proben für einen DNS-Abgleich auftreiben lassen, will womöglich jemand verhindern, dass sich die Identität des Opfers feststellen lässt. Zunächst gibt es jedoch keinen Grund zu bezweifeln, dass es sich um den Bergführer Theo Hölzner handelt. Sein Holzhaus ist bis aufs Fundament abgebrannt, offenbar ist die Gastherme explodiert. Kurz vor seinem Tod hat er Gattin Natalie (Sophie Lutz) verabschiedet und mit seinem Bruder Wenzel (Christoph Luser) telefoniert. Bei der Obduktion stellt sich allerdings ’raus, dass der Tote schon tot war, als ihm das Eigenheim um die Ohren flog: Todesursache war ein Genickbruch; und beim Hausbrand ist auch nachgeholfen worden. 

Wie in den ersten "Bergland-Krimis" sorgt Marie Sonnleitner (Weber) für das Alleinstellungsmerkmal von "Alpentod". Dass der Leiter (Sami Loris) der Kriminaltechnik mehrfach ein eifersüchtiges Kompetenzgerangel anzettelt, weil die junge Professorin in seinen Gefilden wildert, ist angesichts ihrer enormen Kompetenz doch recht unglaubwürdig. Wie sie Schicht um Schicht abträgt, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen, ist äußerst faszinierend. Ihre meteorologischen Schlussfolgerungen haben schließlich zur Folge, dass der gesamte Fall plötzlich in einem neuen Licht erscheint.

Bei einem zweiten Handlungsstrang ist dagegen von vornherein klar, dass es sich um weit mehr als bloß eine Nebenebene handelt, was auch an der Regie liegt. Felix Herzogenrath hat die angebliche LKA-Beamtin aus Düsseldorf auf eine Weise inszeniert, die die Figur mit einem unübersehbaren "Obacht! Falsches Spiel!"-Pfeil versieht: Barbara Brunner (Merle Wasmuth) bittet um Amtshilfe, weil ein vor einigen Tagen zu einer Wanderung aufgebrochener Geschäftsmann aus Ratingen vermisst wird. Derweil ermittelt Kollege Xaver (Marcel Mohab) in einem Fall von Kreditkartenbetrug, außerdem sucht er nach einem spurlos verschwundenen Mietwagen. Natürlich hängt das alles miteinander zusammen, aber wie Flasch die drei Stränge verknüpft hat, birgt tatsächlich die eine oder andere Überraschung.

Landschaft spielt in solchen Produktionen ohnehin eine wichtige Rolle, aber der konkurrenzlose Star des Films ist die Almbachklamm bei Marktschellenberg im Berchtesgadener Land: Die Aufnahmen dieses Naturspektakels inklusive Wasserfall sind äußerst eindrucksvoll. Hier verliert sich die Spur des Urlaubers, hier trägt sich auch das Finale zu. Ansonsten wird wie in den meisten Reihenkrimis recht viel geredet, weshalb eine Szene gleich zu Beginn angenehm lakonisch ist, als Reincke ins Büro fahren will und Kühe den Weg blockieren; inklusive ihrer Reaktion ein treffendes Bild dafür, wie sehr sie nach wie vor mit ihrer bayerischen Wahlheimat fremdelt. Enttäuscht wird auch, wer auf eine Romanze zwischen Becker und Sonnleitner hofft: Sie bekommt Besuch von ihrem Freund Max (Ferdinand Seebacher). Der ist Koch, hat ein Lokal in Wien und will ihr anscheinend einen Antrag machen, was die freiheitsliebende Forensikerin ein bisschen in Panik versetzt. Origineller ist allerdings die Idee, dass die alles andere als elfenbeintürmige Wissenschaftlerin auch Schlösser knacken kann, was ihr und Becker in einer buchstäblich brenzligen Szene das Leben rettet.