evangelisch.de: Der Hochzeitsfest-Trend geht weg von opulenten Feiern hin zu unaufwendigen, aber individuellen Festen. Welche Tipps und Tricks kannst du verraten, um eine Hochzeit mit wenig Aufwand besonders schön und stimmig zu gestalten?
Laura von Minckwitz: Ich glaube, zunächst einmal braucht es das Selbstbewusstsein des Brautpaares, darüber hinwegzugehen, was jetzt gerade die angesagten Influencer vorgeben. Man sollte sich stattdessen überlegen: Was ist mir für diesen Tag eigentlich wirklich wichtig? Wenn man sich darauf besinnt, fallen einem viele Dinge ein, die man einfacher gestalten kann, die das Ganze aber zu einem viel intensiveren Erlebnis werden lassen.
Es geht ja um das Erleben dieses besonderen Tages, aber auch darum, echte Erinnerungen zu schaffen. Vielleicht muss es deshalb nicht der Profifotograf sein, sondern der Onkel, der schon immer so schöne Familienschnappschüsse gemacht hat. Das Hochzeitsfoto hat mehr Charme und kann herzlichere Erinnerungen hervorrufen, wenn es gerade nicht perfekt inszeniert ist. Oder das Brautkleid. Muss es das Neueste von Kaviar Gauche sein? Oder kann es auch das Brautkleid der Mutter sein, das man sich umschneidert oder ein Second-Hand-Kleid, das man beim Junggessellenabschied in Amsterdam gefunden hat?
Ein weiterer Kniff ist es, spontane Termine bei Locations nachzufragen, die man dann eventuell günstiger kriegt. Wenn man im März sagt: "Ach, ich möchte dieses Jahr doch noch heiraten", dann findet sich oft ein Termin. Diese typischen Schnapszahl-Daten treten mittlerweile zum Glück in den Hintergrund. Den Geburtstag oder Todestag kannst du dir schließlich auch nicht aussuchen. Und merken muss sich das Paar das Datum so oder so.
Wenn man einen Termin beim Standesamt oder eine Location buchen möchte, dann sind Freitage oder die Tage vor und nach oder an Feiertagen oft eine Möglichkeit, auch kurzfristiger noch etwas zu bekommen. Meist kriegt man die Freitage dann auch günstiger, wenn man nachfragt. Das ist eine super schöne Option, auch damit man nicht jahrelang im Voraus planen muss.
Man kann sich all diese Fragen stellen: Brauchen wir wirklich einen Weddingplanner oder können wir selbst planen? Brauchen wir diesen DJ? Oder kann das auch eine Playlist sein oder die Freundin, von der ich weiß, dass sie immer gerne auflegt? Kann meine Cousine die Blumendeko machen? Hat jemand aus dem Umfeld Lust, die Torte zu backen? Wenn diese Beiträge von all den Familienmitgliedern und Freunden kommen, mit denen man gemeinsam feiert, kommt es viel mehr von Herzen und hat eine persönliche Note. Das ist das, worauf viele Menschen sich zurecht rückbesinnen. Eine echte Familienfeier eben.
"#einfachheiraten gibt die Chance, sich von Statussymbolen und Einengung freizumachen. Sich zurückzubesinnen auf die inneren Werte, die eigentlich bei einer Trauung die große Rolle spielen"
Laura, du beobachtest das ja jetzt schon seit ein paar Jahren. Wie haben sich die Hochzeitsfeste verändert?
Laura von Minckwitz: Der Trend geht, wie du schon sagtest, weg von den sehr großen Festen, die es bis kurz nach Corona noch waren, hin zu kleineren Feiern. Manche gehen nur noch mit den Eltern und Trauzeugen zum Standesamt, danach ins Restaurant und lassen die Feier komplett sausen, weil sie für das Geld dann lieber in die Flitterwochen fahren. Das hat natürlich zum einen den Hintergrund der Rezession. Große Feste werden immer teurer. Das Catering ist ein riesiger großer Posten, weil vor allem die Preise für gute Nahrungsmittel und die Personalkosten gestiegen sind.
Trotz dieser scheinbar negativen Entwicklung kann das Paar das aber zu etwas sehr Positivem werden lassen: #einfachheiraten gibt die Chance, sich von Statussymbolen und Einengung freizumachen. Sich zurückzubesinnen auf die inneren Werte, die eigentlich bei einer Trauung die große Rolle spielen. Ich finde, dass es den Paaren ganz neue Möglichkeiten bietet.
