Die beliebtesten Bücher der Leser:innen

Stapel mit Büchern und Pokal darauf
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Symbolbild
Evangelischer Buchpreis
Die beliebtesten Bücher der Leser:innen
Am 20. Mai wurde Annett Gröschner von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, dem Vorsitzenden des Evangelischen Literaturportals in Nürnberg, der Evangelische Buchpreis 2026 für ihren "Schwebende Lasten" verliehen. Grund genug für das Evangelische Literaturportal Eliport, auch die Preisbücher der vorhergegangenen drei Jahre noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, die von der Jury des beliebten Leser:innenpreises gekürt wurden.

Jedes Jahr wird ein deutschsprachiges  Buch ausgezeichnet, das dazu anregt, über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken. Zum Preisbuch werden darüber hinaus Anregungen zur Arbeit mit dem Buch in Bücherei und Gemeinde erstellt.

Dabei ist der Preis genre-übergreifend. Gewinnen können Romane, Sachbücher, aber auch Bilder-, Kinder- und Jugendbücher. Lieblingsbücher, die den Kriterien entsprechen, können für den mit 10.000 € dotierten Evangelischen Buchpreis 2027 hier vorgeschlagen werden.

 

Evangelischer Buchpreis 2026: Schwebende Lasten

Das Leben einer ganz gewöhnlichen Frau mit allen Höhen und Tiefen, die das 20. Jahrhundert zu bieten hatte.

Erzählt wird das Leben von Hanna Krause: erst Blumenbinderin, später Kranfahrerin in der DDR, Mutter von sechs Kindern, Frau eines Trinkers, Überlebende der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg. Der Roman blickt zurück auf eine Zeit großer Umbrüche, in dem das Leben um einiges härter war als heute.

Vielleicht gerade weil die Protagonistin eine ganz gewöhnliche Frau ist, geht das Buch zu Herzen. In Vielem dürfte Hannas Geschichte an die Leben der Großmütter und Urgroßmütter lesender Frauen in Ostdeutschland anknüpfen. Findig und zäh lebt sie ihr Leben vor allem für andere, insbesondere ihre Kinder. Es gibt nur wenige Momente, in denen Hanna aufblüht und sich selbst entfaltet. Als Macherin ist sie meist von außen zu sehen, wie ein Ausstellungsstück im Museum, aus einer Zeit, die noch gar nicht so lange her ist.

Sprachlich gefällt das Buch durch seine Prägnanz und Dichte und verdient seinen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025. Empfehlung für Literatur- und Gesprächskreise, Geschichtsunterricht, generationenübergreifender Dialog.   Wiebke Richter 

Gröschner, Annett: Schwebende Lasten. Roman. Annett Gröschner. München: C.H.Beck 2025. 279 S. ; 22 cm.   ISBN 978-3-406-82973-4, geb.: 26,00 €

 

Evangelischer Buchpreis 2025: Leon Hertz und die Sache mit der Traurigkeit

Sein Referat für Ethik bringt Leon mit Fragen zum Thema Trauer in Berührung - aber ganz anders, als man vermuten könnte. 

Für das Ethik-Referat hat sich Leon das Thema "Das Holzkreuz an der Ampel" ausgesucht. Ein 23 Jahre alter Radfahrer ist hier tödlich verunglückt. Aber wer hat das Kreuz aufgestellt? Wer zündet noch nach Jahren die Kerze an und stellt frische Blumen hin? Und warum? 

Leons Recherche führt ihn auf den Friedhof, zu Menschen, die auf unterschiedliche Weise trauern, die durch das Unglück den Halt im Leben verloren haben, und lässt ihn sich panisch seiner eigenen Sterblichkeit bewusst werden.

Das Buch ist neben der Thematik Tod und Trauer randvoll mit tiefgehenden Themen: Depressionen, Selbstverletzung, suizidale Gedanken, Außenseiter, Mobbing, Jugend-Subkulturen, sexuelle Findung, Homophobie etc. - und liest sich dabei spannend wie ein Krimi, federleicht wie eine Liebesgeschichte und ist obendrein eine witzige und berührende Freundschaftsgeschichte. Das muss man erstmal schaffen! Nicht zu vergessen: die ausdrucksstarken Kapitelvignetten, die man in die Arbeit mit dem Buch einbinden kann und sollte.

