Bauarbeiter finden komplett erhaltene Skelette

komplett erhaltene Skelette

© epd-bild/Holger Fries

Was die Bauarbeiter bei der Neugestaltung des Platzes an der Kirche St. Michael in Weiden erlebten, hatte gespenstische Züge: Erst fanden sie Knochen, wenig später dann komplett erhaltene menschliche Skelette.

Kirchenplatz-Sanierung in Weiden
Bauarbeiter finden komplett erhaltene Skelette
Bei der Neugestaltung des Kirchenplatzes St. Michael in Weiden staunten die Bauarbeiter nicht schlecht: Im Boden fanden sie nicht nur Sand und Steine, sondern auch Knochen und komplett erhaltene Skelette von Menschen.

Der Platz rund um die Kirche St. Michael in Weiden liegt mitten in der Stadt. Gottesdienstbesucher, aber auch Touristen begehen ihn, um in die Kirche zu gelangen. Doch der Bodenbelag des Kirchplatzes ist in die Jahre gekommen: Das Kopfsteinpflaster ist holprig, Rinnen und Bordsteinkanten sind regelrechte Stolperfallen. Die Kirchengemeinde St. Michael beschloss, den Kirchplatz zu erneuern und einen zeitgemäßen, barrierefreien Platz der Begegnung zu schaffen.

Als im Frühjahr die Arbeiten auf der Westseite der Kirche begannen, legten die Bagger auch die Kanalleitungen frei. Auch sie waren alt und undicht geworden und sollten erneuert werden, erläutert Bauingenieur Hans Schindler vom Planungsbüro. Die Baufirma musste dafür tiefer als 1,60 Meter ins Erdreich. Aber was die Bauarbeiter ab da erlebten, hatte gespenstische Züge: Erst fanden sie Knochen, wenig später dann komplett erhaltene menschliche Skelette. "Das sah aus wie ein Knochenlager. Wir haben schon viel gesehen", sagt Bauleiter Terry Romo. "Aber da macht man sich dann doch einen Kopf, wenn man so etwas findet." Die Baufirma schaltete die Denkmalschutzbehörde ein.

Archäologen untersuchen Fundort

Drei Wochen sondierten Archäologen die Fundstellen: Es wurde vermessen, katalogisiert, fotografiert und dokumentiert, was an menschlichen Überresten im Boden gefunden wurde. Die komplett erhaltenen Skelette seien mittlerweile nach München gebracht und würden dort anthropologisch untersucht, sagt Archäologe Jochen Scherbaum. Analysen könnten Aufschluss über Alter, Herkunft und Krankheitsbilder geben, erläutert er. Das Alter der Skelette schätzt er schon jetzt auf mindestens 16. Jahrhundert, wenn nicht älter.

Bis ins Jahr 1543 existierte laut Angaben des Kulturamts der Stadt um die Kirche herum der "Alte Friedhof". Danach wurde er in den Außenbereich der Stadt verlegt. Laut Bauingenieur hätten die Grabungen unbedenklich verlaufen müssen. Die Planungsfirma habe zwar gewusst, dass dort früher ein Friedhof war, sagt Schindler. "Wir dachten aber nicht, dass wir komplette Skelette finden würden." Schließlich seien im Laufe der Zeit schon viele Leitungen im Boden verlegt worden.

Ein wenig seitlich von der alten Kanaltrasse sei eine auffällige Menge an Knochen gefunden worden. Ein Grund dafür könnte sein, dass neben der Kirche in früheren Zeiten das Beinhaus gestanden hat. Nach seiner Veräußerung wurde das Gebäude, in dem heute ein Lokal ist, zu einem anderen Zweck verwendet. "Das Beinhaus könnten damals ausgeräumt und die Knochen in die Erde gebracht worden sein", vermutet Schindler.

Bodenplatte soll an Grab erinnern

Die Trassenplanung ist in der Zwischenzeit verlegt worden. Letztlich habe man nur einen kleinen Bereich ausgegraben, sagt Archäologe Scherbaum, "so dass ein Großteil der Bestattungen, die auch noch betroffen gewesen wären, aus Kosten- und Pietätsgründen unbeschadet im Boden verbleiben konnten". Und die losen Knochen, die gefunden wurden, sind auf Wunsch der Kirche in einer Grube am Kirchenplatz wieder bestattet und eingesegnet worden. Die Stelle werde markiert und mit einer Bodenplatte am Kirchplatz gekennzeichnet, damit auch die Nachwelt weiß, wo die menschlichen Überreste liegen.

Bis Ende August soll nun der westliche Bereich des Kirchenplatzes barrierefrei und ein Pflaster aus heimischen Granit verlegt sein. Sämtliche Eingänge zur Kirche St. Michael sind dann ebenerdig, um auch gehbehinderten Menschen, Senioren und Familien mit Kinderwagen den Zutritt zur Kirche zu erleichtern. Auf die Platzsanierung wartet Renate Kirschbauer schon lange: "Wenn ich künftig mit meinem Rollstuhl zum Gottesdienst fahre, bin ich nur noch gerührt, nicht mehr geschüttelt", sagt sie. 

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