TV-Tipp: "Tatort: Verborgen"

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16. April, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Tatort: Verborgen"
Vor einigen Jahren hat sich ein NDR-"Tatort" mit Wotan Wilke Möhring schon einmal mit dem tragischen Schicksal eines Flüchtlings befasst: Das bedrückende Drama "Verbrannt" (2015) orientierte sich am Tod von Oury Jalloh aus Sierra Leone, der 2005 unter ungeklärten Umständen in einer Zelle verbrannt ist. "Verborgen" beginnt ebenfalls mit einem toten Schwarzafrikaner. 

Als ein Lkw-Fahrer auf einem Autobahnparkplatz bei Hannover eine Pause macht, springen plötzlich mehrere Menschen aus dem Palettenkasten; aber einer bleibt liegen. Bei der Obduktion stellt sich raus, dass der junge Mann einen Herzinfarkt hatte, womöglich begünstigt durch klaustrophobischen Stress. Hinweise auf seine Identität gibt es nicht; der Fahrer ist ebenfalls abgehauen. Da es sich bei den Geflüchteten in der Tat um Flüchtlinge handelte, wollen Thorsten Falke und Kollegin Grosz (Franziska Weisz) rausfinden, wer den Transport organisiert hat.

2014 sind Falke und seine damalige Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) zur Bundespolizei gewechselt. Damit war die redaktionelle Vorgabe verknüpft, dass die Drehbücher regelmäßig Geschichten aus dem Migrationsumfeld erzählen sollen. Deshalb gehört zu den zentralen Figuren von "Verborgen" auch ein Ehepaar aus Simbabwe.

Während sich Falke und Grosz im Pausenraum der zuständigen Dienststelle einrichten, bittet Jon Makoni (Alois Moyo) die Polizei um Hilfe: Sein 17jähriger Sohn ist seit acht Tagen verschwunden. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei Noah um den toten Jungen aus dem Laster handeln könnte. Zu Jons großer Erleichterung ist das zwar nicht der Fall, aber er sagt, der Verstorbene sei ein Freund von Noah.

Die Begegnung des Vaters mit Falke ist die erste von vielen intensiven gemeinsamen Szenen. Im weiteren Verlauf der Handlung kommt zwar keinerlei Krimi-Spannung auf, aber schon allein das Zusammenspiel von Möhring und Alois Moyo ist sehenswert. Sehr authentisch wirken auch Falkes Ausflüge in die schwarzafrikanische "Community". Ganz gleich, auf wen er trifft, er wird umgehend als Polizist erkannt. Da die Erfahrungen dieser Menschen mit der Polizei selten ersprießlich waren, ist ihr Verhalten verständlicherweise von Misstrauen geprägt, zumal sich viele von ihnen illegal hier aufhalten; auch Jon.

Jon muss sich zudem ständig gegenüber seiner Frau Hope (Sheri Hagen) rechtfertigen: Erst ist er wegen Noah zur Polizei gegangen, nun hilft er auch noch bei der Suche nach den Hintermännern des Schleuserrings. Dass der moralisch stets integre Falke großzügig über Jons fehlende Papiere hinweg sieht, ehrt ihn zwar, dürfte aber gerade für einen Bundespolizisten reine Fiktion sein. Andererseits ist diese Haltung natürlich die Voraussetzung dafür, dass sich zwischen den beiden Männern ein Vertrauensverhältnis entwickelt.

Weil Filme wie "Verborgen" selbstredend ein Anliegen haben, räumen die Autorinnen Julia Drache und Sophia J. Ayissi dem Ehepaar Makoni viel Zeit ein. Deshalb ist dieser "Tatort" im Grunde kein Krimi, sondern in erster Linie ein Drama, das auch den Titel "Schattenleben" tragen könnte (wie der letzte "Tatort" mit Falke und Grosz hieß).

Regisseurin Neelesha Barthel führt das Publikum in eine Parallelwelt, von deren Existenz die meisten Deutschen keine Ahnung haben: Jon und Hope haben beide in ihrer Heimat studiert. Sie gibt anderen Geflüchteten Deutschunterricht, er schlägt sich seit elf Jahren mit Gelegenheitsjobs durch; von der ständigen Furcht vor Abschiebung ganz zu schweigen. Laut NDR leben in Deutschland 600.000 Menschen unter solchen Umständen. "Uns gibt es gar nicht", sagt Jon: "Wir sind unsichtbar."

Die Atmosphäre eines permanenten Unbehagens, für das die Bildgestaltung (Christian Marohl) mit ihren gedeckten Farben sorgt, unterstreicht die psychische Situation der "Papierlosen", aber ansonsten ist "Verloren" filmisch nicht weiter bemerkenswert. Barthels Regiedebüt war 2015 "Marry Me!". Gemessen an der Originalität dieser mit vielen überraschenden Zutaten gewürzten Multikulti-Kinokomödie waren ihre späteren TV-Arbeiten von "Ein schrecklich reiches Paar" (2017) bis zur Krimiserie "Jenseits der Spree" (2021/23, beide ZDF) handwerklich bloß guter TV-Durchschnitt.

Auch ihre "Tatort"-Premiere zeichnet sich vor allem durch die Arbeit mit dem Ensemble aus. Die meisten Mitwirkenden sind kaum bekannt, was prompt zur Folge hat, dass halbwegs versierte Krimifans umgehend ahnen: Der Mann mit dem oft gesehenen Gesicht, der zunächst nur am Rande auftaucht, wird noch mal eine entscheidende Rolle spielen. Der 18. Falke-Krimi ist ein Jubiläumsfilm: Möhrings "Tatort"-Premiere war im April 2013 "Feuerteufel". Zur Würdigung des Jahrestags wiederholt der NDR in seinem dritten Programm einige alte Fälle, darunter am 25. April um 22.00 Uhr auch "Verbrannt". 

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