"Beteiligungsforum letzte Chance für Aufarbeitung"

Portrait von Detlev Zander

© epd-bild/Thomas Lohnes

Detlev Zander ist Sprecher vom Netzwerk Betroffenen Forum und tritt für Menschen ein, die im Kontext mit der evangelischen Kirche sexualisierte Gewalt erlebt haben. (Archivbild)

Missbrauch in der Kirche
"Beteiligungsforum letzte Chance für Aufarbeitung"
Das neue Beteiligungsforum zur Aufarbeitung von Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie ist nach Meinung von Betroffenen ein Meilenstein. Darüber dürfte auch auf der kommenden EKD-Synode in Magdeburg gesprochen werden.

Menschen, die im Bereich der evangelischen Kirche sexualisierte Gewalt erlebt hätten, hätten "weitreichenden Einfluss", sagte der Sprecher der Betroffenen, Detlev Zander, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei ein Vorteil, dass nun alle an einem Tisch säßen. Diese Form der Beteiligung habe es so noch nie gegeben, betonte er.

Das Beteiligungsforum hatte im Juli seine Arbeit aufgenommen, nachdem die EKD im vergangenen Jahr die Arbeit des kurz zuvor neu gegründeten Betroffenenbeirats ausgesetzt hatte. Grund dafür waren Streitigkeiten über Rolle und Ausstattung des Gremiums. Daran hatte es viel Kritik gegeben. In dem neuen Forum sitzen 17 Mitglieder, darunter 9 Kirchenvertreter und 8 Betroffene. Für Beschlüsse bedarf es einer doppelten Mehrheit beider Gruppen.

Zander sagte, aus der Vergangenheit habe man gelernt, dass die Architektur mit zwei einzelnen Gremien - eines auf kirchlicher Seite und eines auf Betroffenenseite - nicht funktioniert habe. Das Beteiligungsforum sei ein gemeinsames Projekt, beide Seiten hätten dem zugestimmt. "Wir arbeiten gut zusammen, hart in der Sache, aber fair im Umgang", sagte Zander.

Gemeinsame Ziele seien die Aufklärung von Taten im Raum der Kirche und Diakonie, Aufarbeitung, Prävention und die Entschädigung der Opfer, sagte Zander. Sein persönliches Ziel sei es zudem, Häuser der Kirche und Diakonie zu sicheren Orten für Kinder und Jugendliche zu machen.

Das Beteiligungsforum sei die letzte Chance für die Kirche, Aufklärung und Aufarbeitung von Verbrechen in ihrem Bereich anzupacken. Zander betonte, es sei genug gestritten worden, nun sei es Zeit gemeinsam etwas zu erreichen. Er habe dabei die Belange der Betroffenen immer im Blick.

Die drängendsten Themen seien aus seiner Sicht, das System für die Entschädigungen zu reformieren. Jede der 20 Landeskirchen der EKD und die Diakonie gehe anders vor. Zudem müsse man heraus aus dem Dunkelfeld, dazu müssten Betroffene sich einfacher melden können. Die unabhängige Anlaufstelle "help" funktioniere nicht richtig, sagte Zander. Zuletzt sei es wichtig, dass die Beschlüsse des Beteiligungsforums auch umgesetzt würden. Darum solle es auch auf der kommenden Synode der EKD Anfang November im November in Magdeburg gehen. "Ich werde sehr wachsam sein, ob die Beschlüsse auch umgesetzt werden", erklärte Zander.

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Stichwort: Evangelische Kirche in Deutschland
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 19,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 128 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus.

Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen. Die einzelnen Landeskirchen sind selbstständig, die EKD koordiniert jedoch das einheitliche Handeln. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Beziehungen zu den Partnerkirchen im Ausland. Zudem ist die EKD zuständig für die Herausgabe der Lutherbibel und des Gesangbuchs. Sie veröffentlicht regelmäßig Denkschriften zu ethischen, sozialen, politischen und theologischen Themen.

Die Teilung Deutschlands hatte 1969 auch für die evangelische Kirche eine organisatorische Trennung zur Folge. Nach der politischen Wiedervereinigung schlossen sich 1991 die evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland wieder zusammen. Anfang 2007 wurde eine Strukturreform wirksam, die auf eine enge Verzahnung der Organe und Dienststellen von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen der Lutheraner und Unierten abzielt. Seit 2009 tagen daher EKD-Synode, die lutherische Generalsynode und die Vollkonferenz der unierten Kirchen zeitlich und personell verzahnt am gleichen Ort.