Schon zum zweiten Mal waren Schlagerfreunde im österreichischen Graz zu einem besonderen Event eingeladen: In der Christuskirche feierten Musikfreunde einen Gottesdienst, bei dem es mal nicht bedächtig zuging. Bis auf den letzten Platz war das Gebäude gefüllt, die Stimmung ausgelassen: So kann eine perfekte Einstimmung in die ESC-Woche auch aussehen.
Dass der außergewöhnliche Gottesdienst viele Menschen bewegt, zeigte sich von Anfang an: Aufgrund der Ankündigung eines Radiosenders am Vortag machten sich Menschen auch aus weiter Entfernung auf den Weg, um mitzufeiern. Etliche Besucher waren zum wiederholten Male dabei, nachdem sie bereits im vergangenen Jahr den ersten Schlagergottesdienst erlebt hatten.
Zwischen der Eurovisionshymne "Te Deum" und dem Schlusslied "Lass die Sonne in dein Herz" wurden ESC-Klassiker gekonnt in Bezug zum Glauben gestellt. Die Botschaft von Paulus aus dem ersten Korintherbrief "Ein Leib und viele Glieder" zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst – musikalisch getragen von der Liebe - "Fly on the Wings of Love" der Olsen Brothers wurden ebenso gemeinsam gesungen.
"70 Jahre Eurovision Song Contest - 70 Jahre, in denen Musik Grenzen überwunden hat. Verschiedene Länder, Kulturen, Identitäten - vereint auf einer Bühne. Das ist genau die Vision von Kirche, die ich habe: Ein Ort, wo jede Stimme zählt, wo niemand ausgeschlossen wird. Ein Leib von Gliedern. Akzeptierend und offen. Das ist nicht nur ein Prädikat. Das leben wir in der Christuskirche. Und der Schlagergottesdienst ist ein guter Rahmen dafür, diese Botschaft singbar zu machen", so Pfarrer Friedrich Eckhardt.
Die Christuskirche hat mit diesem Gottesdienst eindrucksvoll gezeigt: Durch Schlagermusik werden Brücken gebaut. Menschen unterschiedlicher Konfessionen kamen zusammen, ließen sich von den vertrauten Melodien berühren und feierten miteinander über alle Grenzen hinweg Gottesdienst.
"Schlager und Evangelium passen perfekt zusammen. Beide sprechen von dem, was Menschen wirklich bewegt: Sehnsucht und Hoffnung, Liebe und Schmerz, Aufbruch und Ankommen", betont Pfarrer Eckhardt. "Allen Zweiflern zum Trotz: Es gelingt. Mit Schlagermusik können wir Kirche gestalten und das Evangelium verkündigen. Und zwar so, dass es Menschen erreicht, die sonst nicht (mehr) weniger in die Kirche kommen."
Der Erfolg des zweiten Schlagergottesdienstes bestätigt: Nicht nur "Ein Lied kann eine Brücke sein" – wie Joy Fleming 1975 sang – auch Gemeinde und Kirche sind diese Brücke. "Nach dem Erfolg 2025 waren die Erwartungen hoch. Und ich kann sagen: Es hat funktioniert. Die Kirche war voll. Menschen haben mitgesungen und sich willkommen gefühlt", freut sich Pfarrer Eckhardt.
"Manche haben erneut im Vorfeld ihre Zweifel zum ausgedrückt und gefragt: Kann man mit Schlager wirklich Gottesdienst feiern? Kann man mit Eurovision-Songs das Evangelium verkündigen? Meine Antwort: Ja, denn auch diese Musik spricht die Sprache der Menschen. Kirchenmusik ist vielfältig - von Bach bis Schlager. Warum sollten wir uns auf eine Form beschränken? Gott ist größer als unsere Schubladen."
"Bei den ersten Tönen von 'Fly on the Wings of Love' spürte ich: Das ist richtig. Das ist Kirche. Das ist Gottesdienst. Menschen, die zusammenkommen, die singen, die sich berühren lassen von Musik und Botschaft", erzählt Pfarrer Eckhardt. "Ich darf damit zwei Leidenschaften verbinden: die Verkündigung des Evangeliums und meine Liebe zur Schlagermusik. Ich bin mit diesen Liedern aufgewachsen. Udo Jürgens, Nicole, Mary Roos. Und jetzt darf ich diese Musik in den Dienst des Evangeliums stellen. Das ist ein Geschenk."
Viele Besucher waren sich einig: "Wir freuen uns auf den nächsten Schlagergottesdienst!" Und der kommt: Am 23. August 2026 um 10:00 Uhr findet der nächste Schlagergottesdienst in der Christuskirche statt – und wird dann live im österreichischen Fernsehen (ORF III) übertragen.
"Ja, es gab Zweifler. Ja, es gab Fragen: Ist das noch würdig? Ist das noch Gottesdienst? Aber wir haben es zum zweiten Mal gewagt. Und es hat sich gelohnt", resümiert Pfarrer Eckhardt. "Denn Kirche muss den Mut haben, neue Wege zu gehen, um Menschen zu erreichen. Diese Form der Verkündigung hat Zukunft. Und ich freue mich darauf, weiter diese Brücken zu bauen zwischen Musik und Glaube, zwischen Tradition und Moderne, zwischen allen Menschen."