Dabei geht es um viel mehr, als nur kostengünstig zu feiern. Früher haben die Paare zwei Jahre im Voraus gebucht, hatten einen Profi-Fotografen für 5.000 Euro, den DJ für 6.000 Euro und so weiter. Oder eine Candybar – wer braucht eine Candybar, wo oben auf dem Holz noch das Wort "Candybar" steht?
Wenn Paare nun ganz bewusst im Zeichen von #einfachheiraten feiern möchten, welche weiteren Ratschläge oder Empfehlungen kannst du ihnen geben?
Laura von Minckwitz: Ich muss wirklich die Lanze für die Wahl des Ortes brechen. Das muss überhaupt kein Prinzessinnenschloss sein, aber es sollte ein Ort sein, der dem Paar entspricht. Das kann das Flussufer sein, an dem sie sich kennengelernt haben, eine Scheunenhochzeit auf einer Sommerwiese oder eine Industriehalle an den Gleisen. Hauptsache, es ist etwas Eigenes, Persönliches.
Mein ganz persönlicher Tipp für Paare - aus eigener Erfahrung: Viele denken ja immer, es muss alles ganz nah beieinander sein, stimmig sein und passend. Was ich aber so schön finde, ist eine etwas längere Fahrt von der Kirche zur Festivität. Man ist als Paar während dieses Tages die ganze Zeit wie unter einer Käseglocke. Einmal wegen der Aufregung, aber auch, weil man andauernd abgelenkt ist, da man eben auch Gastgeber ist. Das Tolle an einer längeren Fahrt ist, dass man zu zweit im Auto sitzt, wahrscheinlich vom Trauzeugen gefahren wird und Zeit hat, alles nochmal in sich nachklingen zu lassen. Deshalb empfehle ich manchen zum Beispiel die Matthias-Kapelle in Kobern-Gondorf, weil sie dann eine 20-minütige Autofahrt haben, in der sie herunterkommen und sich nur um sich selbst kümmern können. Das werden sie den ganzen restlichen Tag nicht mehr können. Abgesehen davon freuen sich auch alle über den Autokorso.
Zum Thema Kirche habe ich auch einen Tipp für alle Paare. Es sollte daran gedacht werden, dass die Traumkirche vielleicht nicht mehr so traumhaft ist, wenn sie nur zu einem Viertel mit den Gästen gefüllt ist. Wir haben bei uns alle Kirchen in der Gegend fotografiert und eine Übersicht von klein nach groß oder katholisch zu evangelisch gemacht. Zum Beispiel die Matthiaskapelle in Kobern-Gondorf ist sehr schön. Es ist eine charmante Kapelle mit achteckiger Fläche und Säulen, in der du dich trauen lassen kannst. Das ist zum Beispiel etwas für kleine Gesellschaften. Und die längere Rückfahrt zum Verschnaufen ist auch gleich inklusive.
Mittlerweile sind die katholischen und evangelischen Kirchen auch viel lockerer geworden, was das Überlassen ihrer Kirche für die jeweils andere Konfession angeht. Das heißt, im eher katholisch geprägten Rheinland kann ich anfragen, ob ich in einer katholischen Kirche evangelisch heiraten darf. Dem Wunsch wird meist entsprochen.
"Sie war Modedesignerin und hatte selbstgeschneiderte Pompons in die Magnolien gehängt, mit unterschiedlich langen Stoffbändern. Das hatte einen sehr hohen Reiz. Er hatte für seine Mutter, die schon gestorben war, überall rote Rosen aufgestellt"
Bietet ihr denn auf Gut Nettehammer auch Segnungsfeiern oder kirchlichen Trauungen an?
Laura von Minckwitz: Komischerweise ganz selten. Wenn die Leute kirchlich heiraten, dann wollen sie auch direkt in eine richtige Kirche. Die Paare, die das nicht brauchen, nutzen aber bei uns freie Trauungen. Oder sie wählen eine rein standesamtliche Trauung, da wir eine Außenstelle des Standesamtes Andernach sind. Ein Standesbeamter kommt dann hierher und traut die Paare vor Ort. Das kann man wunderbar selber gestalten: bei schönem Wetter draußen im Park oder aber im Saal. Man sucht sich einfach seinen Lieblingsort aus, hinterm Teich oder vor der Ruine. Die Paare kommen zu uns, weil es ihnen vor allem um das Sein in dieser wunderschönen Natur geht.