Die Zugänglichkeit bei dieser unbequemen Thematik sollten das Buch zur Pflichtlektüre für den Ethik-, Religions- und Konfirmationsunterricht machen. Chapeau, Volker Surmann!    Katja Henkel 

Surmann, Volker: Leon Hertz und die Sache mit der Traurigkeit. Volker Surmann. Ill. von Tine Schulz. München: Mixtvision 2024. 217 S. : Ill. ; 22 cm., ISBN 978-3-95854-211-2, geb.: 16,00 €

 

Evangelischer Buchpreis 2024: Oben Erde, unten Himmel

Eine junge Frau aus einer japanischen Großstadt kommt durch die Arbeit dem Tod nah, das verändert ihr Leben.

Suzu lebt allein. Sie teilt sich ihre Wohnung mit einem Hamster. Beziehungen zu Männern lassen sie unglücklich zurück. Familienkontakte finden keinen Widerhall in ihr. Sie nimmt einen Job in einer Reinigungsfirma an, die sich um Orte kümmert, an denen Menschen tot aufgefunden werden.

Von ihrem Chef guckt sie sich ab, wie er denen, die elendig die Erde verlassen haben, würdevoll begegnet. Er spricht mit ihnen, als wären sie am Leben und hörten die Botschaften. In ruhigem Ton verspricht er ihnen, sie respektvoll zu verabschieden.

Die Mitarbeitenden räumen auf und reinigen, erzählen einander Geschichten und öffnen sich für diese Schwingungen zwischen Himmel und Erde. "Es geht darum, etwas für einen Toten zu tun, was man sonst nur für einen Lebenden tut." Wo hört schon die Erde auf, wo begint der Himmel? Die Grenzen sind verschwommen. Vielleicht ist der Himmel auch unten und wir Menschen gehen auf Wolken. Wer weiß das schon? Suzu findet in diesen heiligen Zonen zurück ins Leben. 

Unbemerkt Verstorbene bekommen ihre Würde zurück und schärfen den Blick auf alles Lebendige. Himmel und Erde verweben sich.  Christine Behler 

Flašar, Milena Michiko: Oben Erde, unten Himmel. Roman. Milena Michiko Flašar. Berlin: Wagenbach 2023. 296 S. ; 22 cm. 
ISBN 978-3-8031-3353-3, geb.: 26,00 €

 

Evangelischer Buchpreis 2023: Der Erinnerungsfälscher

Philosophisch-politische Aufarbeitung eines Lebenstraumas durch Verfolgung, Flucht und Heimatlosigkeit

Der irakische Schriftsteller Said Al-Wahid hat seit Jahren schon einen deutschen Pass und lebt mit Frau und Sohn ein bürgerliches Leben in Berlin. Als ihn der Anruf seines Bruders aus Bagdad erreicht, seine Mutter liege im Sterben, bucht er umgehend einen Flug in den Irak. Auf der Reise überfluten ihn die Erinnerungen an seine Kindheit in Bagdad, seine Flucht als junger Mann über Jordanien und Libyen nach Europa und seine Jahre als Flüchtling in Deutschland.

Aber ist auf sein Gedächtnis Verlass? Seine Erfahrungen haben Said so traumatisiert, dass er seine Erinnerungen verdrängt hat und seine Gedächtnislücken mit Erfundenem füllt. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und Said, zunächst verstört ob seiner klaffenden Erinnerungslücken, spürt, dass der Schmerz nur so erträglich für ihn ist.

Differenziert erzählt Abbas Khider, der selbst in Bagdad geboren wurde und seit 2000 in Deutschland lebt, ein universelles Flüchtlingsschicksal, einer Flucht, die nie zu Ende ist.

Ein sprachlich und inhaltlich überzeugender schmaler, aber ungeheuer intensiver Roman über den Überlebensmechanismus subjektiver Erinnerungen, auch für Lesekreise gerne empfohlen.    Christine Heymer 

Khider, Abbas: Der Erinnerungsfälscher. Roman. Abbas Khider. München: Hanser 2022. 125 S. ; 21 cm.  ISBN 978-3-446-27274-3, geb.: 19,00 €

 

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