Bayerische Posaunenchöre planen Weltrekord

Dutzende Musiker mit Blasinstrumenten
Matthias Schumann/Matthias Schumann
Ende Juli startet ein Marathon der besonderen Art: Mehr als 2000 Bläser:innen wollen einen Rekord aufstellen.
72 Stunden Musik ohne Pause
Bayerische Posaunenchöre planen Weltrekord
Die Nürnberger St.-Jakobs-Kirche wird zum Schauplatz eines einzigartigen musikalischen Ereignisses. 144 Gruppen und 2.000 Bläser:innen wollen mit einem 72-stündigen Musikmarathon nichts Geringeres als einen Weltrekord aufstellen.

Mit einem 72-stündigen Musikmarathon wollen Bayerns evangelische Posaunenchöre im Sommer 2026 einen Weltrekordversuch starten. Vom 30. Juli bis 2. August soll in der wunderschönen Nürnberger St.-Jakobs-Kirche ohne Unterbrechung musiziert werden, teilte der Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern mit.

Die Aktion ist mehr als ein musikalischer Kraftakt. Sie soll die Vielfalt und Reichweite der Posaunenchorarbeit sichtbar machen, die in Bayern nach Verbandsangaben rund 15.000 Bläser:innen in etwa 850 Chören verbindet. "So etwas gab es noch nie", sagt Thomas Engelbrecht, Vizepräsident der bayerischen Posaunenchöre. Er freut sich schon sehr auf das Ereignis, das ihm eine Herzensangelegenheit ist. "Wir erwarten insgesamt 144 Gruppen, angemeldet sind bis jetzt 2.000 Bläser:innen aus ganz Bayern. Die Kirche ist Tag und Nacht offen." Wer das Musikspektakel besuchen und nicht nur zuhören will, kann sein Instrument einpacken und einfach mitspielen.  

Evangelische Posaunenchöre blicken auf eine lange Tradition zurück. Ihre Wurzeln reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. "Wir sind das Rückgrat der Kirchengemeinden", sagt Thomas Engelbrecht. "Wir sind die Heavy Metal Bands der Kirche: lautstark und unüberhörbar", meint er mit einem Lachen. Engelbrecht hofft, mit dieser Aktion vor allem auch junge Mitglieder zu finden, denn den Posaunenchören fehlen genügend junge Bläser:innen. "Dabei machen bei der Aktion im Sommer auch Jungbläser:innen mit", freut sich Engelbrecht. "Die finden das sogar sehr cool."

Die schrumpfenden Mitgliederzahlen bei seinen Musiker:innen will Engelbrecht nicht akzeptieren: "Viele denken, wir spielen nur Choräle, dabei haben wir ein sehr breites Spektrum. Wir machen tolle Musik." Das Repertoire wird in diesem Sinn auch abwechslungsreich sein. "Wir spielen einfache Choräle aber auch Pop, rockig bis getragene Stücke oder einfach nur Schönes wie 'Yellow Mountains'. Schöne Stücke fürs Herz, Volkslieder."

Für den Weltrekordversuch sollen sich Chöre und Ensembles im Wechsel durchgehend in der Kirche, aber auch im Freien ablösen, sodass Tag und Nacht Musik erklingt. "Wir arbeiten in Zeit-Slots, in denen drei Chöre durchspielen. Gesundheitliche Risiken wird es daher nicht geben", so Engelbrecht. Auch Jugendliche, Familien und ältere Bläser:innen sollen gemeinsam beteiligt sein. Der Verband betont damit den generationenübergreifenden Charakter der Arbeit, die in Gottesdiensten, Konzerten, Stadtfesten und bei Trauerfeiern ebenso präsent ist wie bei großen kirchlichen Veranstaltungen.

Die Schirmherrschaft übernimmt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Der feierliche Abschluss ist für Sonntag, 2. August, um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst und gemeinsamem Musizieren geplant.