Wie läuft das, wenn Paare beispielsweise direkt draußen am See heiraten möchten?
Laura von Minckwitz: Bei einer Trauung bauen wir meistens, in symbolischer Anlehnung an eine Kirche, Bankreihen mit einem Gang in der Mitte auf. Vorne gibt es einen Tisch mit zwei schönen alten Sesseln für das Brautpaar und auf der anderen Seite Platz für den Redner oder Standesbeamten. Wir stellen die Hardware zur Verfügung und das Paar gestaltet es nach eigenen Wünschen mit Hussen und Blumen.
Für den späteren Empfang bauen wir Stehtische in der Nähe der Gebäude auf oder nutzen die im Park verteilten Steintische mit alten Gartenmöbeln. Lange weiße Tafeln im Freien stellen wir wegen der schwierigen Wetterplanung sehr selten auf. Wenn sich das Wetter plötzlich ändert, kann der Caterer bei 80 oder mehr Gästen nicht mal eben so schnell umplanen. Für das Essen nutzen wir deshalb meistens unsere beiden Festsäle oben, wo man Rundtische oder längere Tafeln mit Biertischen aufbauen kann.
Übrigens, ein Zelt draußen aufzustellen, klingt zwar nach einer günstigen Alternative, ist aber überhaupt nicht die einfache Variante. Ein professioneller Zeltaufbau mit Boden für größere Gesellschaften ist wahnsinnig teuer und kann schnell in fünf- bis sechsstellige Bereiche gehen. Das ist sogar eher die komplizierte Variante.
Wie sieht eine typische Feier im kleineren Rahmen bei euch aus und was kann man beim Catering tun, um diesen Kostenfaktor flexibler zu gestalten?
Laura von Minckwitz: Beim Catering hilft die Wahl zwischen gesetztem (serviertem) Essen und Buffet. Zweites ist natürlich günstiger, ohne dass man bei der Qualität des Essens Abstriche machen muss.
Im Vergleich zu den größeren Hochzeiten mit bis zu 130 gesetzten Personen haben die kleinsten Hochzeiten bei uns haben ungefähr 30 Personen. Die Schwierigkeit bei kleinen Gesellschaften ist, dass man sich in einem großen Festsaal fast ein bisschen verloren fühlt, ähnlich wie in der Kirche.
Deshalb planen wir gerade ein neues Projekt um: Wir setzen das historische Gewächshaus direkt im Park neben dem Teich mit einem alten Backofen wieder instand. Dort möchten wir eine lockere Atmosphäre schaffen, mit einem langen Refektoriumstisch, an dem man direkt frisch gebackene Pizza serviert bekommt. Das ist vom Essen her lässig, schont das Budget und ist für eine kleinere Gesellschaft unheimlich gemütlich. Du hast diesen wunderbaren Park drumherum, hörst die Vögel zwitschern und sitzt zwischen alten Apfelbäumen.
Gibt es denn eine bestimmte Hochzeit, die du als besonders schön in Erinnerung behalten hast?
Laura von Minckwitz: Ja, und zwar von einem bezaubernden Brautpaar aus der Schweiz. Sie war Modedesignerin und hatte selbstgeschneiderte Pompons in die Magnolien gehängt, mit unterschiedlich langen Stoffbändern. Das hatte einen sehr hohen Reiz. Er hatte für seine Mutter, die schon gestorben war, überall rote Rosen aufgestellt. Das Paar hat sich diesen Ort angeeignet und einfach selbst gestaltet. Dadurch wurde es eine ganz besondere Feier.
Habt ihr übrigens noch freie Termine um den 6. Juni herum?
Laura von Minckwitz: Ich denke, ganz so kurzfristig heiratet keiner in einem festlichen Rahmen, aber ja: Freitag, der 5.6. Es lohnt sich eben das Nachfragen. Wir haben dieses Jahr noch einige Freitage frei, sowie zwei Samstage: den 4.7. und den 19.9. Der September ist übrigens oft auch noch sehr schön!



